/// Rubrik: Stadtleben

Unterstützung für Pfarrer Jehle

Kreuzlingen – In jüngster Zeit wurde Kritik an St. Ulrich-Pfarrer Alois Jehle laut (wir berichteten). Bischofsvikar Ruedi Heim aus Luzern nimmt ihn in Schutz.

Pfarrer Alois Jehle erhält Rückendeckung. (Bild: zvg)

Pfarrer Alois Jehle erhält Rückendeckung. (Bild: zvg)

Anlässlich der Katholischen Kirchgemeindeversammlung Ende November geriet Jehle unter Druck und auch Rolf Seger aus Tägerwilen liess in einem Leserbrief kaum ein gutes Haar am Priester, der sich gerne selbst als «geradlinig und konsequent» bezeichnet.

Interview abgesagt
Wir hätten Jehle gerne mit den Vorwürfen konfrontiert und hatten bereits einen Interviewtermin für vergangenen Mittwoch abgemacht, der uns aber am Montag abgesagt wurde mit der Begründung, darüber bereits mit einer anderen Zeitung gesprochen zu haben. Um sich darauf vorbereiten zu können, liessen wir ihm vorab einige Fragen zukommen. Unter anderem hätten wir gerne gewusst, ob die Katholische Kirche seiner Meinung nach vom Pfad der Tugend abkommt und was für ihn angesichts zahlreicher Skandale die Mitgliedschaft, das Wirken in dieser Glaubensgemeinschaft so reizvoll macht.

Ebenfalls interessierte uns, ob Alois Jehle nachvollziehen kann, warum manche Priesterkollegen eine weitaus liberalere Haltung haben, während er angeblich den Hardliner gibt. Schliesslich fragten wir noch, wie er mit der Kritik umgeht (er war ja sogar zum Gehen aufgefordert worden) und wie sehr er durch sein jahrelanges Wirken in Rom vom Geist der «Machtzentrale» beeinflusst wurde.

Statt Antworten darauf zu geben, schickte uns Jehle eine Stellungnahme von Ruedi Heim, Bischofsvikar der Diözese Basel und damit Vertreter des Bischofs. Heim nimmt unmittelbar Bezug auf eine Ansprache von Papst Franziskus an die Schweizer Bischöfe vom 1. Dezember: «In diesem Punkt ermutige ich Euch, die Bildung der Getauften hinsichtlich der Glaubenswahrheiten und ihrer Bedeutung für das liturgische, pfarrliche, familiäre und gesellschaftliche Leben weiterzuführen und die Mitarbeiter sorgfältig auszuwählen.»

Der wahre Glaube
Die Katholische Kirche ist dem Papst zufolge für die Ökumene. Die Gläubigen jeder christlichen Konfession müssten ihren Glauben jedoch unmissverständlich und frei von Verwechslung leben können, ohne die Unterschiede auf Kosten der Wahrheit wegzuretuschieren. «Wenn wir zum Beispiel unter dem Vorwand eines gewissen Entgegenkommens unseren eucharistischen Glauben verbergen müssen, dann nehmen wir weder unseren eigenen Schatz noch unsere Gesprächspartner genügend ernst», so der Papst weiter.

Bischofsvikar Heim stellt fest: «Es geht also nicht um die Haltung oder die persönliche Meinung von Pfarradministrator Jehle, dem Unflexibilität oder Hardliner vorgeworfen wird, sondern um Grundwahrheiten des römisch-katholischen Glaubens, welche auch Papst Franziskus immer wieder in seinen Ansprachen unterstreicht.»

Meinungen gehen auseinander
Auch auf unserer Internet-Plattform www.kreuzlinger-zeitung.ch wird das Thema diskutiert. So schreibt zum Beispiel Milka Holl: «Unser Pfarrer Jehle ist Gottes Bote für Kreuzlingen. Er vertritt die Katholische Kirche, wie es die echten Katholiken machen.» Für sie ist Pfarrer Jehle «Gottes Bote für Kreuzlingen».

Lieselotte Schiesser meint, «die evangelischen/protestantischen Kirchen handeln da üblicherweise toleranter. Wer also die vatikanischen Vorschriften intolerant findet, aber trotzdem in einer christlichen Kirche Mit- glied sein will, hat eine Alternative. Ansonsten kann man ja problemlos auch ohne Kirchenmitgliedschaft gut leben».

Sie ist der Auffassung, dass man römisch-katholischen Priestern kaum ankreiden kann, dass sie sich an die «Firmendoktrin» halten, die ihr oberster Dienstherr vorgibt. «Diese Vorschriften sind verstaubt und intolerant, aber sie sind (jedenfalls derzeit noch) gültig.» Das sei wie mit der Abseitsregel im Fussball: «Viele finden diese schlecht und würden sie gerne abschaffen. Trotzdem muss sie von Schiedsrichtern während eines Spiels angewendet werden, weil sie schlicht so in den derzeit gültigen Regeln steht.»

Bruno Neidhart zufolge komme es schon auf die Persönlichkeit des Pfarrers an: «Und so gibt es denn in unserer Zeit sinnvolle und weniger sinnvolle Beispiele, wie Christentum interpretiert wird – oder interpretiert werden kann.»

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