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Schwimmhalle wird Glaubensfrage

Kreuzlingen – Am Mittwochabend trafen ein weiteres Mal Gegner und Befürworter der geplanten Schwimmhalle aufeinander. Der Gewerbeverein gab zudem zwei Stadtratskandidaten eine Plattform zur Präsentation.

Bereits desöfteren wurden die Argumente Pro und Contra Schwimmhalle ausgetauscht, auch die KreuzlingerZeitung hatte mehrfach darüber berichtet. Die Stimmbürger, denn nur auf die kommt es ja am 28. September an, dürften bereits ausreichend informiert sein und sich sogar schon ihre Meinung gebildet haben.

Geteilte Meinungen zur Schwimmhalle (v.l.): Die Gegner Jürg Kocherhans und Fabian Neuweiler wurden durch Moderator Mario Testa von den Befürwortern Andreas Netzle und Ruedi Wolfender getrennt. (Bild: Thomas Martens)

Geteilte Meinungen zur Schwimmhalle (v.l.): Die Gegner Jürg Kocherhans und Fabian Neuweiler wurden durch Moderator Mario Testa von den Befürwortern Andreas Netzle und Ruedi Wolfender getrennt. (Bild: Thomas Martens)

Der Informationsabend beim Gewerbeverein demonstrierte deshalb einmal mehr, dass die Schwimmhalle immer mehr zur Glaubensfrage wird: Wem traue ich mehr? Denen, die vor einer Kostenfalle warnen, mahnend den Zeigefinger heben und sich nicht von Hochglanzpräsentationen blenden lassen? Oder jenen, die den Sportsgeist heraufbeschwören, eine grosse Chance für Stadt und Region sehen und der Bevölkerungsmehrheit eine zukunftsgerichtete Infrastruktur bieten möchten? Die Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

Keine neuen Argumente
Am Mittwochabend kamen keine neuen Argumente hinzu, die Felder sind schon lange abgesteckt. Interessant war, dass die Projektgegner aus unterschiedlichen Motivationen handeln. Auf dem Podium sassen SVP-Gemeinderat Fabian Neuweiler und Unternehmer Jürg Kocherhans, wohlgemerkt als Privatmann. Während Neu- weiler die Schwimmhalle ablehnt, weil er ein neues Stadthaus priorisiert und beides aus finanziellen Gründen kaum für realisierbar hält, schaut Kocherhans allein auf die Kosten.

Er wiederholte seine grosse Sorge vor einem «finanziellen Fiasko» à la Bodensee-Arena und zeigte sich tief enttäuscht von den Nachbargemeinden (ausser Tägerwilen), vor allem aber vom Kanton. Die 3,7 Millionen Franken seien doch kein Beitrag, «das ist das absolute Minimum». Er stellte sich die Frage, ob wirklich genug versucht wurde, den Kanton zu mehr Geld zu bewegen.

Von Seiten der Befürworter wurden Ruedi Wolfender, Chef Departement Freizeit, und Stadtammann Andreas Netzle eingeladen, auch wenn sich Netzle andere Personen gewünscht hätte: «Es ist unüblich, dass an so einer Diskussion Vertreter der Exekutive teilnehmen.» Gleichwohl stehe der Stadtrat komplett hinter dem Projekt. «Wir haben schon von Anfang an von hohen Kosten gesprochen und machten auch die Kostensteigerung transparent», versuchte Netzle den Gegnern Wind aus den Segeln zu nehmen. Netzle befürchtet kein Fass ohne Boden: «Wir haben alles sehr gut durchgerechnet.»

Was die Gegner ebenfalls umtreibt, ist die Angst vor Steuererhöhungen. Diese konnte ihnen auch der Stadtammann nicht nehmen: «Es kann so oder so kommen.» Sollten aber alle Xentrums-Projekte abgelehnt werden, rechnet Netzle mit einer Steuersenkung.

Aus drei mach zwei
Die Vorstellung der Stadtratskandidaten war nur zwei Drittel wert, denn der Gewerbeverein gab allein seinen Mitgliedern Barbara Jäggi-Gretler (FDP) und Thomas Beringer (EVP) dazu Gelegenheit. Der dritte Bewerber, Ernst Zülle (CVP), sass im Publikum und vernahm wie alle anderen Gäste grosse Einigkeit bei seinen Mitbewerbern.

Beide sind bereit für eine neue berufliche Herausforderung und sehen sich durch ihre Gremienarbeit für die Leitung des Baudepartements qualifiziert. Unterschiedlicher Ansicht waren sie in der Frage, wie sich die Stadt die Touristenströme am Seeufer zunutze machen könne. Beringer möchte die «Goldgrube» auf jeden Fall nutzen und hätte auch Ideen, während Jäggi-Gretler zunächst die Infrastruktur für die Kreuzlinger verbessern möchte. Ob sich die beiden nicht zugunsten von Ernst Zülle kannibalisieren? «Da spielt der Markt», sagt Beringer, und Jäggi-Gretler freut sich, dass die Stimmbürger die Wahl zwischen drei starken Kandidaten mit unterschiedlichen Positionen habe.

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