/// Rubrik: Leserbriefe

Pfarrer Jehle noch tragbar?

Kreuzlingen – An der Budget-Gemeindeversammlung der katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen vom vergangenen Mittwoch kam es zu später Stunde unter dem Traktandum «Mitteilungen und Umfrage» zu zwei bewegten Wortmeldungen von Kirchbürgern, welche die sture und intolerante Art von Pfarrer Alois Jehle anhand von Beispielen beanstandeten. (Rolf Seger, Tägerwilen)

Im einen Fall wurde berichtet, dass Pfarrer Jehle im Altersheim betagten Protestanten, welche das Bedürfnis nach der Kommunion äusserten, diese verweigerte. In einem anderen Fall verweigerte er einem verstorbenen Katholiken eine Trauermesse (mit Kommunion) und hielt nur einen Wortgottesdienst,  weil der Verstorbene geschieden und zum zweiten Mal verheiratet war. In einem weiteren Fall war Pfarrer Jehle nur bereit, bei einer Trauerfeier einen Wortgottesdienst zu halten, weil  er befürchtete, es könnten auch Protestanten zur Kommunion kommen.

In der anschliessenden Rechtfertigung sagte Pfarrer Jehle u.a. wortwörtlich, dass «über 90 Prozent der Besucher einer Messe keine Erfahrung mehr hätten und gedankenlos zur Kommunion gingen – alle gehen zur Kommunion, aber die Beicht- stühle sind leer». Aus diesem Grund sei er nicht bereit,  jedem die Kommunion zu erteilen.

Es gibt Situationen im Leben, wo Schweigen fehl am Platz ist. Bisher war mir Pfarrer Jehle nur aus der Zeitung bekannt, weil er wiederholte Male Projekte der Ökumene in Kreuzlingen torpedierte. Was ich am letzten Mittwoch von anwesenden Kirchbürgern gehört habe und die Äusserungen von Pfarrer Jehle haben mich erschüttert. Angesichts einer Katholischen Kirche, welche in jüngster Vergangenheit ihre moralische Vorbildfunktion (Missbrauchsskandale) definitiv verloren hat, ist es aus meiner Sicht nicht akzeptabel, wenn einzelne Pfarrherren  Geschiedene, Homosexuelle und auch Protestanten von der Kommunion ausschliessen.

Nach dem, was die Kirchbürger letzten Mittwoch gehört haben, kann die Kirchenvorsteherschaft  im Falle von Pfarrer Jehle nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

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10 thoughts on “Pfarrer Jehle noch tragbar?

  1. schiesser

    Ohne Pfarrer Jehle verteidigen zu wollen: Er setzt lediglich den Willen „seiner“ römisch-katholischen Kirche um. Seine vatikanischen Vorgesetzten (Plural, weil die Vorschriften nun schon mehrere Päpste überdauern) haben klar gemacht, dass sie die evangelische Kirche nicht als solche akzeptieren und, dass sie Protestanten nicht bei der Kommunion sehen wollen. Sie haben auch klar gemacht, dass sie Wiederverheiratete auch nicht bei der Kommunion haben wollen und praktizierende Homosexuelle auch nicht. Klar, finde ich das intolerant, aber wenn ich Mitglied dieses „Vereins“ bin und bleiben will, weiss ich, welche „Statuten“ gelten, an die ich mich halten soll. Insofern handelt Pfarrer Jehle (vorausgesetzt die Beispiele stimmen) intolerant, aber vorschriftsmässig. Laut Bibel hat Jesus zwar mit dem Spruch „wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ eine gewissen Toleranz eingefordert, aber sein derzeitiges röm-kath „Bodenpersonal“ scheint entweder anderer Ansicht zu sein oder sich selbst für sündenfrei zu halten.
    Die evangelischen/protestantischen Kirchen handeln da üblicherweise toleranter. Wer also die vatikanischen Vorschriften intolerant findet, aber trotzdem in einer christlichen Kirche Mitglied sein will, hat eine Alternative. Ansonsten kann man ja problemlos auch ohne Kirchenmitgliedschaft gut leben.

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  2. Bruno Neidhart

    Die absolute Papstgläubigkeit, die „schiesser“ feststellt, gibt es so nicht mehr. Ein Pfarrer hat heute, wenn er mit einer entsprechenden christlich-seelsorgerischen (nicht nur!) „Situation“ konfrontiert wird, ganz andere, menschennähere Möglichkeiten, als wie sie in Rom mitunter in einem verstaubten Aktenschrank archiviert sind. Es kommt da schon auf die Persönlichkeit des Betreffenden an. Und so gibt es denn in unserer Zeit sinnvolle und weniger sinnvolle Beispiele, wie Christentum interpretiert wird – oder interpretiert werden kann. Dies betrifft beide grossen christlichen Religionsgemeinschaften, denen es um etwas mehr geht, als um „gut leben“, wie „schiesser“ als Kontrast zur Kirchenmitgliedschaft anbietet.

