/// Rubrik: Leserbriefe

Kahlschlag in der Bildungslandschaft

Kreuzlingen – Was hat die Thurgauer Regierung mit dem Weltkonzern General Motors gemeinsam? Beiden gelingt es, kleine, aber feine Einrichtungen zuerst in ihre Macht zu bringen, um sie anschliessend mit fadenscheinigen Begründungen eingehen zu lassen, die Amerikaner die schwedische Automarke SAAB, die Thurgauer das Kreuzlinger «Brückenangebot»-10. Schuljahr. (René Schaad)

Verkauft wird uns die Schliessung als Sparmassnahme. Mit Verlaub – diese Begründung ist sehr, sehr kurzsichtig, um nicht zu sagen dumm. Nutzniesser des Brückenangebotes waren teils Spätzünder nach Abschluss der regulären Schulzeit, aber auch Unterbrecher der soeben begonnenen Lehre. Sobald sich eine Möglichkeit zeigte, wurden diese Kandidaten in den Arbeitsprozess eingegliedert, begleitet von erfahrenen Lehrkräften.

Wird jetzt dieses Auffangnetz entfernt, bleiben Abstürze programmiert. Die Jugendlichen fallen früher oder später der Sozialfürsorge anheim. Für den Steuerzahler bleibt der Spareffekt eine Milchmädchenrechnung: Das Bildungsressort spart, die Ausgaben der Sozialdienste steigen, der Wirtschaft wird Schaden zugefügt.

Man muss nicht lange suchen, bis man erfährt, dass der einer Romanshorner Privatschule für ein weiteres Brückenangebot bezahlte Betrag rund eine halbe Million höher ist als die Kosten für die Kreuzlinger Einrichtung. Der Stimmbürger war aber gegen eine Subventionierung von Privatschulen.

Wir haben in Kreuzlingen einen Bildungsmoloch, die Pädagogische Hochschule. Hier spielt Geld scheinbar eine kleine Rolle, obwohl die Hälfte der Absolventen nach fünf Jahren nicht mehr im thurgauischen Schuldienst steht. Zusätzlich sind genügend Finanzen da für eine namhafte Forschungsabteilung. Warum also das Brückenangebot nicht der PH eingliedern, zu Forschungszwecken sozusagen?

Obwohl die Schülerzahlen nicht zunehmen, wächst und gedeiht und kostet unsere PH. Es würde nicht wundern, wenn die leerstehenden und bis 2022 vertraglich gebundenen Brückenangebotsräume postwendend von der PH in Beschlag genommen würden.
Nun kann man der Meinung sein, diese Schliessung wäre ein für alle mal beschlossen und da liesse sich nichts mehr ändern.

Man mag sich hier daran erinnern, dass vor Jahren im pädagogischen Fahrwasser des Zürcher Erziehungs-Supertankers Buschor die Schliessung der Kleinklassen als unumstössliche Tatsache im politischen Raum stand, bis die zuständige Regierungsperson wechselte … und siehe da, wir haben diese sinnvolle Stufe heute noch!

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