/// Rubrik: Stadtleben

Stadträte haben noch viel zu tun

Kreuzlingen – Als Team ziehen die verbliebenen Kreuzlinger Stadträte mit Stadtammann Andreas Netzle in den Wahlkampf für den 8. März. Damit entspricht das Quartett erneut dem System der Kollegialbehörde.

Stadtammann Andreas Netzle und die Stadträte Dorena Raggenbass, Barbara Kern sowie Ernst Zülle (v.l.) treten als Team bei der Erneuerungswahl am 8. März an. (Bild: zvg)

Stadtammann Andreas Netzle und die Stadträte Dorena Raggenbass, Barbara Kern sowie Ernst Zülle (v.l.) treten als Team bei der Erneuerungswahl am 8. März an. (Bild: zvg)

Stadtammann Andreas Netzle (parteilos) sowie die bisherigen Stadträte Barbara Kern (SP), Dorena Raggenbass (parteilos) und Ernst Zülle (CVP) betonen ihre bisher gute Zusammenarbeit und möchten diese auch gerne weitere vier Jahre fortsetzen. Am Dienstag zogen sie Bilanz über die vergangene Legislatur und gaben ihre Ziele für eine eventuell weitere Amtsperiode bekannt.

Finanzen im Griff
Ins Ressort des Stadtammanns fällt das Präsidium (Finanzen, Verwaltung und Kommunikation). Netzle erwähnte unter anderem die gesunden Stadtfinanzen, die professionelle und leistungsfähige Verwaltung sowie den Abschluss des Agglo-Programms Kreuz- lingen-Konstanz und die Reorganisation der Regio Kreuzlingen. Er ist überzeugt, mit verstärktem Marketing das Image der Stadt verbessert zu haben – nach aussen wie nach innen, und nannte hier zum Beispiel die Verleihung des Prix Kreuzlingen.

Bei der Stadtentwicklungsplanung konnten die Analysen abgeschlossen werden. Im Bereich Wirtschaftsförderung seien die Rahmenbedingungen weiterhin schwierig, immerhin konnte fünf Firmen eine Expansion ermöglicht und 2013 ein Unternehmen mit 40 Arbeitsplätzen neu angesiedelt werden. Dem Leerstand in der Stadt solle künftig mit einem Konzept begegnet werden. «Was uns möglich ist, das machen wir», sagte er.

Projektleiter für Stadthaus & Co.
Als «Schlüsselprojekt» gilt für Netzle der Neubau von Stadthaus und Tiefgarage mit Gestaltung der Festwiese. «Als Projektleiter ist das meine Verantwortung.» Die Schaffung eines attraktiven Stadtzentrums hat er sich ebenso auf die Fahnen geschrieben, wie die Förderung von günstigem Wohnraum. Hier soll das Pilotprojekt einer Wohnbaugenossenschaft unterstützt werden.

Das gesteckte Ziel «Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen» ist für einen Stadtammann eigentlich selbstverständlich. «Wir können nur hoffen, dass wir durch die Euro-Schwäche nicht noch mehr Probleme bekommen», sieht Netzle nur einen gewissen Handlungsspielraum. Dem Grossteil der Wirtschaft gehe es aber «verhältnismässig gut».

Bemerkenswert ist, dass ihn die «Freude an der Arbeit» zum Weitermachen bewegt. Zudem gibt er den Zustand und die positive Entwicklung der Stadt sowie den Kontakt mit allen Einwohnern als Motivationsgründe an, «in diesem spannenden Amt» weiter arbeiten zu wollen.

