/// Rubrik: Stadtleben

Sportler äussern Sorgen und Nöte

Kreuzlingen – Im Wahlkampf der Kandidaten zum Stadtrat und Schulpräsidium in Kreuzlingen verschafften sich die Sportvereine Gehör. Am Montag lud das Sportnetz zum Hearing in der Bodensee-Arena – und fast alle Kandidaten kamen.

Peter Porubcan (Bodensee Devils, li.) spricht an der von Reto Oberhänsli moderierten Sportnetz-Veranstaltung. (Bild: Thomas Martens)

Peter Porubcan (Bodensee Devils, li.) spricht an der von Reto Oberhänsli moderierten Sportnetz-Veranstaltung. (Bild: Thomas Martens)

Lediglich die Bewerber Chris Faschon (Stadtrat, krank) und Silvano Castioni (Schulpräsident, Ferien) musste Sportnetz-Präsident Reto Oberhänsli entschuldigen. Der starke Mann des Kreuzlinger Sports wies zu Beginn zunächst einmal auf die Bedeutung dieses Bereiches hin: «Wir vertreten 4000 Sportler in der Region.» Deshalb werde die Regionalität 2015 in den Fokus gerückt. An der Generalversammlung am 4. März soll darüber diskutiert werden, ob sich die Organisation in «Sportnetz Region Kreuzlingen» umbenennen soll.

Fehlende Parkplätze
Die amtierenden Stadträte mussten sich über weite Strecken der Veranstaltung Kritik der Sportvereine anhören. Nach einem Lob für die «gute Zusammenarbeit» mit dem Departement Freizeit zeigte sich Daniel Geisselhardt (FC Kreuzlingen) «nicht restlos glücklich». Hauptanliegen seien die Parkplatznot im Hafenfeld und die Hängepartie bei den Fussballplätzen: «Wir arbeiten in Provisorien.»

Ins selbe Horn stiessen Andreas Staub (EHC Kreuzlingen-Konstanz) und Bernhard Hochstrasser (Tennishalle). Beide bemängelten die fehlenden Parkplätze, vor allem an Wochenenden. Staub kritisierte aber auch, dass der Eishockey-Club mit einer boomenden Nachwuchsabteilung aufgrund der vielen Events «viel zu wenig Eiszeiten» in der Bodensee-Arena bekomme. «In der vorletzten Saison hatten wir gar kein Eis und im letzten Jahr nur ein paar Wochen.» Den Bodensee-Devils, die ebenfalls Nachwuchsarbeit im Eishockey betreiben, geht es ähnlich. Sportchef Peter Porubcan berichtete, dass der Verein nur einmal pro Woche aufs Eis könne.

Konstruktive Vorschläge
Dazu machten sich Andreas Staub und Stadtrats-Kandidat Thomas Beringer eigene Gedanken. Während Staub am Beispiel des Zürcher Hallenstadions darauf hinwies, dass durch bauliche Änderungen Events auch ohne Eisabtauen möglich seien, dachte Beringer darüber nach, das Ausseneisfeld einzuhausen. Damit sei Eis auch bei höheren Temperaturen möglich. Und auf dem Parkplatz könnte er sich spezielle Zonen für Vereine vorstellen, die von diesen selbst bewirtschaftet werden. Arena-Geschäftsführer Marcel Wick plädierte für eine reine Eventhalle und sieht eine multifunktionale Sporthalle andernorts in Kreuzlingen.

Vom Stadtrat ergriff als Erster Bauchef Ernst Zülle das Wort. Demnach stünden Kreuzlingen und Konstanz kurz vor einer Abmachung: Wenn Kreuzlingen dafür sorge, dass das grenzüberschreitende Areal Klein Venedig aufgewertet werde, wolle sich Konstanz für Kreuzlinger Fussballplätze auf dem Döbeli einsetzen. Konstanz hat hier Grundbesitz auf Schweizer Gebiet. Es werde gerade auch eine Bestandsaufnahme gemacht, welche Sportvereine welche Bedürfnisse haben. Damit reagierte Zülle auf Vorwürfe, die Stadt habe kein Konzept.

Im Richtplan steht’s
Stadtammann Andreas Netzle erinnerte an den städtischen Richtplan, der bereits wesentliche Ideen beinhalte. «Wer schaut schon in den Richtplan?», warf Stadtrats-Kandidat Mirko Spada ein und forderte – wie andere Vereinsvertreter auch – eine bessere Kommunikation mit der Stadt. Hierzu nahm Netzle das Sportnetz in die Pflicht: «Es sollte als Transformator dienen und die Anliegen an uns herantragen.»

Oberste Priorität in Sachen Fussballplätze habe für die Stadt das Döbeli und erst im zweiten Schritt das Gebiet Seezelg beim Schwimmbad Hörnli. Hier sei auch bereits eine neue Tennishalle angedacht: «Wir können aber nicht alles im Seezelg bauen, sondern müssen Prioritäten setzen», sagte Netzle. Zudem habe die Stadt neben dem Sport auch viele andere Interessen gegeneinander abzuwägen.

«Blutegel» sollen helfen
Stadtrats-Kandidat Fabian Neuweiler ärgerte sich über die «Blutegel-Mentalität» der Nachbar- und Aussengemeinden. Ausser Tägerwilen habe keine ein klares finanzielles Bekenntnis zur Schwimmhalle abgegeben. Kreuzlingen solle immer alles bereitstellen, während andere davon profitierten. Damit Kreuzlingen seiner Zentrumsfunktion gerecht werde, «muss die Region helfen, und zwar verbindlich.»

Da Kreuzlingen «keinen Platz» für weitere Sportanlagen habe, sollten verstärkt Gespräche mit Tägerwilen gesucht werden. Dorthin droht die Tennishalle abzuwandern, wenn Kreuzlingen keine klare Perspektive biete. Eine solche wünscht sich auch Karate- und Fitnesstrainer Elson Kabashi, dem der neue Eigentümer seines Domizils gekündigt hatte. Kabashi sucht jetzt nach einer neuen Bleibe und sorgt sich nach den Worten von Rechtsberater Oskar Müller um seine Existenz.

Freizeit-Stadträtin verwies auf das  Sportanlagenkonzept, in dem eine Priorisierung enthalten sei. Sie versicherte den Vereinsvertretern: «Kein Quadratzentimeter in Kreuzlingen bleibt unverplant.»

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