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Faszination Sternenhimmel

Kreuzlingen – Das Planetarium Kreuzlingen wird mit über 30 Helfern praktisch nur von Freiwilligen betrieben. Einzigartig in der Schweiz laut Gerhart Lehmann, Vorsitzender der Betriebskommission. Dennoch gibt es immernoch Bedarf an mehr helfenden und fachkundigen Händen und Köpfen.

Nur ein kleiner Teil aller freiwilligen Helfer, welche den Planetarium- und Sternwartebetrieb überhaupt möglich machen. (Bild: ek)

Nur ein kleiner Teil aller freiwilligen Helfer, welche den Planetarium- und Sternwartebetrieb überhaupt möglich machen. (Bild: ek)

Man muss kein Galileo Galilei sein, um im Planetarium Kreuzlingen mitwirken zu können. Denn die Aufgaben sind fast so vielfältig wie der Sternenhimmel. Vom Hauswart über den Gartenarbeiter bis hin zu Programmgestaltern oder Vorführern halten alle gemeinsam den Betrieb seit über 30 Jahren am laufen. «Eine  unglaubliche und einzigartige Leisttung», so Gerhart Lehmann, Vorsitzender der Betriebskommission. «Jedes andere Planetarium europaweit hat eine vollamtliche Geschäftsleitung mit Angestellten. Wir schaffen das durch pures Engagement und Interesse unserer Helfer», stellt er erstaunt fest. Möglich ist dies durch den Verein Astronomische Vereinigung Kreuzlingen mit 300 Mitgliedern. Viele davon sind schlicht Sympathisanten, über 30 Personen investieren jedoch einen Grossteil ihrer Freizeit in das Kuppelgebäude oberhalb des Bahnhofs Bernrain. Gemeinsam haben alle die Faszination für das Universum und den Sternenhimmel in sich.

«Eine unendliche Geschichte»
So auch Erwin Schroff, welcher als einer von zwölf Vorführern im Planetarium tätig ist. «Das Thema hat mich immer schon interessiert und über meinen Schwager bin ich auf die Sternwarte gestossen», erklärt er sein Engagement. Nach einem Einführungs- und einem Weiterbildungskurs, welche das Planetarium jährlich für ihre Mitglieder durchführen, war er bereit für einen Rundgang mit Besuchern. «Ein tolles Hobby. Man lernt nie aus und durch die Fragen der Gäste entdeckt man immer Neues», sagt er. Seine Faszination für das All kann Schroff nicht in Worte fassen. «Es ist einfach eine unendliche Geschichte.»
Unendlich lange scheint auch Joseph Stalder schon im Verein tätig zu sein. Seit 25 Jahren klärt er Besucher über die Weite, Leere und Vielfältigkeit des Universums auf. Ihn hat die Schönheit des Sternenhimmels angetrieben einen Astronomiekurs zu besuchen, seither lassen die Sterne ihn nicht mehr los. «Es steckt soviel darin: Mythologie, Wissenschaft und Ästhetik», schwärmt er. Ein weiterer Grund warum er sich seit so langer Zeit Engagiert sind die Besucher. «Die Arbeit mit ihnen macht extrem Spass und bei den Fragen lerne ich immer etwas dazu», so Stalder.
Dass die Arbeit mit den Gästen nicht verleidet, kann auch Lehmann bestätigen. «Das was wir vermitteln, ist für uns etwas Gewohntes aber für die Besucher immer etwas Neues. Die staunenden Gesichter oder klatschenden Hände sind unser Artistenlohn dafür, den Besuchern immer wieder etwas Beeindruckendes beigebracht zu haben», sagt Lehmann.  Er ist über seine ehemalige Tätigkeit als Stadtrat in den Stiftungsrat des Planetariums gelangt. «Ein Traumjob», gesteht Lehmann, denn für Astronomie habe er sich schon immer interessiert. «Mit zehn Jahren habe ich Himmelsbewegungen aufgezeichnet», erinnert er sich. Nach seiner Stadtratszeit ist er als Betriebsleiter im Planetarium «hängen geblieben».

Quantensprung steht bevor
Keine leichte Aufgabe, denn neben genug Personal müssen auch genug finanzielle Mittel zu Verfügung stehen. «Ein Planetarium ist wegen der Infrastruktur, den Reparaturen und Energiekosten ein sehr teurer Betrieb», erklärt Lehmann. Die Stiftung finanziert diesen durch Mittel der Stadt, Eintritte, Gönner und Werbung. Zurzeit ist geplant, die Projektionstechnik von analogen Dias auf Digital umzustellen. Ein Quantensprung für die Vorführungen, doch gleichzeitig auch eine teure Angelegenheit. «Allein dafür brauchen wir 750000 Franken», so Lehmann. Und für die neue Technik braucht es auch neues Know-How.
Deshalb ist das Team des Planetariums auf der Suche nach IT-versierten Helfern, mit Fähigkeiten zur digitalen Videoherstellung und Bildgestaltung. «Am liebsten jemand Junges. Die können viel unverkrampfter mit der neuen Technik umgehen», so Lehmann. Doch die Helfersuche hört da noch nicht auf. Zurzeit fehlen noch Leute für das Verteilen von Flyern und Plakaten, für einfache Gartenarbeit und für den Betrieb der Rezeption und des geplanten Kafis. Interessierte können sich direkt beim Planetarium über 071 677 38 00 melden. «Was uns noch vorschwebt wäre ein Kurator», sagt Lehmann. Eine anspruchsvolle Position, in der man Programme gestaltet und über Angebot und Themen bestimmt. «Das ist jedoch noch Wunschdenken.»

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