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    1. schiesser

      Es geht nicht um „Papstgläubigkeit“, sondern darum, dass man röm-kath Priestern kaum ankreiden kann, dass sie sich an die „Firmendoktrin“ halten, die ihr oberster Dienstherr vorgibt. Ja, diese Vorschriften sind „verstaubt“ und intolerant, aber sie sind (jedenfalls derzeit noch) gültig. Das ist wie mit der Abseitsregel im Fussball: Viele finden diese schlecht und würden sie gerne abschaffen. Trotzdem muss sie von Schiedsrichtern während eines Spiels angewendet werden, weil sie schlicht so in den derzeit gültigen Regeln steht. Und um zur röm-kath Kirche zurück zu kommen: Sie ist keine Demokratie, weshalb die Regeln auch nicht durch Mehrheitsbeschluss z.B. innerhalb der schweizerischen (oder einer anderen westeuropäischen) „Abteilung“ geändert werden können. Beide röm-kath Priester in Kreuzlingen halten denn auch in einem heute veröffentlichten Interview fest, dass diese Regeln gelten und von ihnen angewendet werden. Also bleibt es dabei: Wer das anders haben will, kann entweder die Glaubensgemeinschaft wechseln oder ganz aus der Kirche (als Organisation) austreten. Daran, weiter zu glauben, wird dadurch niemand gehindert. Wobei man auch das sein lassen und sich trotzdem tolerant, fair, mitfühlend, verantwortungsvoll und menschlich verhalten kann (das war mit „gut leben“ gemeint, Herr Neidhart)..

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      1. Bruno Neidhart

        Kirche ist weder „Firma“, noch ein Fussballverein („Abseits“), noch hat sie simple „Abteilungen“: Davon geht auch, nehme ich mal an, Herr Rolf Seger aus, der ein diskussionswürdiges pastorales Verhalten darstellt, das er für sich zu erkennen glaubt und einfach mal konkret in den kirchlichen Raum setzt. „schiesser“ hingegen verwurstelt das Aufnotierte auf seine Art, die wohl nicht der Absicht der Intervention von Herrn Seger entspricht. Und „AnnaElisa“ macht es sich etwas zu leicht, sollte sie davon ausgehen, dass sich in der Kirche nichts zu bewegen hat. Dass sich etwas bewegt – bewegen soll: Dafür steht ja gerade, bei allen Widerständen (!), der gegenwärtige römische Papst, wie ich das zu erkennen glaube. Und wenn „Milka Holl“ feststellt, dass sie sich persönlich „vertreten“ fühlt, ist das ja gut und sehr erfreulich. Kirche war weltweit schon immer breit ausgelegt, wenn es um die einzelne gläubige Person geht, die in ihr lebt. Da kann „Rom“ manchmal schon unterschiedlich nah, oder eben auch unterschiedlich weit weg sein, ohne sich persönlich diametral entgegengesetzt empfinden zu müssen.

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  3. Milka Holl

    Unsere Fahrer Jehle ist Gottes Bote für Kreuzlingen . Er vertret katholische Kirche wie die echte Katholiken machen , das Mann ihm in Kreuzlingen nicht ferstet heißt das nicht das er falsch ist und macht unkorrekt . Fahrer Alois Jehle macht richtig wie sie sich gehört . Es war immer so und es Wert so sein er hat gehandelt wie jeder katholische Fahrer was ich kennen in meine leben . In Europa sind die Fahrer noch strenge als Schweiz das wegen ist das für die Schweizer ungewohnt weil sie einfacher haben wollen . Wir dörfern Gesetze nicht enden und nimann André auch . Wir brauchen Alois Jehle jetzt in diese zeit i
    Insbesonderes wo Gott schikt kleine Profete und uns want was kommt . Gott möchte seine Kinder Susamen Krigen das alle ein Ziel haben und ihm volgen . Er möchte elle Leute retten aber wir was machen wir ? Das ist so was Traueriches. Wir brauchen unsere Fahrer Jehle und ich auch er ist mein Seelensorger in leben Richtung Jesus Christus .

