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Fischer für mehr Nährstoffe im See

Kreuzlingen – Die Berufsfischer fürchten um ihre Existenz. Weil der Bodensee zu wenig Nährstoffe hat, haben sie 2013 so wenig Fische an Land gezogen wie nie zuvor in den vergangenen 60 Jahren. Jetzt starten sie eine Informationsoffensive und fordern zum wiederholten Male ein «Nährstoffmanagement».

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

Die Fischer tagten dort, wo sie nicht enden wollen: Im Museum. Denn wenn nichts gegen den «drastischen Nährstoffrückgang» im See unternommen wird, dann stirbt die Berufsfischerei bis in spätestens 15 Jahren aus. So zumindest lautet die Bilanz der Schweizerischen, deutschen und österreichischen Berufsverbände, die sich am Freitag im Seemuseum trafen.

Dabei stellten sie ihre neue Info-Kampagne vor: Unter www.rettet-den-bodensee.net gibt es weitere Informationen. Die Petition der Fischer kann online unterzeichnet werden.

So lautet die Medienmitteilung der Bodensee Berufsfischer:
«Neue Hiobsbotschaften belegen, dass sich der Fangertrag an Bodenseefelchen im Bodensee-Obersee in wenigen Jahren halbiert hat und weiter sinkt. Diese existenzbedrohende Situation bestärkt die Berufsfischer in ihrem Entschluss, die letztjährige Informations-Kampagne fortzuführen und auszudehnen. Im Rahmen eines Medien-Termins im Seemuseum in Kreuzlingen (CH) wurde ein neuer internationaler Informations-Flyer vorgestellt und zudem berichtet, dass sich auch die Österreichischen und Schweizer Berufskollegen an künftigen Informationsaktivitäten beteiligen, um verstärkt die Öffentlichkeit zu unterrichten und Lösungsansätze aufzuzeigen. Die Bevölkerung rund um den See wird von den Fischern in den nächsten Wochen gebeten, im Rahmen einer Unterschriftensammlung das angestrebte Ziel «Sauberer See mit gutem Fischbestand» zu unterstützen.

Der Fang der insgesamt 112 Berufsfischerfamilien am Bodensee-Obersee lag im Jahr 2013 mit rund 465 Tonnen 16 Prozent unter dem ohnehin sehr niedrigen Fang des Vorjahres. Damit war 2013 das schlechteste Fangjahr überhaupt seit 1954. Der niedrige Gesamtfang wird auf den geringen Nährstoffgehalt zurückgeführt. Diese offizielle Verlautbarung wurde nach der diesjährigen Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei in ihrer Presseaussendung veröffentlicht.

Der Ertrag an Felchen halbierte sich damit im Vergleich zum Mittelwert des Fangs, der letzten zehn Jahre. Blickt man in die 90er Jahre zurück, so ist der Rückgang noch eklatanter. Im Zehn-Jahres-Schnitt lag der Fang von 1988-97 noch bei 10 Tonnen/Fischer, in den letzten beiden Jahren 2012 u. 13 nur noch bei Drei Tonnen/Fischer.

Es ist zwischen Fischereiwissenschaftlern und Fischern völlig unstrittig, dass dies eine Folge des unbegrenzten Entzugs von Phosphorverbindungen ist.

Der überdüngte Bodensee hatte in den siebziger Jahren einen Gehalt von rund 87 Mikrogramm Phosphor pro Liter Wasser. Dieser hohe P-Anteil war Grundlage eines üppigen Pflanzenwachstums und brachte die bekannten Probleme der Vergangenheit. Er wurde auf gegenwärtig rund Mikrogramm pro Liter reduziert. Sofern die Berufsfischer früheren Auskünften der staatlichen Experten vertrauen können, war diese Absenkung weit stärker als ursprünglich erhofft und erwartet.

10 bis 15 Mikrogramm pro Liter Wasser würde die Lebensgemeinschaft im See nach gesicherten wissenschaftlichen Angaben benötigen, um einen guten und ertragreichen Felchenbestand hervorzubringen. Dieser P-Wert entspricht nach den Regeln der Europäischen Gemeinschaft einem Voralpensee im sehr guten Zustand – somit einem sehr sauberen See, den sich auch die Fischer wünschen und der eine ausreichende regionale Erzeugung hochwertiger Bodenseefelchen erlaubt.

Unverständlich und auch unter Experten umstritten ist jedoch die Umdeklarierung des Bodensees vom Voralpensee, als der er immer angesehen wurde, in einen Alpensee, im Jahr 2005 im Rahmen einer Sitzung der Ländergemeinschaft Wasser. Hiermit wurde nach Auffassung der Fischer durch einen fragwürdigen Beschluss Grenzwerte gewissermassen über Nacht verschärft und der zulässige Wert für Phosphor in etwa halbiert. Die Typisierung erfolgte in Sachsen nach den bundeseinheitlichen Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaf Wasser (LAWA) – eine Entscheidung, die gravierende Auswirkungen auf die Fischbestände und die übrige Lebewelt des Sees hat!

Denn es bleibt festzuhalten: Sauberes Wasser und guter Fischfang sind kein Widerspruch! Aber es ist auch klar, Lebewesen im See wachsen nur heran, wenn dort ein Minimum an Nährstoffen im Gewässer verbleibt.

Die öffentliche Diskussion um die Nährstoffsituation des Bodensees war in der zurückliegenden Zeit leider wiederholt und häufig durch irreführende Beiträge belastet. Häufig werden die entsprechenden Phosphor-Verbindungen als Gifte bezeichnet. Das sind sie nicht, sondern es handelt sich um im Ökosystem unverzichtbare Bausteine für die dortige Lebewelt. Nur ein Übermass an solchen Verbindungen ist schädlich – das zeigte die Vergangenheit. Auch wurde wiederholt der Schutz des Trinkwassers angesprochen. Die Grenzen für dessen Schutz liegen ein Vielfaches höher als die Phosphor-Werte, die von den Fischern für den See diskutiert werden und haben somit keinerlei Relevanz. Die gute Sauerstoffversorgung am Seegrund war bereits in den zurückliegenden Jahren bei P-Werten erreicht, die höher lagen, als die von den Fischern erwünschten Werte.

Somit bleibt festzuhalten: Die diskutierten Phosphorverbindungen sind in der diskutierten Menge wichtige Nährstoffe im Ökosystem Die zulässigen Grenzwerte für P im Trinkwasser liegen ein vielfaches höher: der Schutz des Trinkwassers ist gewährleistet Die gute Sauerstoffversorgung am Gewässergrund ist nicht in Frage gestellt. In der Folge der geschilderten Entwicklungen sehen die Berufsfischer des Bodensees die Erfordernis, sich erneut mit einem Informationsangebot an die Bevölkerung zu wenden und bitten diese auch um Unterstützung ihrer Ziele durch eine Unterschrift. Denn den Bodensee und das Angebot von Blaufelchen aus diesem sauberen See schätzen Anwohner und Gäste schon seit sehr langer Zeit. Wir Fischer wollen einen Beitrag leisten, dass dies so bleiben kann.«

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