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Alterszentrum sucht Geldgeber

Kreuzlingen – 47 Millionen Franken will das Alterszentrum Kreuzlingen (AZK) in den nächsten Jahren für Renovationen und Neubauten investieren. Dafür werden Geldgeber gesucht.

Carl Ruch (Präsident) und Anna Jäger (Geschäftsführerin) vom AZK begutachten den Baufortschritt beim Neubau. (Bild: Thomas Martens)

Carl Ruch (Präsident) und Anna Jäger (Geschäftsführerin) vom AZK begutachten den Baufortschritt beim Neubau. (Bild: Thomas Martens)

Fundraising heisst dafür auf gut neudeutsch das Zauberwort aus dem Englischen. Es bedeutet so viel wie Kapital- oder Mittelbeschaffung. «Die Gesamtinvestitionen könnten wir wohl selbst finanzieren, nur müssen sie auch verzinst werden», erklärt Carl Ruch, Präsident der Genossenschaft Alterszentrum. Um nicht über längere Zeit ins Minus zu kommen, soll durch diese Finanzaktion das Eigenkapital erhöht werden.

Viele Jahre nichts investiert
Der Neubau steht bereits weitgehend, jetzt geht es an den Innenausbau. 20 Millionen Franken sind dafür veranschlagt, im September 2015 soll das Gebäude bezugsfertig sein. Gleich danach soll für 12 Millionen Franken nach 1976 erstmals das Altersheim renoviert, ausgebaut und behindertengerecht umgebaut werden. Weitere 15 Millionen Franken sind für entsprechende Massnahmen in der Alterssiedlung vorgesehen. «Die 47 Millionen Franken sind ein rechter Lupf», konstatiert Ruch und Anna Jäger ergänzt: «Wir haben jetzt Handlungsbedarf». Die Geschäftsführerin bestätigte auf Nachfrage, dass es über Jahre hinweg einen Investitionsstau gegeben habe und zu wenig Rückstellungen gebildet worden seien. Und Carl Ruch sagte, dass der Kanton den behindertengerechten Umbau von Wohnungen seit langem anmahne.

Eine bestimmte Summe als Beschaffungsziel haben sich die Verantwortlichen um Carl Ruch und Geschäftsführerin Anna Jäger nicht gesetzt: «Wir freuen uns über jeden Beitrag». Allzu grosse Hoffnungen seien bereits von einer professionellen Geldbeschafferin gedämpft worden, die der Vorstand zu seiner Unterstützung eingeschaltet hat.

Breite Zielgruppe
Erste Massnahme war ein Brief, der vergangene Woche an 2000 zahlungskräftige Adressaten verschickt wurde. Weitere Zielgruppen sind ausgewählte Stiftungen und Personenkreise in der Region, Firmen, Service-Clubs, Bewohner, die angeschlossenen Gemeinden Kreuzlingen, Bottighofen, Münsterlingen, Altnau und Güttingen, Genossenschafter und die Bevölkerung.
Dass Kreuzlingen ruhig ein bisschen mehr zahlen könnte, wollte Carl Ruch so nicht sagen, schwang aber bei seinen Ausführungen mit. Er wies darauf hin, dass die Stadt dem AZK bisher nur zwei Millionen Franken (eine jeweils in den Jahren 1976 beim Bau und 2000 zur Erweiterung) zugeschossen habe, seit 1989 musste die Stadt auch kein Defizit mehr ausgleichen – für Ruch sind das «lächerliche Beträge».

Defizit mit Ansage
Die entsprechende Defizitgarantie (95 Prozent  beim Pflegeheim, 95 Prozent bei Altersheim und -siedlung) gehe auf eine Volksabstimmung von 1972 zurück, wolle die Stadt aber Ruch zufolge gerne anders gestaltet haben, beispielsweise mit einem Höchstbetrag. Apropos Minus: Ein Fass ohne Boden sollen die bedeutenden Investitionen beim AZK nicht werden, «ein gewisses Defizit wird auf die Stadt aber schon zukommen», ist sich der Genossenschafts-Präsident sicher.

Preisanpassungen angekündigt
Höhere Umsätze und Gewinne seien aus Beitragsüberlegungen heraus nicht möglich. «Wir müssen ganz genau schauen, was wir unseren Bewohnern finanziell zumuten können und dürfen», so Ruch. Geschäftsführerin Anna Jäger kündigte immerhin für 2015 Preisanpassungen in der Hotellerie an, «der Bereich, den wir noch selbst beeinflussen können.» Hier hätten die Bewohner über Jahre hinweg von günstigen Tarifen profitiert.

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