Soziales ist ihre Berufung
Für Barbara Kern scheint das Departement Soziales wie geschaffen, auch wenn sie sich zunächst im Dschungel von Vorschriften und Paragrafen zurechtfinden musste: «Ich habe noch nie so viel gearbeitet, wie in den letzten vier Jahren», sagte sie kürzlich beim SP-Neujahrsapéro.
Über ihre Bilanz haben wir bereits mehrfach berichtet, deshalb soll an dieser Stelle nur von ihren Zielen die Rede sein. So möchte sie den Jobcoach weiterführen, eine Evaluation der bisherigen Tätigkeit steht noch aus. Kern plant eine zentrale Anlaufstelle für die Sozialberatung, zur Entlastung der Sozialhilfe. Ferner sei einer drohenden Sozialhilfebedürftigkeit präventiv zu begegnen. Zudem ist ihr die soziale Integration von Sozialhilfebedürftigen 55plus in den zweiten Arbeitsmarkt wichtig.

Das Beschäftigungsprogramm für Sozialhilfebedürftige feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen und soll weitergeführt werden. «Die frühzeitige Beratung und sinnvollen Hilfestellungen sind meine Motivation für die zweite Amtszeit», so Barbara Kern.

Nicht nur Freizeit
Immer wieder ein wenig belächelt für ihr «Feierabendressort» wird Stadträtin Dorena Raggenbass, dabei hat es das Departement Freizeit durchaus in sich. Nebst Sport und Kultur, also eher leichten urbanen Faktoren, gehören auch die rund 50 städtischen Liegenschaften und vor allem die Integration dazu.

Auch Raggenbass – übrigens als einzige des Quartetts in Kreuzlingen geboren und aufgewachsen – konnte in den vergangenen vier Jahren einiges erreichen, wie etwa die Sanierung und neue Betriebsstruktur im Schwimmbad Hörnli, der Ausbau aller Sportanlagen, der Neubau des Jugendhauses und Aufbau der regionalen Jugendarbeit oder die Gründung des Vereins Kultursee.

Sehr am Herzen liege ihr die Integration ausländischer Einwohner. Hier konnte mit Nachbargemeinden ein regionales Kompetenzzentrum aufgebaut werden. Für die 58-Jährige sind «erreichte Ziele und laufende Projekte Ansporn und Motivation, in diesem spannenden Amt weiter zu arbeiten». Sie hat noch viel vor, beispielsweise das Kulturkonzept umsetzen, familienergänzende Angebote mit der Schule schaffen oder Sportanlagen mit der Stadtplanung weiterentwickeln.

Gekommen um zu bleiben
Bau-Stadtrat Ernst Zülle wollte sich nicht mit fremden Federn seines Vorgängers Michael Dörflinger schmücken und äusserte sich deshalb nicht zu Erreichtem. Dafür gab er einen tiefen Einblick in pendente Geschäfte wie Gestaltungspläne oder die Entwicklung von Klein Venedig (siehe Seite 5).

Als erstes Projekt des Aggloprogramms werde bald die Umgestaltung und Sanierung der Romanshornerstrasse in Angriff genommen. Trotz Einsprachen wolle man das neue Verkehrsregime auf dem Boulevard versuchsweise für zwölf Monate einführen, dazu soll es Zählungen und Messungen geben. Und für das Hochhauskonzept werden die vielen, teilweise durchaus qualifizierten und konstruktiven Vernehmlassungsantworten aufgearbeitet.

Die Wohnqualität in Kreuzlingen im Spannungsfeld mit der erforderlichen Nachverdichtung zu erhalten und zu verbessern ist eines der Hauptziele Zülles, der seit zwei Monaten im Amt ist. «Es macht mir mehr Freude, als gedacht», zeigt er sich voll motiviert.

Eigener Wahlkampf
Obwohl das Quartett als Team auftritt, können und werden sie zum Teil auch einen eigenen Wahlkampf bestreiten. Dies kündigte zumindest bereits Barbara Kern an. Dorena Raggenbass verwies auf ihr Wahlkomittee von 130 bis 140 Personen, die ihr seit Jahren treu zur Seite stehen. Und Ernst Zülle wird ja schliesslich mindestens von seiner Partei unterstützt.

Ziemlich alleine steht bis dato der Stadtammann da. Alle Kreuzlinger Parteien versagen Andreas Netzle mehr oder weniger den Rückhalt (siehe Seite 7). Seine Parteiunabhängigkeit möchte er aber trotzdem nicht aufgeben.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.