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«Seit zwei Jahren wird intrigiert»

Salenstein – Der KreuzlingerZeitung liegen Beweise vor, dass eine Gruppe aus Salenstein seit fast zwei Jahren versucht, Gemeindeammann Roland Streit aus dem Amt zu drängen. Meldeläufer der Unzufriedenen war Roland Nothhelfer.

Roland Streit am Podium. (Bild: sb)

Roland Streit am Podium. Unten: Roland Nothhelfer. (Bilder: sb)

Der Wahlkampf in Salenstein ist zur fürchterlichen Schlammschlacht ausgeartet. Schon die Stimmung an der Podiumsveranstaltung vom Freitag vor einer Woche war zum Zerreissen angespannt. Mittlerweile heizte ein Flugblatt mit kritischen und persönlichen Fragen zu den von der Findungskommission (FiKo) portierten KandidatInnen die Stimmung im Dorf erneut an.

Für den Gemeindeammann Roland Streit sind die im Flugblatt erhobenen Vorwürfe nachvollziehbar. Und er enthüllt, dass Roland Nothhelfer – der sich aktuell damit brüstet, Ruhe in den Gemeinderat bringen zu wollen – den Aufruhr in Salenstein selbst gestartet hat.

Podium_Salenstein_NothelferGesetz vs. Gefälligkeiten?
«Ich werde seit fast zwei Jahren mit Dreck beworfen», sagt der amtierende Gemeindeammann, «irgendwann reicht es.» Die Gemeinderäte Ewa Zwick und Hansjörg Hauser bestätigen seine Aussagen. Roland Streit sei Opfer einer Hetzkampagne. «Mit meiner politisch geradlinigen Art bin ich gewissen Leuten zu stark auf die Füsse getreten. Weil ich Gesetze konsequent befolge und keinerlei Vetternwirtschaft dulde, versuchen sie seitdem, mich aus dem Amt zu drängen.»
Als Meldeläufer bezeichnet Streit seinen Vize-Gemeindeammann. «Roland Nothhelfer sprach immer im Namen von Anderen.»

Kampfansage per E-Mail
Die KreuzlingerZeitung hat Einsicht in brisanten Mailverkehr. Bereits im Mai 2013 schrieb Roland Nothhelfer im Namen von Jürg Singer, Sven Singer, Kurt Gilg, René Furter, Markus Irsslinger, H. P. Neuweiler, Alfred Rihs, Lorenz Stopper, Kurt Meier und anderen. Diese Unzufriedenen forderten lauft Nothhelfer einen Marschhalt bei Projekten wie dem Alterskonzept oder dem Blockheizkraftwerk. Dorn im Auge waren ihnen 30er-Zonen und Parkplatzbewirtschaftung und vor allem: Bauliches. Sie sahen in Streit vor allem einen Verhinderer im baulichen Bereich. Dass die Gemeinde das Haus Gremlich kaufte und so einem bekannten Salensteiner Immobilienkönig vor der Nase wegschnappte, habe «das Fass zum Überlaufen gebracht», so der Text der E-Mail.

Die Kriegserklärung der Gruppe  gipfelte in der Forderung, Streit solle sich öffentlich entschuldigen oder zurücktreten. «Ansonsten werde er an der nächsten Wahl 2015 nicht mehr gewählt! Sämtliche Projekte würden dann in den nächsten zwei Jahren boykottiert (verhindert)», so der Droh-Brief im Namen von Leuten, die heute kandidieren.

Aber Streit ging nicht. «Bei einem Fussballspiel verlasse ich den Platz auch nicht, bloss weil der Gegner unfair spielt oder sogar den Schiedsrichter bestochen hat», sagt er. Die Zustände im Dorf nennt er einen «Filz». Roland Nothhelfer sei ein «selbstherrlicher Dorfkönig». Während den langen Jahren, in denen Nothhelfer Vize-Gemeindeammann war, habe es öfter Deals zwischen Tür und Angel gegeben. «Ihm fällt es schwer, zwischen seinem Hut als Privatmann und dem als Gemeinderat zu unterscheiden», urteilt Streit. Wem er wohlgesonnen war, habe Nothhelfer gerne Gefallen getan und auch mal Augen zugedrückt.

Streit indessen habe vor vier Jahren einen «Saftladen» übernommen. Nicht mal ein funktionierendes Archiv habe die Gemeindeverwaltung gehabt. «Überall im Dorf stehen Schilder ohne Bewilligung, wer die Beziehungen hatte, bekam ein passendes hingestellt», berichtet Streit über Nothhelfers Willkür-Herrschaft.

Er selbst hingegen habe von Beginn seiner Amtszeit an angestrebt, Projekte aufzugleisen, eine gute Arbeit zu machen und vor dem Gesetz alle gleich zu behandeln – egal ob arm oder reich. Und diese Linie will er auch trotz hartem Gegenwind weiter durchziehen. «Was passiert, wenn man frischen Wind in eine Vetternwirtschaft bringt, muss ich gerade am eigenen Leib erfahren», sagt Streit.

Vize-Gemeindeammann Roland Nothhelfer streitet die Vorwürfe ab.

