/// Rubrik: Leserbriefe

Zum «Klartext» Nr. 2

Leserbrief – Zu Klartext Nr. 2 möchte ich doch meine Meinung kundtun. (Robert Holzschuh)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Ich bin ja auch ein Verfechter des verdichtenden Bauens, statt Städte und Gemeinen weiter in die Landschaft ‘ausfransen’ zu lassen, wie das häufig zu beobachten ist, sollte man Lücken schliessen. Wenn man sich allerdings der Meinung von Hr. Brändli anschliesst, und nur den Markt spielen lässt, dann führt das doch häufig zu sehr unschönen Entwicklungen.
Die Weinbergstrasse, um ein Beispiel zu nennen, leidet genau darunter. Sie gehört zu den wenigen noch einigermassen intakten Strassen in Kreuzlingen. Die meisten Häuser sind Einfamilienhäuser mit Garten. Allerdings hat auch hier schon ein wunderschönes Beispiel für den spielenden Markt – auch Renditeobjekte genannt – vor einigen Jahren Einzug gehalten. Das Gebäude unterhalb der Herzklinik, es müsste die Hausnummer 4 sein, passt überhaupt nicht in diese Strasse, wenn man es z.B mit den Gebäuden Weinbergstrasse 2 und 6 vergleicht. An dieser Stelle kann man prophetisch voraussagen, dass das für knapp Fr. 1.5 Millionen zum Verkauf stehende Gebäude in der Weinbergstrasse 22 das gleiche Schicksal ereilt wie das vorher im Bereich der Hausnummer 4 stehende Gebäude – abreissen, Ausnützungsziffer voll ausnützen, maximale Rendite erzielen.

Im Vorfeld wird dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Totschlag-Argument «Siedlungsdruck» ausgepackt, und schon ist das 6-Parteien-Gebäude genehmigt. Dann darf sich allerdings in 10 Jahren niemand mehr wundern, wenn die letzten charaktervollen Gebiete der Stadt unter dem Siedlungsdruck in sich zusammengefallen sind!

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One thought on “Zum «Klartext» Nr. 2

  1. Bruno Neidhart

    Die „letzten charaktervollen Gebiete der Stadt“ sind vom Urbestand her schon viele Jahrzehnte alt und wurden lediglich aufgefüllt, wie derzeit noch die vorhandenen freien – oder „freigemachten“ – Parzellen mit leider überdimensionierten Bauten, die entsprechend die Quartierästhetik beeinträchtigen, sofern diese von den Verantwortlichen überhaupt wahrgenommen wird. Man kann dies an vielen Stellen der Stadt beobachten und, wenn man möchte, bedauern. Ein neuer Parzellenbesitzer schert sich in der Regel über die Empfindung der jetzigen Quartierbewohner hinweg. Er hat seine eigene Zielvorstellung. Bedeutend ist in diesem Zusammenhang auch die oft nicht stimmige Erweiterung von „ehemals guten Bauten“, oder ganz abschreckend, der unqualifizierte Anbau von Autogaragen (selbst im schicken „Bodanquartier“ zu beobachtet!). Das Ganze ist allerdings keine ausschliesslich „Kreuzlinger Erfindung“. Entlang des gesamten Untereseeufers kann man beispielsweise diese Tendenz ebenso deutlich erkennen, wo noch die letzten freien , charakteristischen grünen Hanggrundstücke der kleinen Schweizer Gemeinden mit zum Teil gigantischen „Stufenbauwerken“ belegt werden. Nicht selten sind solche Entwicklungen, wie man erkennt, „mit einem entsprechenden Steuerfuss vergesellschaftet“! In der Tat ist die Aussage, dem „Siedlungsdruck“ nicht ausweichen zu können, zu einfach. Das „Problem“ ist sowohl unter dem Architektonisch-Stadtplanerischen zu benennen, als besonders auch unter einem allgemein gesellschaftlichen Verhalten, in dem der „Rückzug zum Ich“ in allen möglichen Dimensionen anhält. So gesehen ist es eben auch, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, fast unmöglich, ein Zentrum zu gestalten (Boulevard!), in dem sich ein grosser Teil der Gesellschaft , jung und alt, erkennen könnte. Das „Erlebnis Stadt“ ereignet sich vorzugsweise fast nur noch in den grossen Einkaufszentren. Es fehl so „der Geist“, der eine Gesellschaft als Stadt zu definieren vermag. Dieser ist nicht ausschliesslich, aber eben auch, mit der architektonischen Ausrichtung vergesellschaftet, wobei das dann heissen mag, im Zentrum eine dichte Atmosphäre zu schaffen, in dem Bauten entstehen, die eine Infrastruktur aufweisen, die animiert und gesellschaftlich attraktiv daher kommt. Solange die Attraktivität sich besonders auf die bebauten oder noch zu bebauenden Hänge über der Stadt oder einer Parkbebauung in der Stadt (Bellevue) bezieht, das Zentrum als Mittelpunkt sich nicht deutlicher bewegt, verliert Kreuzlingen an innerem Wert, der gesellschaftlich-relevant zu einer veritablen Zentrumsbildung beitragen könnte. Es bleibt viel zu tun!

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