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Goalie und leidender Gottesknecht

Münsterlingen – Am zweiten Fastensonntag, 1. März, 16 Uhr, liest der Schriftsteller Pedro Lenz Texte aus seinem Werk. Das Hungertuch in der Klosterkirche Münsterlingen hat ihn zur Auswahl seiner Sprechstücke inspiriert. Auf der Orgel spielt Nicolas Borner Werke aus der Barockzeit von Georg Muffat, Dietrich Buxdehude und Francois Couperin.

Pedro Lenz auf dem Bahnhof. (Bild: zvg)

Pedro Lenz auf dem Bahnhof. (Bild: zvg)

Pedro Lenz hat mit seiner Titelfigur im Roman «Der Goalie bin ig» eine melancholische Gestalt geschaffen. Der Goalie ist ein Verlierer. Trotz Niederlagen und Demütigungen wahrt er sein menschliches Gesicht. Mit seiner Sprachkunst lädt uns Lenz ein, die Welt anders zu verstehen: poetisch verspielt. Oder mit biblischen Worten: wie ein demütiger Knecht, gar ein Gottesknecht. Doch was ist mit diesem Sprachbild gewonnen? Was geschieht seelisch, wenn einer sich für andere aufopfert? Ist es überhaupt möglich, auf Vergeltung zu verzichten und freiwillig schutzlos zu werden?

In den Medien wird aus aktuellem Anlass vor allem der Zusammenhang von Religion und Gewalt diskutiert. Und die Bedrohungsszenarien verlangen nach Sicherheit und Gegengewalt. Der Roman «Der Goalie bin ig» erinnert daran, dass es schmale Auswege aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt gäbe. Könnten sie vielleicht gelingen, mit Gottes Hilfe?

In kreativer Auseinandersetzung mit dem Hungertuch nimmt Pedro Lenz diesen schmalen Ausweg auf. Das Fastentuch in der Klosterkirche Münsterlingen stammt aus dem Jahre 1565. Es wurde von einem unbekannten, aber sensiblen Renaissance-Künstler mit Tempera auf Leinen gemalt. Fastentücher – oder Hungertücher wie sie auch genannt werden – sind Zeugnisse mittelalterlicher Frömmigkeit. Mit ihnen wurde früher während der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Mitte der Karwoche der Altar verhüllt. Das Münsterlinger Hungertuch verbindet die Funktion eines Andachtsbildes mit dem Brauch, das Besondere und Heilige in der Fastenzeit zu verhüllen.

Nicolas Borner, ein junger talentierter Organist aus Konstanz, spielt in der Münsterlinger Barockkirche Werke des Früh- und Hochbarock. Die barocke Disposition der Späth-Orgel eignet sich dazu hervorragend. Die Auswahl der Stücke soll zeigen, wie eindrucksvoll und unterschiedlich die Komponisten dieser Zeit in den verschiedenen Gegenden die Orgel als sakrales sowie konzertantes Instrument einsetzten: Muffat in Süddeutschland, Buxdehude in Norddeutschland und Couperin in Frankreich.

Die musikalisch literarische Meditation in der Klosterkirche Münsterlingen findet am zweiten Fastensonntag, 1. März, um 16 Uhr statt. Zur Deckung der Unkosten wird eine Kollekte eingezogen.

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