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4 thoughts on “«Seit zwei Jahren wird intrigiert»

  1. Efrem von der Crone

    Danke Stefan Böker, danke das Sie unsere Schlammschlacht hier im Dorf noch etwas anheizen. Dieses ominösen Flugblatt mit diesen kritischen Fragen, wie Sie das nennen erachten ich eher als peinlich schon fast beleidigenden. Wo bitte ist in ihrem Artikel erwähnt das diese Findungskommission seit mehreren Jahren in fast der gleichen Konstellation tätig ist? Wo bitte ist erwähnt das Herr Streit und Frau Zwick sich kurzfristig von dieser Podiumsdiskussion abgemeldet haben und sich nicht einem fairen offenen politischen Streitgespräch stellen wollte? Glauben Sie das es Frau Sommeruga Spaß macht mit Junker zu diskutieren? Weshalb erwähnen Sie nicht das Herr Streit auf dem gezeigten Bild nur von hinten aus der Menge etwas dazwischen rufend einbringen wollte, jedoch auf wiederholte Aufforderungen des Moderators sich nicht dem verbalen politischen Zweikampf stellen wollte ?
    Danke Stefan Böker für die neutrale sachliche Berichterstattung
    Efrem von der Crone , Fruthwilen

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    1. Köbi

      Hallo Herr von der Crone
      Seit gut 50 Jahren wohne ich in Salenstein, bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen usw. Aus erster Hand kann ich Ihnen sagen, dass die Fiko nichts mit dem ehemaligen überparteilichen Gremium zu tun hat. Auch wenn gewisse Mitglieder beider Gruppen identisch sind. Es ist mir nicht bekannt, dass die politischen Parteien im Dorf dieses Gremium legitimiert haben, bis auf die Gruppierung Chance für alle. Es ist das gute Recht dieser Gruppe, politisch in Erscheinung zu treten. Über dem Stil lässt sich bekantlich immer streiten. Dass Frau Zwick und Herr Streit dem Podium fern bleiben, ist ihr gutes Recht. Es treten schliesslich auch nicht alle eingeladenen auf der Albisgüetlitagung auf. Dieser persönliche Entscheid ist zu respektieren, auch wenn Ihnen das nicht gefällt. Die Veranstaltung fand klar nicht in einem interparteilichen Kontext statt und wurde weder von der SVP, der FDP noch der SP oder CVP unterstützt. Genau diesen überparteilichen Rahmen braucht es jedoch für ein wertfreies, neutrales Podium. Auch die Moderation war alles andere als glücklich gewählt. Es reicht nicht, Herrn Streit zum Ende der Veranstaltung in die Schranken zu weisen. Hier hätte ein funiderter Kenner der Lokalpolitik mehr gebracht als ein Student der Politikwissenschaft.
      Peinlich Herr von der Crone finde ich, dass Herr Nothhelfer bis heute keine fundierten Aussagen über seine Politik machen kann. Peinlich finde ich, dass man Vetterliwirtschaft mit einem Spruch abtut „Salenstein ist eine Gemeinde wie jede andere“. Ob die Vorwürde der Vetterliwirtschaft wahr sind oder nicht, spielt keine Rolle. Ein Kandidat, der sich gegen solche Vorwürfe nicht zu Wehr setzt ist mehr als unglaubwürdig.
      Es ist verständlich, dass Sie die Gruppe Chance für alle unterstützen, sitzen Sie doch mit einer Kandidatin im Vorstand des Jugentreffs. Ihr Uteil kann also kaum neutral und wertfrei sein. Der Artikel von Herr Böker ist fundiert, neutral und lässt allen Seiten gleich viel Raum zur Stellungnahme. Was die Herren damit Anfang ist ein ganz anderes Kapitel. Und genau hier lese ich wie auch im Interview im Bote von Herrn Nothhelfer nur Wischiwaschi-Antworten. Und zum Stil und Ton des Wahlkampfs … da hat die Gruppe Chance für alle bereits vor zwei Jahren die Mittel gewählt und bleibt sich seither treu.
      Das ist nicht mein Salenstein, ich bin für Veränderung, ohne Urgesteine Jahrzehnte alte Altlasten.

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  2. Stefan Böker Beitragsautor

    Lieber Herr von der Crone, die von Ihnen genannten Tatsachen sind alle entweder im Bericht übers Podium, der Nachricht über das Flugblatt oder dem Artikel anlässlich der Nominationsbekanntgabe der FiKo veröffentlicht. Alle online zu finden entweder hier oder in der entsprechenden Printausgabe, die jeweils als pdf zum Durchblättern bereit steht.

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  3. Andreas Jetzer

    Der Wahl(k)rampf schadet insbesondere dem Ruf der Gemeinde. Das anonyme „OK“ Flugblatt kann sich auch als „KO“ Blatt für die Gruppe der Verfasser
    entpuppen. Inhaltlich beruhend auf Behauptungen, Unterstellungen und Verunglimpflichungen….ist dies die neue Politkultur ? Und wie steht der
    Gemeindeammann zu diesem Pamplet…?..eine Distanzierung konnte ich bis dato nicht warnehmen..und wer sich auf dieses Niveau einlässt, darf schlichtweg nicht mehr gewählt werden.

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