/// Rubrik: Leserbriefe

Abschied von Xentrum

Kreuzlingen – Nach dem Debakel der Projekte Schwimmhalle und Bushof an der Urne ist eine Kurskorrektur dringlich; dazu sind Stadtrat und Gemeinderat in der Pflicht, denn ein stures Festhalten an den offensichtlich zu hoch geschraubten Xentrumsplänen bringt nochmals beachtliche Planungskosten, verbunden mit dem Risiko, dass die Stimmbürger ein drittes und wohl endgültiges Verdikt zur Xentrums-Vision aussprechen. (Ernst Frischknecht, Kreuzlingen)

Leider ist wenig bis gar nichts von den Verantwortlichen zu hören, wie sie das Nein beurteilen und vor allem welche Konsequenzen sie daraus ziehen. Gemeinderat Moos von der Freien Liste hat es allerdings an der letzten Sitzung deutlich auf den Punkt gebracht: Die Bevölkerung muss bei teuren Vorhaben viel früher ins Boot geholt werden und es muss ihr hier und heute aufgezeigt werden, welche Schritte nach dem Nein zur Schwimmhalle noch Sinn machen. Einfach so tun, als wäre nichts geschehen und man könne bald ein Stadthausprojekt auf dem Dreispitzareal mit der erklecklichen Summe von 42 Mio. Franken dem Souverän präsentieren, ist eine Vogelstrauss-Politik!

Eine tatsächliche Auslegeordnung städtischer Aufgaben für die nächsten Jahren zeigt nämlich auf, dass vor lauter Xentrum-Plänen andere in den Leitlinien aufgelistete Vorhaben auf der Strecke geblieben sind; so etwa ein flächendeckendes Velonetz inklusive Schulwegsicherung, bessere Verbindungen zum See, das Entwicklungsgebiet Gleisdreieck, das Schiesser-Areal als Kulturzentrum und der Schutz von letzten Grünflächen. Soll eine Mehrheit der Stimmbürger zu einem zentralen Stadthaus Ja sagen, so müsste für solche Vorhaben eben auch ein verbindlicher Fahrplan aufgegleist werden.

Welche Projekte schliesslich bevorzugt werden, muss im Gemeinderat und mit der Bevölkerung neu ausgemarcht werden. Sicher ist eine Lehre dem Nein des Souveräns: Es braucht Varianten, Alternativvorschläge, wo der Stimmbürger zum Beispiel auch in einer Befragung sagen kann, welche Projekte er bevorzugt, bevor erneut eine halbe Million an Fehlplanungskosten in den Sand gesetzt werden!

Das Paket «Stadthaus» auf der historischen Gemeindewiese wird bereits jetzt zurecht in Frage gestellt; es ist an der Zeit, dass Gemeinderat und Stadtrat sich bewusst werden, welch einmalige Anlage das ganze Klosterviertel darstellt; für eine rücksichtsvolle Gestaltung des Umfelds steht die heutige Behörde in der Pflicht und da passt ein mächtiger Neubau am Rande nicht hinein; eine Referenz an das ehemalige Chorherrenstift von 1653 sähe anders aus! Die Erweiterung der PH und eine längst fällige Tiefgarage anstelle der tristen Autoansammlung bietet die verlockende Möglichkeit, das ganze Areal mit dem ehemaligen Augustinerloster besser in den städtischen Raum einzugliedern und auch zugänglich zu machen.

Daraus ergibt sich ohne Wenn und Aber, dass eine fundierte Variante für ein Stadthaus auf dem Gebiet Marktgasse/Boulevard zu erstellen ist, um dem Souverän eine Alternative zum Neubau Gemeindewiese zu geben.

In den Legislaturzielen hat der Stadtrat «transparente Abläufe und offene
Information» versprochen; man darf gespannt sein…

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One thought on “Abschied von Xentrum

  1. Bruno Neidhart

    Ganz bei Ihnen! Bin gerade dabei, das Stadtgeviert – ausgehend vom Löwenplatz, über den historischen Dreispitzpark hinüber zur Gemeindewiese und hinein zum Klosterviertel – mal in einen Zusammenhang zu bringen (Abgelaufen habe ich das Ganze bereits!). Ziel ist es, die breite grüne Mitte von Kreuzlingen in die Zukunft hinein zu erhalten, weiter zu gestalten und das Klosterviertel nicht nur für Schüler und Lehrkräfte, sondern auch für die Bevölkerung von Kreuzlingen, wie auch für Besucher der Stadt zu öffnen, um hier ein wichtiges Stück „historisches Bewusstsein“ zu kreieren. Mit neuen Wegen, einem zentralen, attraktiven Parkgelände lässt sich diese Mitte exzellent gestalten. Dabei braucht es auch Wege, die das Augustiner Klosterareal mit seinen gewaltigen Bauten, mit seinen schönen Innenhöfen sowohl südlich, als auch nördlich als „Kloster Rundweg“ erschliessen sollen. Eine faszinierende Idee, Kreuzlinger Stadtgeschichte erkennbarer zu machen – mindestens als Projekt!

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