/// Rubrik: Stadtleben

«Grossmuetter» wohnt nun im Aargau

Kreuzlingen – Die Stiftung Feuerwehrmuseum besass einen Oldtimer, liebevoll «Grossmuetter» getauft, der nun in den Aargau verkauft wurde. Das gefällt nicht jedem, war aber nötig. Interessenten aus Kreuzlingen gab es keine.

Der schöne, aber unpraktischer Oldtimer wurde 1953 gebaut. (Bild: zvg)

Der schöne, aber unpraktischer Oldtimer wurde 1953 gebaut. (Bild: zvg)

Wer mit offenen Augen durchs Städtli fährt, der sieht: An allen Orten wird erneuert und überall müssen alte Dinge neuen Platz machen. Das erfuhr auch Gemeinderat Christian Forster am vergangenen Mittwoch. Beim alten Feuerwehrdepot Ost wurde die «Grossmuetter» abtransportiert. Auf Nachfrage erfuhr er von ihrem Verkauf – und bedauert diesen sehr. «Generationen von Feuerwehrleuten, unter anderem mein Vater, sind mit diesem Auto gefahren», sagt Forster. «Für mich ist das ein Kulturgut.»

Viele Feuerwehren im Land besitzen eine solche Grossmuetter. Gründe für den Verkauf gibt es indes genug. Acht Meter lang ist die alte Dame aus Kreuzlingen und 6,5 Tonnen schwer. In den vergangenen Jahren wurde sie durch den Feuerwehrverein gepflegt und auch ausgefahren, sagt Feuerwehr-Kommandant Kurt Affolter. «Vor zwei Jahren waren wir damit in Mammern und Lengwil. Aber es gab oft Probleme, etwa mit der Kupplung. Liegengeblieben ist sie auch manchmal. Und junge Leute können das Auto gar nicht mehr fahren.»

Ein Wagen für Liebhaber und Kenner also – für den Alltag aber einfach unpraktisch und zu teuer. «Seitdem wir ihn vor rund 15 Jahren übernommen haben, musste immer wieder Geld hineingesteckt werden», erzählt Affolter. «Schon Versicherungen und Abgaben verschlingen rund 1500 Franken im Jahr.» Ersatzteile gebe es nicht mehr. Um ihn weiter zu fahren zu können, wären Reparaturen für rund 12’000 Franken angestanden.

Ausschreibung versäumt?
Christian Forster blieb lediglich, ein paar Fotos vom Abtransport zu schiessen. «So was verkauft man doch nicht», sagt der Gemeinderat, «und wenn, dann an einen Kreuzlinger.» Forster hätte sich eine Ausschreibung in den hiesigen Lokalzeitungen gewünscht und ist sich sicher: «Dann hätte sich auch jemand gemeldet. Zur Not hätte ich sie selber gekauft.»
Inseriert wurde der Verkauf dagegen nur in der monatlich schweizweit erscheinenden Feuerwehrzeitung «118». Diese hat eine Auflage von rund 16’500 Exemplaren. Laut Affolter gibt es in Kreuzlingen 30 Abonennten. «So konnten wir sichergehen, Käufer zu finden, die auch fähig sind, sich um den Wagen zu kümmern.»

Geld war nicht der Grund: Über den Tisch ging die Grossmuetter für unter 5000 Franken. «Wir sind froh, das Auto nun in gute Hände geben zu können, an jemanden, der es hegt und pflegt», sagt Affolter über den Käufer aus dem Aargau. «Was bringt’s, wenn der Oldtimer im Dunklen vor sich hingammelt?»

«Wir haben eine neue Heimat für die Grossmuetter gefunden», erklärt auch Stadtrat David Blatter. Er ist froh über das Geschäft und betont, dass auch im alten Depot Ost Raum gebraucht wurde für Materialien des Zivilschutzes. «Im Feuerwehrmuseum gab es keinen Platz, um das Vehikel auszustellen.»

«Mir tute es einfach weh, wenn solche Dinge verschwinden», sagt hingegen Forster. Aber wer weiss, vielleicht kommt das älteste Fahrzeug der Kreuzlinger Feuerwehr-Flotte ja doch noch einmal nach Kreuzlingen zurück – wenigstens bei einer Ausfahrt. Zu wünschen wäre es.

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