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Lieber Schliessung als «Überangebot»

Kreuzlingen – Der Regierungsrat rechtfertigt die Schliessung des Kreuzlinger Brückenangebots mit dem Argument, dass die Schaffung eines «Überangebots» nicht sinnvoll sei.

(Bild: ek)

(Bild: ek)

Mit dem Titel «Fragwürdiger Rotstift beim Brückenangebot» stellte der Ermatinger SP-Katonsrat Peter Dransfeld am 13. August eine Einfach Anfrage beim Regierungsrat. Dransfeld bezieht sich darin auf die Schliessung des Kreuzlinger Brückenangebots im Rahmen der Lestungsüberprüfung (Lüp). Das Brückenangebot, auch als zehntes Schuljahr bekannt, ist für Schülerinnen und Schüler gedacht, die Mühe nach dem Ende der obligatorischen Schulzeit haben. Sie werden bei der Suche nach Lehrstellen unterstützt. Kreuzlingen ist einer von vier Thurgauer Standorten und soll im Schuljahr 2016/17 schliessen. Zusätzlich soll die Anzahl Plätze in den Brückangeboten auf zehn Prozent der Schulaustritte begrenzt werden. Die Massnahme «trifft die Schwächsten, schadet der Wirtschaft und erhöht Sozialausgaben», schreibt Dransfeld.

Erfolgreich, aber teuer
Es stimmt, dass das Brückenangebot sehr erfolgreich ist, so der Regierungsrat in seinen Antworten. 96 Prozent seiner Schüler haben 2013 eine Anschlusslösung gefunden, 84 Prozent davon in der Berufsbildung. Im Vergleich zu Sekundar- oder Mittelschulen komme es aber nicht, wie von Dransfled angenommen, mit bescheidenereren Mitteln aus. Das Brückenangebot sei mit durchschnittlichen Kosten pro Schüler von 28000 Franken sogar finanziell aufwendiger. Zudem sei von rückläufigen Schülerzahlen auszugehen, auch die Lehrstellensituation zeige sich aufgrund der demografischen Entwicklung sehr positiv.

In seiner vierten Frage wollte Dransfeld wissen, ob mit der Schliessung leichtfertig in Kauf genommen werde, jährlich Dutzende Jugendliche ohne berufliche und schulische Perspektive aus der Schule zu entlassen. Heute drängten vermehrt Jugendliche ins Brückenangebot, obwohl sie schon eine Anschlusslösung haben, diese aber nicht direkt auf die Sekundarstufe folgt I folgt, schreibt der Regierungsrat darauf. «Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre lässt sich feststellen, dass Jugendliche, die ein Brückenangebot tatsächlich nötig haben und bei denen bereits auf der Sekundarstufe I der Bedarf an weiterer schulischer Unterstützung erkennbar wird, einen Platz im Brückenangebot erhalten. Ein Überangebot an Brückenangebotsplätzen würde nur einen Anreiz schaffen, nichts selbst im Sinne der skizzierten Lösung nach Wegen für den persönlichen beruflichen Werdegang zu suchen.»

Ihm sei der erfolgreiche Übertritt von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II weiterhin ein «prioritäres Anliegen», so der Regierungsrat abschliessend.

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2 thoughts on “Lieber Schliessung als «Überangebot»

  1. Olirog

    Erstaunlich, wann begreifen wir endlich das es Menschen giebt die nicht mit 15 schon wissen was sie werden wollen. Meine Erfahrung zeigt das die Jungs und Mädels nach dem Brücken Angebot reifer sind. Wir geben jeden Tag Steuergelder für unsinnigere Sachen aus, Beton Klötze in 30 er Tonnen. An der Bildung sparen, was hat die Schweiz dann noch für ein Gut.

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  2. schiesser

    Die Kantonsregierung tut so, als ob SchulabgängerInnen einfach ais Faulheit ins 10. Schuljahr gingen, statt gleich in eine Lehre oder eine andere weiterführende Schule. Deshalb dürfe man quasi nicht zuviele Plätze im 10. Schuljahr anbieten, weil sonst die Tendenz bestehe, diese Plätze zu füllen, statt nach anderen Lösungen zu suchen. Mit Verlaub: Das ist ein ausgemachter Blödsinn. 9.KlässlerInnen der Sek G – die sind es sich nämlich, die nachher das freiwillige 10. Schuljahr besuchen – rennen sich gewöhnlich erst einmal die Hacken nach Lehrstellen ab, bevor sie sich fürs 10. Schuljahr entscheiden. Und während AbsolventInnen der Sek E schon früh entweder eine Lehrstelle haben oder sich doch noch für die Kanti oder andere Schulen entscheiden, ist das für Sek-G-SchülerInnen oft nicht so leicht mit den Anschluss-Lösungen. Denen tut das zusätzliche Jahr meistens sehr gut und macht einen guten Berufsstart möglich. Ausgerechnet da zu sparen, ist absolut falsch. Und da bisher die Kreuzlinger Klasse immer genügend SchülerInnen hatte, ist es noch weniger verständlich, warum die künftig nach Frauenfeld oder Romanshorn feahren sollen – wo dann erst noch weniger Plätze zur Verfügung stehen. Die Streichung dieser Klasse ist so ziemlich die dämlichste Sparmassnahme, die der Kantonsregierung einfallen konnte. Noch vor wenigen Jahren fand der Regierungsrat die zu erwartenden Steuerausfälle durch eine Flat-rate-Tax problemlos durch das Kantonsvermögen für ein paar Jahre finanzierbar. Es war auch keinen Gedanken an sinkende Einnahmen wert, als der Kanton die Steuern für Unternehmen massiv senkte. Die will man jetzt auch auf keinen Fall auch nur um einen oder zwei Prozentpunkte wieder erhöhen. Oder die Vermögenssteuern wieder progressiv steigend – je mehr Vermögen, desto höher die Steuer – statt mit dem jetzigen Einheitssatz erheben. Nein – auf keinen Fall. Lieber spart man an der Ausbildung künftiger Generationen. Sowas ist kurzsichtig.

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