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Bedeutendes Windpotenzial im Thurgau

Frauenfeld – Der Kanton Thurgau könnte zehn bis 15 Prozent seines Stromverbrauchs mit Windenergie decken. Auf dem Kantonsgebiet lassen sich mit Grosswindanlagen 146 Gigawattstunden Strom wirtschaftlich produzieren. Das belegt die Windpotenzialstudie, deren Resultate das Departement für Inneres und Volkswirtschaft präsentierte. Aufgrund der positiven Ergebnisse der Studie wird in einem nächsten Schritt ein Umsetzungskonzept erarbeitet.

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Der Kanton Thurgau könnte zehn bis 15 Prozent seines Stromverbrauchs mit Windenergie decken: Regierungsrat Kaspar Schläpfer (Mitte), Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie, (rechts) und Projektleiter Thomas Volken präsentierten die Windpotenzialstudie des Kantons Thurgau. (Bild: zvg)

Das «Konzept für einen Thurgauer Strommix ohne Atom» verfolgt das Ziel, mit verbesserter Energieeffizienz sowie mit der Nutzung lokaler erneuerbarer Energien die zukünftige Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Voraussetzung dafür bildet das Wissen über das Potenzial der einheimischen Energieressourcen. Die guten Resultate der Winderhebungen in Nachbarländern und
-kantonen haben die Regierung veranlasst, das Potenzial für Grosswindanlagen im Kanton Thurgau zu ermitteln und mögliche Gebiete zu beurteilen. Regierungsrat Kaspar Schläpfer, Andrea Paoli, Leiter der Abteilung Energie, und Projektleiter Thomas Volken stellten die Resultate der Studie sowie deren Bedeutung für die kantonale Energiepolitik am 14. November 2014 den Medien vor. Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Im Kanton Thurgau weht genügend Wind für eine wirtschaftliche Produktion von 146 bis 230 Gigawattstunden (GWh) Strom. Damit könnten Grosswindanlagen 10 bis 15 Prozent des Thurgauer Stromverbrauchs abdecken.

Acht Gebiete
Die Studie, die unter Einbezug von Vertretern der Schutz- und Nutzungsinteressen erarbeitet wurde, weist für den Kanton Thurgau acht Windpotenzialgebiete aus: Salen-Reutenen, Eschlikon/Littenheid, Thundorf, Braunau/Wuppenau, Ottenberg, Rodebärg, Cholfirst und Bichelsee/Fischingen. Diese Gebiete eignen sich für die Produktion von Windenergie. Sie sind durch Strassen und Stromleitungen gut erschlossen. Der wirtschaftliche Betrieb ist unter Einbezug der kostendeckenden Einspeisevergütung in sämtlichen Potenzialgebieten gegeben. In den Berechnungen berücksichtigt sind Rückstellungen für den Rückbau der Anlagen nach rund 20 Jahren.

Fünf dieser Gebiete befinden sich ausserhalb von Schutzgebieten und haben genügend Abstand zu bewohnten Gebäuden. Es handelt sich dabei um Salen-Reutenen, Eschlikon/Littenheid, Thundorf, Braunau/Wuppenau und Ottenberg. Für diese Gebiete berechnen die Studienverantwortlichen ein Windenergiepotenzial von 146 Gigawattstunden, was gut 10 Prozent des kantonalen Stromverbrauchs entspricht. Diese Berechnung basiert auf einer beispielhaften Anordnung der Windenergieanlagen.

Die übrigen Gebiete, Rodebärg, Cholfirst und Bichelsee/Fischingen, liegen teilweise oder ganz in Gebieten aus dem Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Der Bau von Windenergieanlagen ist hier grundsätzlich möglich; mit einem Projekt müsste aber nachgewiesen werden, dass die Nutzungsinteressen gegenüber den Schutzinteressen überwiegen.

Für alle acht Gebiete bietet die Windenergie eine grosse Chance, sowohl in wirtschaftlicher als auch in versorgungstechnischer Sicht. Zudem könnte eine Region damit einen wichtigen Schritt hin zu einer zukunftsorientierten Energieversorgung machen.

Beurteilung der Nachhaltigkeit
Die Studienverantwortlichen haben in Zusammenarbeit mit Vertretern des Kantons die Gebiete bezüglich der Kriterien der Nachhaltigkeit geprüft. Beurteilt wurden Landschaftsverträglichkeit, Sichtbarkeit, die Verträglichkeit mit den Anliegen des Waldschutzes, Auswirkungen auf Brut- und Zugvögel, auf die weitere Fauna und Flora, sowie das gesellschaftliche Konfliktpotenzial wie Lärm oder Schattenwurf. Die Ergebnisse der Bewertung sind in der Studie detailliert festgehalten.

Aktive Rolle des Kantons
Aufgrund der positiven Studienresultate lässt das Departement für Inneres und Volkswirtschaft zusammen mit dem Departement für Bau und Umwelt ein Umsetzungskonzept erarbeiten. Ein Bestandteil des Konzepts ist die Revision des Richtplans. Gebiete, in welchen eine nachhaltige Windnutzung möglich ist, werden darin erfasst. Ebenso gehören die Prüfung und allfällige Vereinfachungen der bau- und umweltrechtlichen Verfahren sowie die Koordination mit den umliegenden Kantonen zu den Elementen des Konzepts.

Als weiteren wichtigen Aspekt beurteilt der Kanton die transparente Information der Gemeinden und der Bevölkerung, sowohl über die Studienresultate in den betroffenen Gebieten als auch über Fortschritte in der Umsetzung. Der Kanton schafft damit für Investoren die Voraussetzungen, Windenergieanlagen konkret zu planen, und will der neuen, sauberen Stromproduktion zum Durchbruch verhelfen.

Die Studie ist unter www.energie.tg.ch zu finden oder kann bei der Abteilung Energie des Kantons Thurgau bezogen werden (Tel. 058 345 54 80, E-Mail: energie@tg.ch).

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