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Tanzen: Kunstform und Sport

Kreuzlingen –Meike Robinson und Sonny Walterspiel wissen, wie man eine flotte Sohle aufs Parkett legt. Uns haben sie verraten, warum Tanzen Geist und Körper fit hält, eine ideale Freizeitaktivität für jung und alt ist und mehr noch, als Kunstform die Seele berührt.

Wer tanzt, ist glücklicher und damit gesünder: Schülerinnen der Jazzdance-Klasse von Sonny Walterspiel. (Bild: sb)

Wer tanzt, ist glücklicher und damit gesünder: Schülerinnen der Jazzdance-Klasse von Sonny Walterspiel. (Bild: sb)

Computerspiele, Internet oder Fernsehen – das sind heutzutage, grob zusammengefasst, beliebte Freizeitinhalte, mit denen sich Kinder und Jugendliche vom Sofa aus die Zeit vertreiben. Klar, dass Eltern versuchen, da gegenzusteuern. Denn Bewegungsarmut bringt etliche negative Folgeerscheinungen mit sich, von Konzentrationsschwierigkeiten über mangelndes Körperbewusstsein bis hin zu motorischen Störungen.

Mit vier Jahren geht’s los
Ein Ort, wo man dem entgegenwirkt, ist das Tanzzentrum der Musikschule Kreuzlingen. Hier bringen elf Lehrerinnen und Lehrer Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die unterschiedlichsten Tanzformen näher. Leiterin Sonny Walterspiel weiss: Je früher etwas gegen Bewegungsarmut unternommen wird, desto besser. So sind die jüngsten Schülerinnen und Schüler im Tanzzentrum der Musikschule Kreuzlingen erst vier Jahre alt. «Sie erhalten in der Tanzgrundstufe eine Art kreativ-spielerische Tanzvorbereitung», erklärt die Tanzpädagogin. Dabei darf es ruhig wild, laut und bunt zugehen: «Ziel ist es nicht, den Kindern etwas aufzudrücken, sondern herauszuholen, was in ihnen steckt. Sie sollen ein Gefühl für den eigenen Körper entwickeln, mit ihren Bewegungsmöglichkeiten experimentieren, neue Bewegungsformen ausprobieren und in ihr Bewegungsrepertoire integrieren.»

Mehr als nur drei Schritte vor, drei Schritte zurück

Sonny Walterspiel leitet das Tanzzentrum der Musikschule Kreuzlingen und unterrichtet dort unter anderem Jazzdance für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. (Bild: sb)

Sonny Walterspiel leitet das Tanzzentrum der Musikschule Kreuzlingen und unterrichtet dort unter anderem Jazzdance für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. (Bild: sb)

Dinge, die einen wichtigen Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung betreffen. «Bei der Tanzerziehung lernen Kinder, ihren Körper wie ein Instrument zu spielen», erklärt sie und zählt gleich weitere positive Auswirkungen auf: Sprachbarrieren werden überwunden, die soziale Integration und die Kreativität gefördert. «Ganz allgemein gesagt, steigert die Tanzerziehung die sozialen Kompetenzen, es macht offen für andere», hat Walterspiel beobachtet. «Ausserdem erhöht sie die Lernfähigkeit und löst emotionelle Verkrampfungen.»

Davon profitieren ihre Eleven ein ganzes Leben lang. «Sie entwickeln Selbstbewusstsein und natürliches Auftreten», erklärt die Leiterin des Tanzzentrums und zeigt sich überzeugt davon, dass kein Mannschafts- oder Einzelsport dem Tanz in dieser Hinsicht das Wasser reichen kann – und das nicht nur, weil der Wettbewerb wegfällt. «Weil Tanz emotional ist und über die Sinne funktioniert», weiss Walterspiel. «Und sogar mehr als das, er ist eine Kunstform, und jede Kunst berührt die Seele.»

Wissenschaftlich lässt sich der psychische Einfluss auf Musik und Rhythmus zurückführen. Wenn beide zusammenspielen, wirkt das entspannend und seelisch harmonisierend – und das nicht nur bei Kindern. Auch Erwachsene spüren dies und können über das Tanzen Selbstvertrauen entwickeln. Mehr noch: Sie vergessen ihre Alltagssorgen dabei und können Stress abbauen, kurz: Etwas dafür tun, die Lebensfreude zu steigern oder zurückzugewinnen.

