/// Rubrik: Region

Wo sind die Schwäne?

Ermatingen – Ein von einer Schwanenplage gebeuteltes Dorf sieht anders aus.

Was stresst du mich an? Einzelner Schwan an der Stedi. (Bild: sb)

Was stresst du mich an? Einzelner Schwan an der Stedi. (Bild: sb)

Ermatinger bezeichnen ihr Dorf als das langweiligste der Schweiz – Aufregung verursacht lediglich die «Schwanenplage». So zumindest suggeriert es ein kürzlich gesendeter Radiobeitrag: Von mehr als hundert Schwänen auf der Stedi, kübelweise Kot und Gestank wird berichtet. Wer sich zur Zeit auf Spurensuche begibt, wird allerdings enttäuscht.

«Von einer Plage hab ich nichts gehört», sagt eine Mutter, die sich an der Bogi sonnt. Wir werden zum Horn geschickt, «vielleicht hat es dort mehr Schwäne». Auf dem Weg treffen wir Jugendliche, die Fussball spielen. «Das ist lediglich an ein paar Tagen im Jahr so», sagt ein Junge. An der Stedi präpariert ein Fischer seine Angeln. Er zeigt auf die weissen Punkte weiter draussen. «Dort sind sie, im Naturschutzgebiet.» Es sei schon ab und an ärgerlich, weil die Schwäne die Boote verunreinigen. «Früher haben sie Schwanenbraten gegessen, das hat die Population reduziert», weiss ein Ausflügler. Zuletzt geben noch zwei junge Ermatingerinnen Auskunft, die gerade schwimmen waren: «Von einer Schwanenplage wissen wir nichts.»

Situation nicht brenzlig
Martin Stuber, Gemeindeammann von Ermatingen, bringt Licht ins Dunkel: «Wir haben sicher die höchste Schwanenpopulation weit und breit.» Zum Problem werde das aber erst, wenn der Wasserpegel so hoch ist, dass die Schwäne ihre Nahrung am Ufer, in Ermatingen, suchen müssen. «Vor zwei Jahren war das schlimm. Da konnte man nicht mehr ins Wasser.» Betroffen waren vor allem die Anwohner von Oberstaad, «täglich wurde der Dreck weggeschaufelt.» Es sei angesichts des stabilen Wasserpegels nicht damit zu rechnen, dass sich solche Szenen in diesem Jahr wiederholen.

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