/// Rubrik: Leserbriefe

Für den Schnellzug Konstanz – St. Gallen

Leserbrief – Das kann doch nicht wahr sein: Der Bund investiert 134 Millionen Franken in die einspurige Bahnlinie Konstanz – St. Gallen für einen Schnellzug und ein halbes Jahr vor Inbetriebnahme, will er die Einführungskosten für dieses neue Angebot sparen. (Wolfgang Schreier, Kreuzlingen)

(Bild: Archiv)

(Bild: Archiv)

Welcher private Reisebusunternehmer vergrössert seine Flotte und stellt dann die neuen Busse in seine Garage, weil er die Einführungskosten bis zur kostendeckenden Auslastung scheut? Warum begrüssen ein paar Ostschweizer Politiker eine so widersinnige und verschwenderische Finanzpolitik auf Kosten der Steuerzahler? Sie diffamieren den neuen Schnellzug als Lago-Express für das erfolgreiche Konstanzer Einkaufscenter. Warum stellen sie nicht diejenigen Schweizer Händler an den Pranger, welche uns für identische Produkte mit doppelt so hohen Preisen im Vergleich zu unseren Nachbarländern abzocken? Warum sind die Schweizer Schnäppchen-Jägerinnen und –Jäger kein Thema, denen die Fahrt nach Konstanz mehr kostet, als dass sie dort sparen? Warum wird der neue Schnellzug nicht als Säntis-Express vermarktet für die vielen attraktiven Arbeitsplätze, kulturellen und touristischen Angebote rund um den Säntis? Wer nimmt dafür zwei geschlagene Stunden Fahrzeit für die Hin- und Rückfahrt mit der S-Bahn oder dem Auto in Kauf? Der neue Schnellzug braucht nur die halbe Fahrzeit. Zugegeben, die kürzliche Aufwertung des Frankens um fast 20 Prozent ist ein harter Schlag für die Schweiz. Es ist aber seit Jahrzehnten die chronische Aufwertung gewesen, welche die Schweiz wirtschaftlich so stark gemacht hat. Sie zwingt uns alle, immer bessere Leistungen in kürzerer Zeit zu erbringen und Verlustgeschäfte aufzugeben. Von der Schwindsucht des Euro profitieren unsere Nachbarländer nur kurze Zeit und ohne etwas dafür zu leisten. Langfristig schadet das ihrer Konkurrenzfähigkeit und ihrem Wohlstand. Der Bund ist deshalb gut beraten, nicht an unserem attraktiven Bahnangebot zu sparen, welches die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert und um das uns unsere Nachbarländer beneiden. Ich danke dem Thurgauer Regierungsrat, dass er sich nicht entmutigen lässt und beharrlich weiter für den neuen Schnellzug von Konstanz nach St. Gallen kämpft.

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3 thoughts on “Für den Schnellzug Konstanz – St. Gallen

  1. Bruno Neidhart

    Es geht doch nicht um „Lago“. Es geht darum, zu begreifen, dass wir in Europa leben, wo glücklicherweise die Grenzen offen sind, und Konstanz zusammen mit Kreuzlingen ein regionales Zentrum mit über 100’000 Einwohnern und mit z.B. fantastischen Bildungsangeboten bedeutet, ganz unabhängig von touristischen Reizen in Hülle und Fülle. Um den Reiz von St. Gallen muss man nicht diskutieren. Warum sollen diese beiden Örtlichkeiten nicht modern verbunden werden? Warum haben Politiker stets derart „Angst“, wenn sie an die EU denken? Wir sind hier weit genug von Bern, um selbständig denken zu können. Wir leben hier nun mal anders. Das zeigt schon der Blick auf die „vielfältig durchmischte Gesellschaft“.

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  2. schiesser

    Manche Ostschweizer Politiker – aber noch viel öfter: Gewerbler – verwechseln einen Lebensraum mit ihrem ganz persönlichen „Geschäftsraum“. Das zeigt sich wieder einmal an dem neuerdings umstrittenen, schnelleren Zug zwischen Konstanz/Kreuzlingen und St.Gallen. Für diesen Zug spricht Einiges: Er würde es Berufspendlern z.B. erleichtern, zwischen den beiden/drei Städten zu pendeln oder auch an Kulturinteressierten aus dem Raum Untersee/Kreuzlingen auch flott nach St. Gallen und nicht nur ebenso flott nach Zürich zu kommen. Und vielleicht käme ja auch der eine oder andere St. Galler mit dem Zug an den See statt mit dem Auto. Aber das zählt alles nicht mehr, wenn ein paar Gewerbler in St. Gallen plötzlich der Meinung sind, man müsse es der Kundschaft möglichst schwer machen, woanders einzukaufen – und womöglich auch noch Preise zu vergleichen. Als ob der Einkaufstourismus bisher eine gute Zugverbindung gebraucht hätte, um zu funktionieren! Nein, die Kundschaft nahm einfach das Auto und parkierte in Konstanz und Kreuzlingen die Parkhäuser und Strassen zu. Aber auf die Idee scheinen ja die heimischen Gewerbler nicht zu kommen, wenn sie gegen eine gute Zugverbindung wettern.
    Wenn wir ein paar Jahre zurück denken, dann können wir am Beispiel der Zugverbindung Konstanz/Kreuzlingen – Zürich den Erfolg einer solchen schnellen Zugverbindung betrachten: Anfänglich war der Sinn der Verbindung von der SBB noch bezweifelt worden und Konstanz /Stadt und Kreis) sowie der Kanton Thurgau bezahlten für die neue Verbindung, so sind die Züge inzwischen sehr gut ausgelastet – und zwar nicht erst, seit der Frankenkurs günstig steht. Eine ähnliche „Karriere“ könnte auch die neue Verbindung machen, wenn man in der Verkehrspolitik endlich aufhören würde, die Passagiere als „Geiseln“ des heimischen Gewerbes zu betrachten.

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  3. Sven

    Wenn die Schnellzugverbindung nicht kommen würde fände ich das sehr schade. Ich wohne als deutscher Ausländer in Kreuzlingen und scheue mich bisher öfter nach St. Gallen oder ins Appenzellerland zu fahren, weil ich die Anfahrt zu umständlich finde.

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