/// Rubrik: Stadtleben

Boulevard-Initiative wird zurückgezogen

Kreuzlingen – Der runde Tisch mit Vertretern von Gewerbe, Quartierverein, Stadt und den Initianten für einen autofreien Boulevard hat eine Konsens-Lösung gefunden und am Donnerstag den Medien präsentiert. Der Stadtrat verzichtet dafür auf seine Anfang 2013 vorgestellte und viel kritisierte Signalisationsänderung, und auch die Initianten ziehen ihre Vorlage zurück.

Vorsicht: Wer die Einfahrts- und Motorfahrzeugverbote missachtet, riskiert auf jeden Fall 100 Franken Busse. (Bild: zvg)

V.l.: Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau, Patrick Wiget vom Gewerbe und Patrick Allemann vom Quartierverein Bodan, Initiant Jost Rüegg und Stadtammann Andreas Netzle. (Bild: sb)

So sieht das vorgesehen Verkehrsregime für den Boulevard aus: Von Norden her wird die Zufahrt verwehrt, ebenso auf Höhe Bushaltestelle Schützenstrasse von Westen her. Das kurze Stück zwischen Ecke Schützen-/Sonnenstrasse und Boulevard wird zur Mini-Fussgängerzone.

Erst am Montag hatten die beteiligten Gruppen – Gewerbe Kreuzlingen, Quartierverein Bodan, Initianten und Stadt – ihre Unterschriften unter die Pläne gesetzt. Sie sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen und für eine höhere Fussgänger- bzw. Kundenfrequenz sorgen, erklärte Stadtammann Andreas Netzle. Die beteiligten Gruppierungen führten interne Vernehmlassungen durch. «Auch der Quartierverein Emmishofen wurde konsultiert und ist einverstanden», so Netzle.

 

Signalisation Boulvard

Vorsicht: Wer die Einfahrts- und Motorfahrzeugsverbotsschilder missachtet, riskiert eine Busse von 100 Franken. (Bild: zvg)

Auf Probe für ein Jahr
Das neue Verkehrsregime soll so schnell wie möglich aufliegen. Dies müsse aus rechtlichen Gründen geschehen, so Netzle – Verzögerungen durch Einsprachen sind also denkbar. Ab Auflage werden die Initianten ihre Initiative zurückziehen. Das Verkehrsregime soll dann probeweise auf ein Jahr in Kraft treten . «Wir werden messen und beobachten», so Netzle. «Bei unerwarteten oder nachteiligen Auswirkungen können wir dann mit Massnahmen reagieren.»
Zusätzlich zu den oben erwähnten Massnahmen werden die Stücke zwischen American Bar Blue und Helvetiaplatz sowie auf der Schützenstrasse ab Karussell zu Einbahnstrecken. «Die Buslinien 908 und 901 fahren weiterhin durch den Boulevard», erklärte Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau. Gemäss einem Verkehrsgutachten wird der Verkehr durch die Massnahmen auf dem nördlichen Boulevard um zirka 50 Prozent gesenkt, auf dem südlichen Stück um etwas weniger. Denn von Süden her darf man weiterhin mit 20 Kilometern pro Stunde durch den Boulevard fahren.

«Die Quartiere werden entlastet, einzelne Strassen aber erhalten Mehrverkehr», so Nöthiger. Dazu zählen die Gutenbergstrasse, der westliche Teil der Sonnenstrasse und die Nationalstrasse. Der Mehrverkehr soll aber hauptsächlich auf den übergeordneten Verkehrsachsen Chance Nord, Unterseestrasse und Konstanzerstrasse fliessen.

Nicht autofrei und dennoch ok?
Jost Rüegg von den Initianten für einen autofreien Boulevard ist zufrieden mit dem Ergebnis, obwohl es sich bei Weitem nicht um einen autofreien Boulevard handelt. «Wir wollten etwas in Bewegung setzen und haben eigentlich auf einen Gegenvorschlag vom Stadtrat gehofft», rekapituliert Rüegg die Anfänge. Um die Initiative umzusetzen, haben die Initianten spätestens seit der denkwürdigen Dreispitz-Veranstaltung immer weniger Chancen gesehen. Jetzt habe man eine Lösung, welche zunächst alle Seiten zufrieden stellt. «Letzendlich wünschen wir uns einen autofreien Boulevard. Und diese Konsens-Lösung ist ein erster Schritt, um gemeinsam darauf hinzuarbeiten.»

Als ein «Geben und Nehmen» bezeichnet Patrick Allemann vom Quartierverein Bodan die Lösung, welche zu grossen Teilen auf Vorarbeit von Quartiervereinspräsident Ueli Bührer beruhe. «Uns war wichtig, dass wir den Verkehr aus dem Quartier bekommen und trotzdem einen attraktiven Boulevard haben.»

Letztes Ziel bleibt autofrei
Für Gewerbler Patrick Wiget «die perfekte Lösung aus unserer Sicht». Er lobte die «produktiven Sitzungen», betonte aber auch, dass damit die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist. «Auch wir haben grundsätzlich nichts gegen einen autofreien Boulevard – nur nicht jetzt und unter diesen Umständen.»

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