/// Rubrik: Leserbriefe

Bildsprache

Leserbrief – Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und bedarf keiner sprachlichen Übersetzung, eine Binsenweisheit. Das gilt insbesondere bei Karikaturen. (Jost Rüegg, Kreuzlingen)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Wer in Form von Karikaturen religiöse Gefühle verletzt lebt gefährlich. Das wissen wir nicht erst seit dem 7. Januar 2015. Wer Gott, Allah, Christus, Mohamed oder den Papst in un- oder missverständlichen Posen karikiert, bewegt sich auf sehr dünnem Eis. Satire wird so oder so nur von einem Teil der Bevölkerung verstanden, besser – richtig verstanden. Satire ist eine intellektuelle Herausforderung, für die Zeichner wie für die Betrachter, der nicht alle gewachsen sind.

Trotz Rede- und Pressefreiheit macht man sich mit rassistischen Äusserungen strafbar, zur Recht. Wer religiöse Gefühle verletzt, in welcher Form auch immer, macht sich bis heute nicht strafbar. Als Normalbürger muss man das nicht verstehen. Als Normalbürger kann man aber nachvollziehen, dass Letzteres die Betroffenen und Zugehörigen nicht weniger trifft. Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt Attentate und Morde, sie geschehen trotzdem immer wieder. Allein diese Realität sollte Massstab für unser Handeln sein, auch in den Medien. Die Globalisierung bewirkt, dass Botschaften auch dorthin gelangen, wo sie nicht oder falsch verstanden werden. Pressefreiheit ja, ob die Verletzung religiöser Gefühle auch dazu gehören muss, ist zumindest in Frage zu stellen.

Frei nach einem deutschen Kabarettisten:  «Religionsfreiheit ist gut, frei von Religion vielleicht noch besser». Nur, diese Frage stellt sich nicht in unserer Welt.

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5 thoughts on “Bildsprache

  1. schiesser

    Was will Jost Rüegg denn eigentlich? Einerseits: “ Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt Attentate und Morde“ andererseits “ Pressefreiheit ja, ob die Verletzung religiöser Gefühle auch dazu gehören muss, ist zumindest in Frage zu stellen“. Ja, was denn nun? Rechtfertigt „nichts“ oder ist es doch so ein kleines bisschen nachvollziehbar, dass bei verletzten religiösen Gefühlen den Gläubigen mal die Gäule durchgehen? Weshalb man dann vielleicht die Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit doch nicht so richtig nutzen sollte? Jost Rüegg kann man deshalb nur mit Kurt Tucholksky (dessen 125. Geburtstags gerade gedacht wird) sagen: „Alles ist richtig, auch das Gegenteil. Nur das „zwar…aber“ das ist nie richtig.“ Auch hier nicht. Man kann nicht einerseits verdammen, andererseits aber einschränken. Und um noch einmal Tucholsky zu bemühen:“Wer in der Öffentlichkeit Kegel schiebt, muss sich gefallen lassen, dass nachgezählt wird, wieviel er getroffen hat.“ Das gilt auch für Religionen, Kirchen, Glaubensbekenntnisse. Sie beanspruchen Platz im öffentlichen Leben, sie wollen ihre Regeln durchsetzen, beanspruchen moralische Kompetenz. Dann müssen sie sich daran auch messen lassen – was auch bedeutet, dass sie Gegenstand satirischer Betrachtung und Auseinandersetzung sein können – und sie müssen das aushalten können. Menschenrechte – und dazu gehören Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit – sind unteilbar. Eine Presse bzw. Medien, die darauf verzichtet/n, Themen aufzugreifen, kritisch zu hinterfragen, weil damit die Gefühle von Wem-auch-immer verletzt werden könnten, taugt a) nicht und hat b) die Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit schon aufgegeben. Heute sind es die Religiösen, die Schonung einfordern, morgen Vertreter politischer Überzeugungen und übermorgen? Und bevor jetzt hier wieder jemand von Islam und dort nicht zugelassener Glaubensfreiheit anfängt: Die röm-kath Kirche akzeptiert die Glaubens-/Religionsfreiheit gerade mal seit dem 2. Vatikanischen Konzil Anfang der 1960er-Jahre. Religionen tun sich allgemein schwer damit, dass ihre „Lufthoheit“ angefochten wird. Das darf aber kein Grund sein, sie von Satire auszunehmen.

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  2. Bruno Neidhart

    Karikaturen haben auch mit „Geschmack“ zu tun. Das Pariser Blatt hat gerade mal eine Verkaufsauflage von 30’000 Exemplaren. Die aus einem Links-Alt-68er Konstrukt heraus entstandene Publikation ist für Franzosen weniger mit „Geschmack“, als mit „Freiheit“ verbunden. In diesem Konstrukt wird alles karikiert, was Rang und Namen hat. Über „Geschmack“ lässt sich trefflich streiten. Streiten über „Freiheit“ ist weit anspruchsvoller. In unserer freiheitlichen Ordnung treffen wir auf viel Geschmackloses. Wir haben uns daran gewöhnt.

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  3. Martin Rutishauser

    Falsch lieber Jost Rüegg. Eine freie Gesellschaft muss Hohn, Spott und Satire aushalten. Ohne wenn und aber! Dein Leserbrief ist bezeichnend für Deine Persönlichkeit: wenns um Dich und Deine Anliegen geht, hört der Spass auf.

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  4. Daniel Moos

    Satire darf alles und muss auch Platz haben in einer freien Gesellschaft, damit bin ich grundsätzlich einverstanden, aber Satire muss nicht alles….

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