/// Rubrik: Stadtleben

Eltern in die Pflicht nehmen

Kreuzlingen – Mit Betriebstagen möchten Schulen und Gewerbe aus Kreuzlingen und Umgebung Schülern eine erste Orientierung zur Berufswahl bieten.

Marlise Marazzi-Egloff, Seraina Perini Allemann, Unternehmer Jürg Kocherhans, Markus von Siebenthaler, Reto Rutz und Anna Kern von der OdA (v.l.) lassen sich von Lehrling Beni Brotach das Schreinerhandwerk erklären. (Bild: Thomas Martens)

Marlise Marazzi-Egloff, Seraina Perini Allemann, Unternehmer Jürg Kocherhans, Markus von Siebenthaler, Reto Rutz und Anna Kern von der OdA (v.l.) lassen sich von Lehrling Beni Brotach das Schreinerhandwerk erklären. (Bild: Thomas Martens)

Zum ersten Mal sind vom 6. bis 8. November alle rund 200 Zweitklässler der drei Kreuzlinger Sekundarschulen Remisberg, Egelsee und Pestalozzi eingeladen, sich in 38 Betrieben über 60 verschiedene Berufe zu informieren. Die Betriebsbesuche sind freiwillig, müssen aber in Begleitung eines erwachsenen Familienmitglieds erfolgen. «Wir wollen die Eltern stärker in die Pflicht nehmen, bei der Berufswahl ihrer Kinder mitzureden», beschrieb Seraina Perini Allemann anlässlich eines Medientermins bei der Firma Kocherhans die Problematik. Sie ist an der Schule Kreuzlingen Präsidentin der Kommission Berufswahl, der zusätzlich Vertreter aus Wirtschaft (Arbeitgeberverband und Gewerbe Kreuzlingen) sowie Berufsbildung (Organisation der Arbeitswelt und Berufsinformationszentrum) angehören.

Lehrverträge im Blick
Diese haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren zusammengefunden, um das Problem des Lehrlingsmangels in vielen Berufen anzugehen. So seien aktuell 400 Lehrstellen im Kanton Thurgau unbesetzt. Und das, obwohl nur knapp 30 Prozent aller Sek-Abgänger eine weiterführende Schule besuchen oder die Berufsmatura machen.

Darüber hinaus möchten die Projektbeteiligten verhindern, dass wie bisher viele Lehrverträge nach kurzer Zeit aufgelöst werden, weil es für beide Seiten, aus welchen Gründen auch immer, nicht passt. «Jeder dritte Lehrvertrag in der Schweiz landet im Schredder», zeigte Perini Allemann auf. Gastgewerbe und Coiffeur seien mit grossem Abstand an der Spitze.
Für alle Beteiligten sind die Eltern «machtentscheidend», wie es Reto Rutz vom Arbeitgeberverband ausdrückte. Sie könnten ihre Kinder bei der Berufswahl positiv beeinflussen und vor Fehlern bewahren.

Der Kreuzlinger Sek-Lehrer Markus von Siebentahl stellte fest, dass es für Schüler eigentlich bereits mehr als genug Informationen zur Berufswahl gebe. Dennoch fänden sich einige nicht zurecht. «Die Betriebstage sind deshalb eine ideale Ergänzung.» Und Marlise Marazzi-Egloff vom Gewerbeverein sieht im «Betriebsparcours» ein hervorragendes Angebot, gerade auch vor dem Hintergrund der Schliessung des Brückenangebots in Kreuzlingen.

Die Eltern der jeweiligen Schüler werden noch gesondert über das Projekt informiert. Mittels eines Anmeldetalons können sie ihre Betriebspräferenzen angeben. Die Talons müssen bis spätestens 15. September wieder in der Klasse abgegeben werden. Danach wird das Besichtigungsprogramm zusammengestellt. Nach den Herbstferien gibt es dann die Rückmeldung, welche Berufe wann und wo besichtigt werden können.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.