/// Rubrik: Stadtleben

Der Teufel steckte im Detail

Kreuzlingen – Die Budgetversammlung der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen am Mittwochabend hatte es in sich. Gesprächsbedarf gab es um das Priesterhaus Bernrain, die Kirchenpflege, Pastoralräume und – wieder einmal – um Pfarrer Alois Jehle.

Gleich zu Beginn überraschte der Präsident der Kirchvorsteherschaft, Thomas Gisler, mit der Vertagung des Traktandums Übernahme Priesterhaus Bernrain und Planungskredit für 680000 Franken. «Uns fehlen noch wichtige Informationen, es gibt auch noch keine schriftliche Vereinbarung mit den jetzigen Eigentümern.»

Alois Jehle, Pfarrer St. Ulrich. (Bild: Thomas Martens)

Alois Jehle, Pfarrer St. Ulrich. (Bild: Thomas Martens)

Das ist seit 1919 die Kongregation der Redemptoristen, der auch St. Stefan-Pfarrer Josef Gander angehört. Was viele nicht wussten: Die Kirchgemeinde ist vertraglich zum Rückkauf verpflichtet. Im Raum steht jedoch das Wohnrecht auf Lebenszeit für die hochbetagten Patres. Um das Haus auch künftig mit Leben zu füllen, ist die Kirchgemeinde mit zwei Orden im Gespräch – einem aus Indien und einem aus dem osteuropäischen EU-Raum.

Wohnsitzpflicht Kreuzlingen
Cornelia Helg ist seit zwei Jahren Kirchpflegerin der Doppelpfarrei, wohnt aber in Salenstein – mit dem Kirchenrecht nicht vereinbar. «Bis jetzt hatten wir eine Ausnahmegenehmigung, die aber für 2015 nicht verlängert wurde», sagte Gisler. Eine Lösung musste her, auch wenn sich das Kirchenrecht vielleicht bald ändern sollte.

Mit 70 Stimmen (101 anwesende Stimmberechtigte), wurde der 25-jährige Student Adrian Lang gewählt und fungiert jetzt als Vorgesetzter Helgs, die allerdings weiterhin alle administrativen Aufgaben erledigt. Einige Stimmberechtigte wollten das nicht so einfach hinnehmen, Jörg Sinniger aus Tägerwilen etwa sprach von «Farce» und nannte das Vorhaben ein «Spieli». Hätte man es nicht mitgemacht, wäre die Kirchgemeinde Gisler zufolge praktisch handlungsunfähig geworden.

Quo vadis Pastoralraum?
Seit 2008 liegt der Entwurf des Pastoralen Entwicklungsraumes vor, der den katholischen Thurgau in zwölf Gebiete einteilt. Unter anderem sollen die Pfarreien Kreuzlingen und Ermatingen in Seelsorgeeinheiten zusammengefasst werden. Passiert ist seitdem wenig.
Dies wurde am Mittwochabend von verschiedenen Votanten moniert. «Kreuzlingen ist bereit», war seitens der Kirchenvorsteherschaft zu hören, «nur Ermatingen soll sich endlich mal entscheiden, ob es nach Kreuzlingen oder Steckborn will», mahnte Pfarrer Gander an. Dem widersprach ein Votant angesichts zweier Pfarreien: «Kreuzlingen muss selbst erstmal seine Hausaufgaben machen.» Pastoralassistent Ivan Traikov nannte Pastoralräume allerdings «reine Zeitverschwendung». Die brauche es nicht.

«Dem Herrgott verpflichtet»
Richtig Fahrt auf nahm die Versammlung zu weit vorgerückter Stunde, als Pfarrer Alois Jehle von Teilnehmern mit Vorwürfen zu seiner geradlinigen Haltung konfrontiert und sogar aufgefordert wurde, zu gehen. Kritisiert wurde, dass der konsequente Priester den katholischen Glauben sehr streng auslegen und etwa Andersgläubigen oder Geschiedenen die heilige Kommunion verweigern würde. Dies verneinte Jehle und fügte hinzu, dass er den Glauben der Kirche und ihre Haltung zum Empfang der heiligen Kommunion teilen und auch vertreten  würde: «Ich bin dem Herrgott verpflichtet.»

Für ihn sei die Grundvoraussetzung der heiligen Kommunion, dass die Menschen wissen, was sie empfangen. Das sei heute aber vielfach nicht der Fall. «Ich bin deshalb nicht dazu bereit, einfach tel quel die heilige Kommunion zu spenden», grenzt sich der 55-Jährige klar von Priesterkollegen ab. Segnen sei für ihn aber kein Problem. Den Konflikt mit Gemeindemitgliedern scheut er nicht: «Ich fürchte den Herrgott mehr, als Euch.» Gemeint ist, dass sich Jehle seinem Gewissen verpflichtet sieht, dem Respekt vom Glauben der Kirche. «Das werde ich nicht verraten, um den Menschen zu gefallen.» Für ihn ist der Empfang der heiligen Kommunion, ohne das Wissen darum, was empfangen wird und auch den Glauben daran, «nicht ehrlich.»

Abschied und Investitionen
Die übrigen Geschäfte verliefen weitgehend geräuschlos. Das Budget 2015 rechnet mit einem Minus von rund 37000 Franken und wurde einstimmig angenommen. Der Steuerfuss bleibt bei einer Enthaltung auf 17 Prozent. Anton Reisch und Hans Hochreutener wurden aus der Kirchenvorsteherschaft verabschiedet, für sie rücken Martin Beck (65 Stimmen) und Roman Surber (87 Stimmen) nach. Auf Präsident Thomas Gisler entfielen bei seiner Wiederwahl 59 Stimmen, die wenigsten im sechsköpfigen Gremium.

Die Versammlung sprach zudem grossmehrheitlich 82000 Franken für eine neue IT-Infrastruktur. «Wir arbeiten beinahe wie vor 50 Jahren», scherzte Caroline Helg, machte damit aber bewusst, dass es bei der Vernetzung der Pfarreien, Datensicherung, Adressverwaltung und Korrespondenz grossen Nachholbedarf gebe. Einstimmig genehmigt wurden 67000 Franken für eine neue Audioanlage in St. Stefan. Beides werde aus der laufenden Rechnung finanziert.

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