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Baumsterben im Tägermoos

Tägermoos – In Stellungnahmen bedauern Naturschutzverbände die harte Haltung der Stadt Konstanz. Diese sieht einen Stopp der Fällarbeiten nicht in Sicht. Für heute um 17 Uhr ist eine Demonstration angekündigt.

So schön war der Wanderweg vor der Fällaktion. (Bild klz)

So schön war der Wanderweg vor der Fällaktion. (Bild klz)

Für die Stadt Konstanz ist klar: Die Baumriesen müssen weg. Dieses Jahr sollen 55 fallen, der Rest der 116 Pappeln (bis auf fünf) im nächsten Jahr. Seit Dienstag lärmen die Motorsägen. Bei den sogenannten Hybridpappeln handelt sich um Exoten, die zwar einen ästhetischen, aber keinen ökologischen Wert haben. Die über 70 Jahre alten Bäume sind altersbedingt eine Sicherheitsgefährung, sagt das kantonale Amt für Raumentwicklung. Darum erteilte es den Konstanzern auch die Bewilligung zum Abholzen. Mit einer Auflage: Als Ersatz muss die einheimische Schwarz-Pappel gepflanzt werden. Auch die Gemeinde Tägerwilen gab ihre Einwilligung. «Denn es wird ja wieder aufgeforstet», heisst es aus dem Gemeindehaus ganz unaufgeregt.

Verschiedene Konstanzer Bürger haben aber keine Lust, 70 Jahre lang zu warten, bis Ersatz in ihrem geliebten Naherholungsgebiet gewachsen ist. Sie protestierten vor Ort und im Internet, fordern den sofortigen Stopp der Arbeiten. Eine Petition unterschrieben bis Redaktionsschluss über 800 Menschen, darunter auch viele Tägerwiler und Kreuzlinger. Eine Bürgerbewegung schaltete den Anwalt ein. Per Eilantrag versuchte die Konstanzer Gemeinderatsfraktion der  Freien Grüne Liste, den «Kahlschlag» zu stoppen. Die Kritiker beurteilen das Vorgehen der Stadtverwaltung als «empörend undemokratisch» und wollen es nicht hinnehmen.

Geht es nur ums Geld?
Denn es ginge auch anders, sagen Experten. Die grossen, mächtigen Bäume seien zwar in einem Alter, in dem sie Schwierigkeiten machen. Aber weg müssten sie deswegen nicht unbedingt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, müssten sie allerdings aufwändig gepflegt werden. Einen möglichen Grund für’s radikale Holzfällertum sehen die Kritiker in den Kosten. Diese steigen überproportional mit dem Alter.

Jost Rüegg vom WWF kritisiert das «rücksichtslose Vorgehen» der Konstanzer Stadtverwaltung. Ihm wäre es lieber, ersetzte man die Bäume nach und nach. Das würde auch das Landschaftsbild nicht so verschandeln. «Alles andere ist nur eine faule Ausrede», ist der Naturschützer überzeugt. Aber auch das wäre teuer.

So lautet das offiziell Statement des WWF:

Der sukzessive Austausch der Hybridpappeln hat in zweckmässigen und schonungsvollen Schritten zu erfolgen, damit das Landschaftsbild am Seerhein und entlang des beliebten Spazierweges nicht so abrupt zerstört wird. Dem Sicherheitsaspekt ist soweit Rechnung zu tragen, wie das in solchen Situationen immer zu tun ist. Ein regelmässiger Pflegeschnitt stellt sicher, dass keiner der Bäume zu einer Gefahr für FussgängerInnen und FahrradfahrerInnen wird. Das Kostenargument darf nicht im Vordergrund stehen. Eine über Jahre vorgenommen Anpassung verteilt die Kosten ebenfalls über Jahre, was einem öffentlichen Haushalt nur dienlich sein kann.  Das aktuelle Vorgehen ist eine «Hauruck-Übung», die der Situation in keiner Weise gerecht wird. Wir unterstützen den Protest der Konstanzer Bürgerbewegung.

In den Augen der Behörden und der Konstanzer Stadtverwaltung lief alles korrekt und nach Vorschrift ab. Per Gutachten wurden die Pappeln zum Sicherheitsrisiko erklärt, und daran können auch Proteste nichts ändern. Die Notwendigkeit zur Fällung sei weiterhin gegeben heisst es aus dem Konstanzer Rathaus.

Hier finden Sie die Stellungnahme des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz).

Die Bürgerinitiative hat eine Seite eingerichtet mit Fotos und Fakten.

 

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