/// Rubrik: Stadtleben

Neue Insel wirft Fragen auf

Kreuzlingen – Ein Kanal durchzieht Klein Venedig, aus dem Gelände zwischen Kreuzlingen und Konstanz wird eine Insel. So sehen es zumindest Pläne vor, die von beiden Städten aktiv bearbeitet werden. Aus Kreisen des Kreuzlinger Sports gibt es allerdings bereits kritische Fragen.

Der Kanal macht Klein Venedig zur Insel. (Bild: zvg)

Der Kanal macht Klein Venedig zur Insel. (Bild: zvg)

Die Idee ist Herzstück des Entwurfs von David Vogel, der 2013 den Europan Architektur- und Städtebauwettbewerb für die Neuentwicklung von Klein Venedig gewonnen hatte. Ein Kanal – laut Bauverwalter Heinz Theus aus Kreuzlingen etwa 15 bis 25 Meter breit – durchzieht das Gelände zwischen den beiden Häfen (siehe Grafik). Die landseitige Kanalwand soll exakt den ursprünglichen Verlauf des Bodensees nachbilden. Auf der Insel ist ein Park vorgesehen, auf Kreuzlinger Seite entlang des Ufers Gebäude für Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnen.

Viele Betroffene
Wie die Grafik deutlich zeigt, wäre die Bodensee-Arena durch den Kanal nicht betroffen, sehr wohl aber deren Ausseneisfeld, die Tennishalle und ein Teil der Fussballplätze. Da die Planer sich einen Zeithorizont bis 2024 gesteckt haben, sei das Theus zufolge aber kein Problem: «Weil der Baurechtsvertrag in dem Jahr ausläuft, muss die Tennishalle dann ohnehin weichen.» Bodensee-Arena, das Gelände ringsum und damit auch die Fussballplätze gehören der Stadt, ein Ende der Nutzung wäre recht schnell besiegelt.

Während der Präsident des FC Kreuzlingen, Daniel Geisselhardt, das Vorhaben mit gemischten Gefühlen sieht und sich mit Kritik an der Stadt zurückhält, stellt sich Tennishallen-Mitinhaber Bernhard Hochstrasser nun aber die Frage, wie es für ihn in Kreuzlingen weiter geht: «Seit Jahren werden wir von der Stadt hingehalten.» Am 2. Februar habe er ein Gespräch mit Stadtammann Andreas Netzle und Bau-Stadtrat Ernst Zülle, in dem es um die Zukunft des Tennissports mit Olympiastützpunkt in Kreuzlingen gehe.

Tägerwilen statt Kreuzlingen
Eine mögliche Zukunft sieht Hochstrasser mit dem Neubau einer grösseren Tennishalle im Zelgliareal beim Schimmbad Hörnli. Sollte es in den nächsten zwei bis drei Jahren zu keiner Einigung mit Kreuzlingen kommen, habe er aber eine Alternative: «Tägerwilen nimmt uns mit Handkuss», so Hochstrasser.

Der Geschäftsführer der Bodensee-Arena, Marcel Wick, sieht die Pläne für Klein Venedig ebenfalls kritisch, auch wenn er «Wasser liebt und der Kanal optisch eine Bereicherung wäre», wie er in einer E-Mail an die Kreuzlinger Bauverwaltung schreibt. Sollte die Bodensee-Arena auf der Insel bleiben, sei die Zufahrt ein Problem: «Sollen TV-Sattelschlepper auf die Insel fahren?»

Parkplätze sind wichtig
Für ihn ist angesichts der umfassenden Neuplanung des Geländes auf Schweizer Seite die Zukunft des Eishockeynachwuches, aber auch der Fussballer fraglich: «Gibt es eine neue Hockeyhalle, wo liegen die neuen Fussballplätze?» Da müsse im Vorfeld ein «super Projekt» auf den Tisch.

Geisselhardt ist sich mit Wick einig, dass auf jeden Fall genügend Parkplätze für die Sportler und Fans zur Verfügung stehen müssen. «Das geplante Parkhaus ist ein guter Ansatz», so Wick. «Vielleicht sollte man die Kapazitäten sogar verdoppeln.» Hier scheint mittlerweile ein Betreiber gefunden: «Wir sind in den Verhandlungen schon weit», sagt Bau-Stadtrat Ernst Zülle.

Stadtrats-Kandidat und NET-Schulleiter Mirko Spada geht das Vorhaben insgesamt zu weit. Der Sport habe auf dem Gelände andere Pläne, «der Stadtrat macht uns wieder einen Strich durch die Rechnung». Seit Jahren versuche er mit Partnern des Kreuzlinger Sports, auf Klein Venedig in Bewegung zu investieren. So könnte zum Beispiel die Tennishalle in ein Athletikzentrum umfunktioniert werden.

«Doch wir müssen warten, weil andere Projekte der Stadt Vorrang haben», kritisiert Spada. Er versteht sich als Vertreter und Anwalt des Kreuzlinger Sports und möchte dessen Anliegen auch in der Kreuzlinger Exekutive mehr als bisher Gehör verschaffen. Gemeinsam mit dem Kreuzlinger Sportnetz hat der 46-Jährige zu diesem Thema eine Wahlkampf-Veranstaltung am 16. Februar in der Bodensee-Arena angestossen. Eingeladen sind nun alle Stadtrats-Kandidaten.

