/// Rubrik: Stadtleben

Ab in die Wirtschaft

Kreuzlingen – 126 Viertklässler der PMS tauchten tief ins Thurgauer Geschäftsleben ein.

Die Wirtschaftswoche an der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen begann mit einem Höhepunkt: Andreas Sallmann von der ISA Sallmann AG erklärte, wie ein Unternehmen funktioniert. Im Gepäck hatte er nicht nur zahllose Anekdoten, die sein Referat sehr unterhaltsam gestalteten, sondern auch diverse Beispiel-Unterhosen. Das kochfeste Nachkriegsmodell wurde ebenso bestaunt wie modische Varianten der aktuellen Kollektion.

Schüler stellten sich im Anschluss als Unterhosenmodels zur Verfügung. (Bild: zvg)

Schüler stellten sich im Anschluss als Unterhosenmodels zur Verfügung. (Bild: zvg)

Doch die Geschichte der Herren-Unterwäsche bildete nur den Auftakt zu einer Einführung in die Betriebswirtschaft. «Wir produzieren nach wie vor in der Schweiz», so der Geschäftsführer, «weil wir hier verwurzelt sind und uns auch für unser Land mitverantwortlich fühlen. Aber das hat seinen Preis: die Herstellung eines Slips kostet uns hier 6,50 Franken. In Kambodscha könnte ich ihn für 90 Rappen produzieren.» Reines Mäzenatentum jedoch ist die Standorttreue nicht. «Wir stricken unsere Stoffe in der Schweiz, weil wir damit die Qualität hoch halten können. Wir finden hier hervorragende Mitarbeiter – nicht zuletzt dank des dualen Systems der Berufsbildung. Und wir geniessen die Sicherheit, die uns die Schweiz bietet.»

Swissness als Marketingfaktor
Nicht zuletzt sei die Swissness in den vergangenen Jahren immer mehr zum Marketingfaktor geworden. Die «Schwinger» oder «Alpenschick» Kollektionen mit traditionellen Stoffmustern sind offenbar sehr erfolgreich. Bei den Schülern fand eine sportliche Variante Gefallen, die sie zum Abschluss des Vortrags geschenkt bekamen. Einige von ihnen stellen sich spontan als Unterhosenmodels zur Verfügung.

Nach Referaten, Diskussionen und Betriebsbesichtigungen hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit ihr Wissen anzuwenden: Schon zum zweiten Mal organisieren die Lehrer das Planspiel Oekowi. Die Jugendlichen nehmen dabei unterschiedliche Rollen ein. Eine Gruppe spielt Regierung und setzt Rahmenbedingungen, die Unternehmensführer müssen Entscheide fällen, die Haushalte stimmen durch ihr Verhalten oder ihre Parteizugehörigkeit ab.

Solides Grundwissen
«Durch Oekowi wird die Komplexität im Spannungsfeld Wirtschaft-Ökologie-Gesellschaft begreifbar», sagt Adrian Buholzer. «Es gibt immer Zielkonflikte, die man aushalten muss.» Das Fach Wirtschaft wird an der PMS innerhalb des Geographie-Unterrichts abgehandelt. Die Wirtschaftswoche soll dafür sorgen, dass die Absolventen ein solides Grundwissen über wirtschaftliche Zusammenhänge bekommen. «Das sollte eigentlich jeder zukünftige Lehrer und auch jeder mündige Bürger haben», so der Pädagoge.

Die Motivation der jungen Leute dazuzulernen war hoch. Das bestätigen auch die Viertklässler selber: «Ich habe den Eindruck, dass alle besser mitarbeiten als sonst», sagt Olivia Frei, «einfach aus persönlichem Interesse und ganz ohne Notendruck.» Einige ihrer Mitschüler ziehen durchaus ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in Erwägung. Darunter auch Benjamin Bär und Fabio Nagel, die die PMS nicht wegen der pädagogischen Ausrichtung, sondern wegen der Kunst- und Sportklasse gewählt hatten.

«Bisher haben wir uns nur theoretisch mit der Wirtschaft befasst», sagt Benjamin. «Durch das Planspiel können wir jetzt praktisch üben.» Mit ihrer Matura von der Pädagogischen Maturitätsschule bräuchten sie sich nicht verstecken, meint Adrian Buholzer: «Wir wissen aus früheren Untersuchungen, dass unsere Absolventen für ein Ökonomiestudium nicht schlechter gerüstet sind als Kantischüler mit wirtschaftlichen Schwerpunktfächern».

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