/// Rubrik: Leserbriefe

Atommüll und die Moral

Leserbrief – Der Ansatz, jedes Land vergräbt seinen für tausende von Jahren strahlenden Atommüll innerhalb seiner Landesgrenzen mag zurzeit und moralisch gut sein. Ist das in die Zukunft gesehen aber verantwortungsbewusst und klug? (Jost Rüegg, Kantonsrat, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

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Was bedeutet es denn, wenn unsere Nachkommen, sofern es solche dann noch gibt, während hunderten bis tausenden von Jahren vielleicht hundert verschiedene Standorte, wild verstreut auf unserem Planeten, mit völlig unterschiedlichen, geologischen Verhältnissen und Überwachungssystemen, mit der tödlich strahlenden Altlast umgehen müssen? Auf jedem Kontinent maximal ein international überwachter Standort mit höchsten Ansprüchen an Geologie oder sonstiger Abschirmung, möglichst weit weg von bewohnten Gebieten, müsste doch genügen und birgt auch die geringste Gefahr für unsere Nachkommen. Ein solcher Standort liegt dann wohl kaum in der kleinräumigen, dichtbesiedelten Schweiz, die den Atomausstieg aus gutem Grund bereits zu Beginn des zweiten Jahrtausends beschlossen hat. Spätestens dann, wenn gemäss Bundesrat und NAGRA das Schweizer Volk im Jahre 2029 definitiv über ein «Endlager» in der Schweiz abstimmen kann und dies dann ablehnt, wird es zu einer oben erwähnten «Lösung» kommen müssen, die auch dann keine endgültige ist. Immerhin steht auch die noch völlig in den Kinderschuhen steckende, «nukleare Transmutation» im Raum, das heisst die Umwandlung des strahlenden Atommülls in kurzlebigere oder weniger toxische Stoffe. Wie man weiss, ist der Grad der Schädigung an Populationen oder einzelnen Organismen durch nukleare Strahlung abhängig von Dosierung, Menge und Zeit. Diese drei Komponenten sind auch beim Atommüll so tief wie nur möglich zu halten. Der rasche Atomausstieg ist ein erster, unverzichtbarer Schritt dazu.

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One thought on “Atommüll und die Moral

  1. Bruno Neidhart

    Das Wort „Atom“ war landläufig ein Synonym von „kleiner als klein“. Die Euphorie zum Bau von Kernkraftwerken kannte – auch in der Schweiz – keine Grenzen. Und sie hält an, ob wohl man ab Tschernobyl das „Grenzenlose“ ad acta legen konnte. In der Zwischenzeit häufte sich das „Kleiner als klein“ derart an, dass bereits Millionen von Tonnen nukleares Abfallmaterial in allen Weltgegenden zu verstecken sind. Es glüht allerdings für undefinierte Generationen weiter. Über die Gefahr dieses „Versteckspiels“ ist sich die höchste Spitze der Wissenschaft nicht einig. Einigkeit besteht höchsten darin, dass man ohne diesen Abfall ungetrübter leben könnte. „Zur Strafe“ gehört dieser Müll eigentlich in die Mitte eines Landes verbuddelt. In der Schweiz wäre das so ziemlich der Granitstock „Wellenberg“. Aber wer möchte sich noch länger mit Innerschweizern anlegen? Das Ganze scheint politisch in „Grenznähe“ besser zu funktionieren. Und so sind wir denn wieder in einer „Grenz-Situation“. Es hört nicht auf. Dass sich die Schweiz, wie Jost Rüegg meint, damit befassen sollte, ihren Müll ins Ausland zu verfrachten, ist ein schlechter Treppenwitz. Er könnte übrigens nur gelingen, wenn man mit einem der letzten Diktatoren einig wird. Da hat man handelsmässig durchaus eine gewisse Erfahrung. „Geld glüht nicht“, wäre hier die Devise!

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