So geht es weiter
Gemäss Bauverwalter Theus sei 2014 abgeklärt worden, dass es keine rechtlichen Bedenken gegen einen Kanal gebe. «In diesem Jahr geht es um die technische Seite.» Ziel sei es, die ungefähren Kosten für das «aufwändige Vorhaben» zu ermitteln. Neben den Spundwänden müssten dabei besonders die Kosten für die Entsorgung des möglicherweise kontaminierten Aushubmaterials berücksichigt werden, schliesslich wurde das Gelände zwischen 1900 und 1972 mit Müll und Bauschutt aufgeschüttet. «Bei Kosten von zum Beispiel sieben Millionen Franken wäre es interessant, Kreuzlingen und Konstanz könnten sich diese teilen», so Theus weiter. Eine hohe zweistellige Millionenzahl wäre dem Kreuzlinger Souverän dagegen schwer vermittelbar, ist er überzeugt.

Erst wenn sich die konkrete Machbarkeit ergeben würde, wäre für Theus der Zeitpunkt gekommen, Betroffene zu Beteiligten zu machen. Diese pochen aber bereits jetzt auf ein umfassendes Mitspracherecht und wollen vor allem eines, Planungssicherheit.     Thomas Martens

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One thought on “Neue Insel wirft Fragen auf

  1. Bruno Neidhart

    Die „endgültige Standortfrage“ verschiedener Kreuzlinger Sporteinrichtungen, besonders für Fussball und Tennis, aber auch „Eissport“, usw., steht einer Gesamtplanung auf Klein Venedig deutlich im Weg. Nun scheint ein „Kanal“ – als Reizwort – etwas Bewegung in die Sache zu bringen. Und das ist gut so. In diesem seeanliegenden Gebiet wurde bis anhin nur „gekleckert“, auf Deutscher, wie auf Schweizer Seite. Kreuzlingen kann sich immerhin „rühmen“, etwas „aufgeräumter“ daher zu kommen, derweil Konstanz so seine liebe Mühe hat, das Gelände sinnvoller anzulegen. Für ein „Oktoberfest“ reicht es gerade noch, das Aquarium ist eine „architektonische Katastrophe“, wie ebenso der biedere kleine ufernahe „Grillplatz“ ein seltsames Unikum an dieser Örtlichkeit darstellt. Und gegen ein „Konzerthaus/Kongresshaus“ wütete hier ein „Sturm“ (Warum eigentlich?). Dabei sind die Chancen, das dieses Gelände für beide Städte bietet, enorm. Allein eine attraktive, befestigte, „urbane Seepromenade“, die sich vom inneren Kreuzlinger Schifffahrtshafenbecken über die offene Seefront zur „Aquariumsgegend“, und dort sich an der bestehenden Hafenmole als angehängte „Promenade auf Planken“ weiter ziehen könnte – bis hin zum Konstanzer Hafeneinfahrtstürmchen (!), ergäbe hier einen neuen, fantastischen Bezug beider Städte zum See, zur Bucht, zum offenen Wasser, bis zu den Bergen im Osten/Südosten der Bodenseelandschaft. Für Kreuzlingen bietet sich hier die letzte Chance, sich als „komplette Seestadt“ zu präsentieren, ausgezeichnet durch eine attraktive Infrastruktur, angegliedert an die erwähnte „Seepromenade“. Was dies dann bedeuten könnte: Daran ist zu arbeiten! Nur „Spitzenkräfte“ aus der oberen Etage des urbanen Denkens und Planens könnten hier eine Zukunft einläuten, die auch Kreuzlingen markant zu einer Bodenseeadresse beflügeln würde – stets auch im Zusammenklang mit Konstanz!). Und so hätte man schliesslich, was besonders Kreuzlingen betrifft, im Osten der Stadt den sportlichen Bezug, sowohl am See (Segelhafen, Bootssportler aller Art, Taucher, Fischer, usw.), wie auch im anschliessenden Gelände (Tennis, Schwimmbecken, Boccia, Fussball, „Hund“, usw., sogar nah gelegener Bahnhaltepunkt). Im mittleren Siedlungssektor „die grüne – spazier/flanier – Zone Seeburgpark, alt/neu“ (um das Schloss herum aufzuwerten als veritabler – bildungsfördernder – „Botanischer Garten am See!“), das Seemuseum, Grün-Freiflächen, Biotope, Tierpark , Kinder-Grossspielplatz, Minigolf, usw. (bald mit direktem Hafenbahnhof Zu-/Abgang). Und im anschliessenden Gebiet Schifffahrtshafen-/Klein Venedig die neu bebaute Zone mit einer Infrastruktur, die hier an eine moderne Stadt am See zu erinnern hätte. Dabei wäre es zu wünschen, dass zur und aus der Mitte der inneren Stadt, dem „Boulevard“, beginnend am Helvetiaplatz und endend am Hafen, über die Geleise hinweg, ein attraktiver „Höhenweg“ für Fussgänger und Radfahrer führen würde, wie er bereits in Entwürfen aufscheint. Es bleibt viel zu tun! Die Ideen sind frei. An „Tägerwilen“ zu erinnern, wie man gelegentlich im geschilderten Zusammenhang – nicht nur! – lesen kann, ist die einfachste Variante städtischen Denkens. Dies gälte dann, wenn Kreuzlingen mit Tägerwilen (und Bottighofen!) zusammen „eine Stadt“ bilden würde (28-30’000 Einwohner, mit zunehmender Tendenz). Ich wäre übrigens dafür! Zumindest im baulich „nahtlosen Osten“ ist das ja bereits der Fall. Und der „Westen“ zieht sichtbar nach (Oh jeh – was schreibe ich da alles an einem normalen Freitagnachmittag…..!).

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