/// Rubrik: Kultur

Der Seeburgpark und seine Zufälle

Kreuzlingen – Es gibt nur noch wenige Menschen, die sich mit der Geschichte des Seeburgparks in Kreuzlingen auskennen. Guido Leutenegger gehört dazu. Er unterhielt am Mittwochabend im Seemuseum knapp hundert Besucher damit.

Der Vortrag von Guido Leutenegger war sehr gut besucht.(Bild: Thomas Martens)

Der Vortrag von Guido Leutenegger war sehr gut besucht. (Bild: Thomas Martens)

Im Rahmen der neuen Reihe «Seeblicke» mit bekannten Persönlichkeiten aus der Region gelang es Museumsleiter Walo Abegglen, den langjährigen Kommunalpolitiker und heutigen Viehzüchter Guido Leutenegger für einen Vortrag zum Thema Seeburgpark zu gewinnen.
Der 56-Jährige kam als Siebenjähriger nach Kreuzlingen und fand auf der ehemaligen Kehrichthalde Seeburgpark einen tollen Abenteuerspielplatz für sich und seine Freunde. Wenig später reifte in ihm die Idee, dass das Gebiet in direkter Seelage eigentlich viel zu schade dafür sei und er setzte sich als Naturschützer für eine ökologische Aufwertung ein.

Wegweisende Entscheidungen
Die Voraussetzungen dafür wurden allerdings bereits einige Zeit vorher,  im Geburtsjahr Leuteneggers, geschaffen. «1958 hat die Stadt Kreuzlingen das 18 Hektar grosse Areal erworben», so der ehemalige Gemeinde- und Stadtrat. 1962 sei dann die entscheidende Zonenzuweisung erfolgt und der Seeburgpark mit einer knappen Mehrheit von 28 Stimmen gesichert worden. 1999 sei unter Beteiligung aller relevanten Interessen ein Richtplan verabschiedet worden, der eine intensive Freizeitnutzung auf  dem Areal verbiete. Der Regierungsrat habe dies 2001 bestätigt. «Jede Veränderung braucht jetzt einen grossen politischen Konsens.»

Als Sündenfall bezeichnete Leutenegger , dass zwischen Seeweg und Promenadenstrasse am Rand des Parks Häuser gebaut werden konnten: «So etwas darf nicht mehr passieren.» Mit dem Rebberg sei eine gefährdete Lage des Parks entsprechend langfristig gesichert worden.
In seinem launigen Vortrag ging Leutenegger auch auf einige Mythen und Märchen ein, die sich um den Seeburgpark ranken. So sei er eher zufällig auf Wollschweine und Hochlandrinder gekommen, durch die der Park überregional bekannt wurde. «Die Schweine sorgen dafür, dass die Insel nicht verbuscht, und die Hochlandrinder halten die Kosten fürs Mähen der Wiesen niedrig.»

Der Beobachtungsturm sei auch eher zufällig entstanden. Der damalige Stadtammann Josef Bieri habe zum Jahrtausendwechsel nach einer «Millenniumidee» gesucht und Leutenegger habe mit dem Turm eine gehabt. Dass dieser wie ein «Zonenturm» der ehemaligen DDR aussieht, sei der kostengünstigen Bauweise geschuldet. Und der Zufall spielte auch beim Amphibiensteg eine grosse Rolle. Angesichts einer zunehmenden Nutzung des Parks durch Badegäste sei der Ruf nach einer WC-Anlage laut geworden. «Da man aber am See keine hinstellen wollte, hat man einen kurzen Weg zur Seeburg erstellt.»

Im Anschluss an den Vortrag konnten die Besucher Speck und Schinken von Wollschweinen und Hochlandrindern probieren und sich das eine oder andere Gläschen Seeburg-Wein schmecken lassen.

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One thought on “Der Seeburgpark und seine Zufälle

  1. Bruno Neidhart

    Es fehlt der entscheidende Hinweis, dass 62/63 im eigentlichen, alten, schlossgekrönten „Seeburgpark“ ein ganzer Stadtteil mit u.a. drei 52 Meter hohen Hochhäusern, mit Wohnblocks und Supermarkt geplant und zur Realisierung vom Stadt- und Gemeinderat vorbereitet wurde. U.a. war es jungen Kreuzlingern zu verdanken, dass dies schliesslich nicht zur Realisierung kam, das Stimmvolk per Referendum „das Ding“ eindeutig verwarf. Der erwähnte „Sündenfall“ zwischen „Seeweg und Promenadenstrasse“ ist daher eher „Peanut“.

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