Kommunikation und sozialer Aspekt des Tanzens
Davon kann Meike Robison, Inhaberin der Tanzschule Robinson in Kreuzlingen, ein Liedchen singen. «Nicht umsonst erfüllt der Tanz eine wichtige Funktion im Gesellschaftsleben», sagt sie. «Tanz gehört für mich auch ganz einfach zur Allgemeinbildung dazu.» Paare jeden Alters kommen in ihre Tanzschule. «Viele wollen im Ausgang oder oder beim nächsten gesellschaftlichen Anlass, sei es ein Ball oder eine Hochzeit, gemeinsam das Tanzbein schwingen», betont die Tanzlehrerin den sozialen Aspekt.

Für sie unterscheidet sich Tanz zunächst wegen seiner kommunikativen Qualitäten von anderen Sportarten. «Tanzen fördert die verbalen und non-verbalen kommunikativen Fähigkeiten, es ist ein sozialer Prozesses, an dessen Ende die Tänzer mit einer positiven Erfahrung belohnt werden», erklärt Robinson. Immer wieder beobachte sie, wie sich in ihren Tanzstunden ein Gruppengefühl einstelle. Wissenschaftlich erklären lässt sich das daran, dass unser Gehirn durch die Bewegung und Kreislaufstimulation mehr Sauerstoff bekommt und dann das Hormon Serotonin vermehrt ausschüttet. Dieses steigert die Kreativität und das Wohlbefinden.

Tanzen ist Gehirnjogging …

Meike Robinson ist Inhaberin der Tanzschule Robinson in Kreuzlingen. Nach einer  internationalen Karriere im Tanzsport unterrichtet sie heute die Gesellschaftstänze von Walzer über Jive bis zum West Coast Swing und vieles mehr. (Bild: zvg)

Meike Robinson ist Inhaberin der Tanzschule Robinson in Kreuzlingen. Nach einer internationalen Karriere im Tanzsport unterrichtet sie heute die Gesellschaftstänze von Walzer über Jive bis zum West Coast Swing und vieles mehr. (Bild: zvg)

Das Gehirn läuft dabei auf Hochtouren, aber nicht nur, weil sich die Teilnehmenden auf den Partner «einschwingen» müssen und die natürliche Individualdistanz unterschritten wird. «Es ist die Konzentration auf mehrere Dinge gleichzeitig, die unsere grauen Zellen fordert», sagt Robinson. «Bis alles sitzt und darüber hinaus denken wir über Schritte, Drehungen, Körperhaltungen nach, während wir uns möglichst harmonisch im Takt der Musik bewegen und dabei versuchen, dem Partner nicht auf die Füsse zu treten.» Wissenschaftler halten das für ein optimales Gedächtnistraining. Das Langzeit- wird ebenso wie das Kurzzeitgedächtnis aktiviert, dabei gleichzeitig Gleichgewicht, Balance und Orientierungssinn trainiert, während zusätzlich das Improvisationsvermögen und die Reaktionsfähigkeit gefordert sind. Wegen dieser Verbindung von motorischen Aufgaben mit Denk- und Erinnerungsprozessen sind Experten davon überzeugt, dass Paartanzen Demenz vorbeugt.

… und erst noch gut für den Körper
Und obwohl es eher wenig anstrengt, verbrennt eine Stunde Tanz doch etwa 360 Kalorien. Tänzer tun so ganz nebenbei ihrer körperlichen Fitness etwas Gutes, sagt Robinson. Positive Folgen hat die rhythmische Betätigung dabei nicht nur auf die Kondition, sondern auch auf den Blutdruck, das Herz und sogar die Knochen. Dass regelmässiges Tanzen als Freizeitsport das Risiko für Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt, ist unter Experten ebenfalls unbestritten. «Tanzen verbessert die Körperhaltung und erhöht die Beweglichkeit«, weiss die ehemalige Profi-Tänzerin und das bei einem Verletzungsrisiko, das beim normalen Gesellschaftstanzen nahezu gegen null gehe.

Negative Aspekte scheint dieser Sport für einmal gar keine zu haben: «Gut, wer Tanzen als Leistungssport betreibt, kennt gewisse Abnutzungserscheinungen», räumt Robinson ein. «Als Hobby und vor allem auch in Verbindung mit anderen Sportarten wie Wandern, Radfahren oder Krafttraining ist Tanzen aber die perfekte Betätigung für jedes Alter und für jeden Lebensabschnitt.»

Und wer jetzt noch Überzeugung braucht, um selbst einmal in eine Tanzstunde zu schnuppern, der sei daran erinnert: Tanzen wird in der Schweiz vorbildlich durch Krankenkassen, wie z.B. die SWICA, gefördert.

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