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  4. AnnaElisa

    Zum Leserbrief „Pfarrer Jehle noch tragbar?“ und zur Aufforderung, Pfarrer Jehle solle Kreuzlingen verlassen, anlässlich der Kirchgemeideversammlung.
    Warum kommen immer wieder die gleichen Forderungen und Anschuldigungen betreffs Kommunionempfang in der Katholischen Kirche? Warum werden immer wieder Priester derart massiv angegriffen, wie es hier geschah? Pfarrer Jehle macht nichts anderes, als das, was die Katholische Kirche seit jeher gelehrt hat. Diese Lehre steht ganz klar und eindeutig im Katechismus, der für jeden Katholik gültig ist. Die Grundlage des Katechismus ist die Lehre Jesu Christi, also die Bibel. Pfarrer Jehle und jeder Priester ist in seinem Amt Gott und der Katholischen Kirche verpflichtet. Er wird Gott einmal Rechenschaft darüber abgeben müssen, wie er seine anvertraute Herde geleitet hat. Und da kann er dann nicht sagen, ach die Kreuzlinger wollten es halt anders als du lieber Gott! Aber auch wir alle müssen verantworten, wie wir die hl. Kommunion empfangen haben. Wir dürfen nicht zum Tisch des Herrn gehen, wenn wir gar nicht glauben was Jesus gesagt hat, nämlich „Mein Fleisch ist eine wahre Speise, und mein Blut ist ein wahrer Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm.” (Joh 6,55). Es geht auch nicht an, wenn wir schwer sündigen und trotzdem kommunizieren ohne zu beichten. „Wer daher unwürdig dieses Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig am Leib und Blut des Herrn … Denn wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht, da er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.” (1 Kor 11,27 – 29)
    Das hat nicht Pfarrer Jehle oder der Papst erfunden, sondern das ist die Lehre Jesu Christi. Darum sollten wir sehr dankbar sein, dass wir in Kreuzlingen zwei so gute, gläubige Priester haben, die die Katholische Lehre ernst nehmen. Einen Katechismus und eine Bibel kann man übrigens in jeder Buchhandlung kaufen oder bestellen. Man findet diese Bücher auch kostenlos im Internet. Es wäre gut, wenn man da mal etwas lesen würde, anstatt immer den Papst und die Priester zu kritisieren.
    Annelies Ricklin, Kreuzlingen

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    1. schiesser

      Wie Sie sicher festgestellt haben, wundere ich mich auch, weshalb Katholiken, die eigentliche ihre „Vereinsstatuten“ kennen, sich über den anscheinend eher konservativen Priester aufregen. Aber darüber, ob das, was in der Bibel und das, was in den katholischen „Vorschriften“ steht, wirklich deckungsgleich ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch wenn „katholisch“ als Wort „allgemein“ bedeutet, ist die röm-kath Kirche ja nicht die einzige christliche Kirche, die sich auf die Bibel beruft. Und schon allein die unterschiedlichen Auslegungen der selben Geschichten deutet doch darauf hin, dass das alles nicht so eindeutig ist. Deshalb darf mit Fug und Recht auch bezweifelt werden, dass Gott (so er existiert) Anstoss daran nehmen wird, wenn ein Priester oder Pfarrer die Linie „seiner“ Glaubensgemeinschaft nicht 100prozentig vertreten hat. Gott wird kaum röm-kath, christkatholisch, evangelisch, protestantisch, evangelikal, koptisch, russisch- oder griechisch orthodox (oder Mitglied einer anderen christlichen Kirche) sein. Von daher können wohl auch Priester und Pfarrer, die sich nicht genau an die vatikanischen Auslegungen halten, mit dem Wohlwollen ihres „obersten Chefs“ rechnen (falls sie sich sonst nichts zu schulden kommen lassen). Übrigens definiert Paulus (der ja sonst nicht zimperlich ist) in der zitierten Stelle im 1. Korintherbrief nicht, was mit „unwürdig“ gemeint ist. Woraus sich dann ja auch durchaus unterschiedliche „Straftatbestände“ ableiten lassen. Insofern handelt es sich nicht „um die Lehre Jesu“ sondern um die röm-kath Interpretation derselben (z.B. wenn es um Fragen wie Wiederverheiratung, Homosexualität, Zugehörigkeit zu einer anderen christl. Kirche geht). Dass sich ein röm-kath Priester allerdings an die vatikanischen Vorschriften hält, sollte niemanden wundern.

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      1. Bruno Neidhart

        Es macht keinen Sinn, ein „Theologisches Seminar“ installieren zu wollen, wie „schiesser“ hartnäckig versucht. Die Frage von Herrn Seger ist simpler: Wie viel Menschlichkeit könnte man sich vorstellen, wenn es vor Ort um konkrete persönliche Bedürfnisse von Menschen geht, die sich nach wie vor mit der Christenheit verbunden fühlen, auch wenn für sie Rom manchmal zu entschwinden scheint. Das Wirken von Seelsorgern ist nicht per se „genormt“. Dazu gibt es sinnvolle Beispiele aus der täglichen – sonntäglichen – Praxis. Der Raum für eine persönliche Interpretation ist nie geschlossen.

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  5. Ritter Josef

    Herr Seger möchte, was sich heute viele moderne Katholiken wünschen, einen Priester der es nicht mehr so genau nimmt, mit dem wahren Katholischen Glauben. Pfarrer Jehle tut genau das, was heute noch ein Kath. Priester tun müsste! (Tim 4 2-4 ) Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht ; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.
    Wir sollten Dankbar sein, dass es heute noch solche Katholische Priester, wie Pfarrer Jehle gibt!

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