/// Rubrik: Region

Fast volle Punktzahl für die Stroke Unit

Münsterlingen – Seit acht Jahren verfügt das Kantonsspital Münsterlingen über eine eigens eingerichtete, auf die Abklärung und Behandlung von Hirnschlag spezialisierte Einheit. Dieser Tage erhielt die dafür verantwortliche Abteilung Neurologie Besuch durch die Beauftragten der Hirnschlagkommission der Swiss Federation of Clinical Neuro-Societies SFCNS. Einen Tag lang wurde genau geprüft ob das Kantonsspital Münsterlingen alle Kriterien für eine Zertifizierung als Stroke Unit erfüllt.

Ein Hirnschlag wird untersucht. (Bild: zvg)

Ein Hirnschlag wird untersucht. (Bild: zvg)

Spitäler, Arztpraxen und weitere Einrichtungen des Gesundheitssystems werden regelmässig von den Gesundheitsbehörden kontrolliert. Dazu kommen seit einigen Jahren Zertifizierungssysteme, die das Ziel verfolgen, die Betreuung von Patienten zu verbessern und Abläufe an höchste Qualitätsmassstäbe anzupassen. Eine Stroke Unit ist eine spezielle Organisationseinheit innerhalb eines Spitals zur Erstbehandlung von Hirnschlagpatienten. Am Kantonsspital Münsterlingen ist sie seit acht Jahren vorhanden. Für das Team einer Stroke Unit gibt es sehr genau Vorgaben, wer was wann und wie genau zu tun hat, damit ein Hirnschlagpatient möglichst schnell abgeklärt und behandelt wird – denn «Zeit ist Hirn», wie das Schlagwort besagt. Die Abläufe der Versorgung betreffen nicht nur das Kantonsspital Münsterlingen: Wichtig für die Zertifizierung ist auch die gute Zusammenarbeit mit der Neurochirurgie in Kreuzlingen und St. Gallen sowie mit der Neurorehabilitation in Zihlschlacht. Der Besuch der Auditoren im Kantonsspital Münsterlingen war ein voller Erfolg: «Wir erreichten 109 von 114 möglichen Punkten für unsere Stroke Unit», ist Dr. med. Ludwig Schelosky, Leitender Arzt Neurologie, stolz auf die Beurteilung der Mitarbeiter und der Abläufe.

Was ist an zertifizierten Zentren besonders?
Die Prüfung (Audit) für die Stroke Unit der Spital Thurgau am Standort Münsterlingen erfolgte durch Prof. Stefan Engelter vom Universitätsspital in Basel und Prof. Dr. Marcel Arnold vom Inselspital Bern sowie Privatdozent Dr. Christoph Cottier von der Sanacert Suisse. Das Zertifikat ist auch der Nachweis dafür, dass ein Qualitätsmanagement-System installiert ist und sich das Kantonsspital Münsterlingen prüfen und hinterfragen lässt. «Zertifizierer» kommen aber nicht nur, um zu kritisieren, sondern auch, um Verbeserungsvorschläge zu machen.

Die Behandlung von Hirnschlag-Patienten wird immer komplexer. Umso wichtiger ist, dass in den Zentren die verschiedenen Fachgebiete (u.a. Neurologie, Radiologie, Intensivmedizin, Innere Medizin, Pflege, Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie etc.) eng zusammenarbeiten. Der Begriff Stroke Unit stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt Hirnschlag-Station. Diese Abteilung mit 6 Betten verteilt sich auf eine der Intensivstation angeschlossene Einheit (welche im kommenden Mai den Neubau bezieht) auf eine in die Bettenstation der Inneren Medizin integrierte Einheit.

Jeder Hirnschlag ist ein Notfall. Deshalb ist beim Verdacht auf einen solchen keine Zeit zu verlieren. Bis spätestens 4,5 Stunden nach dem Ereignis kann ein Blutgerinnsel durch eine Lysetherapie aufgelöst werden. Die Zentren behandeln jeden Patienten nach unabhängig entwickelten Leitlinien. So bekommt jeder Betroffene die für ihn beste Behandlung in der Akutsituation und in der Nachbetreuung. Die Zentren werden alle drei Jahre geprüft. Eine regelmässige Kontrolle von Aussen sichert die gleichbleibende hohe Qualität und die Weiterentwicklung nach den aktuellen Standards der medizinischen Wissenschaft.

Bessere Behandlungserfolge
Ein gut messbares Qualitätsmerkmal einer Stroke Unit ist die Zeit vom Eintritt auf die Notfallstation bis zum Beginn der Thrombolyse, der blutgerinnsel-auflösenden Therapie durch eine Infusion. Durchdachte Abläufe und ein gut eingespieltes Team von Spezialistinnen und Spezialisten in einer Stroke Unit garantieren schnelle Entscheidungen und kurze Wege ohne Zeitverlust. International wird eine sogenannte «door-to-needle-time» von unter 60 Minuten angestrebt. Das Kantonsspital Münsterlingen hat bereits 2014 eine ausgezeichnete Zeit von nur 35 Minuten erreicht. Im Vergleich werden auf einer Stroke Unit behandelte Patienten schneller entlassen als solche, die die früher übliche Routineversorgung erhielten. Die Behinderung nach einem Hirnschlag ist im Durchschnitt geringer, mehr Patienten können wieder nach Hause zurückkehren. «Die Zertifizierung durch die Hirnschlagkommission der Swiss Federation of Clinical Neuro-Societies SFCNS wird bestätigen, dass die Stroke Unit der Spital Thurgau am Standort Münsterlingen die schweizweit geltenden Standards vollumfänglich erfüllt», ist Spitaldirektor Stephan Kunz nach dem erfolgreichen Audit überzeugt.

Zu dem Thema «Hirnschlag – Ursachen, Therapie, Vorsorge» wird Herr Dr. med. Ludwig Schelosky am 30. März einen öffentlichen Kaderarzt-Vortrag in der Aula des Kantonsspital Münsterlingen halten.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.