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Von Jahresringen keine Spur

Altnau – Acht Schwarz-Pappeln säumen den Altnauer Badeplatz. Drei dieser rund 20 Meter hohen Bäume mussten vor wenigen Tagen aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Sie werden durch neue Pappel-Setzlinge ersetzt. (Stadtverwaltung Altnau)

So sieht eine kaputte Pappel aus. (Bild: zvg)

So sieht eine kaputte Pappel aus. (Bild: zvg)

Pappeln ragen hoch in den Himmel auf, spenden Schatten und sind für Besucher am See eine Augenweide. Sie sind wichtige Puzzle-Stücke im ökologischen System und bieten vielen Tierarten ein Zuhause. Dies, obwohl diese zur Familie der Weidengewächse zählende Baumart in diesen Breitengraden eigentlich nicht heimisch ist. «Sie wurden nach dem Krieg in Altnau gepflanzt», sagt Gemeindepräsident Beat Pretali. «Wir lassen sie regelmässig durch den Baumexperten Roger Tanner pflegen und prüfen.» Die letzte erfolgte Beurteilung stellte klar: Drei der acht Pappeln am Badeplatz stellten ein Sicherheits-Risiko dar. Dies ist nach den kürzlich erfolgten Ereignissen im Tägermoos ein sensibles Thema. «Wir möchten deshalb von Anfang an informieren», so Beat Pretali.

Innen total ausgehöhlt. (Bild: zvg)

Innen total ausgehöhlt. (Bild: zvg)

Innen bereits ausgehölt
Grund für morsche Innenleben ist ein bei Pappeln nicht ungewöhnliches Zeichen der Zeit. Die Bäume beginnen von innen her zu faulen, höhlen nach und nach aus. «Wenn man gegen die Rinde klopft, klingt der Baum hohl», erklärt Gemeindearbeiter Kurt Braun. Bei heftigem Wind oder Sturm kann es kritisch werden.» Zuerst legten die beauftragten Experten Kurt und Ruedi Schmid schlanke Baumstämme auf die Badewiese. «Die Pappel fällt später auf diese Stämme, ohne die Wiese zu beeinträchtigen», sagte Kurt Schmid. Zuerst jedoch wurde die Pappel mit einem Stahlseil fixiert. Damit erreichten die Fachleute einen Zug in die gewünschte Richtung. Mit der Motorsäge kerbte der Experte den Pappelstamm ein. Der Traktor zog das Drahtseil in die gewünschte Richtung, die Arbeiter sägten den Stamm durch, und mit einem kräftigen Poltern kam die Schwarzpappel auf dem Boden auf.

Mit gutem Grund
Ein Blick auf den ausgehölten Stamm zeigte deutlich, wie es um das Innenleben der Pappel stand. «Sie wurde nur noch von der Borke und einer sehr dünnen Holzschicht zusammengehalten», meinte Kurt Braun und zeigte auf die grosse Leere im inneren der gefällten Pappel. «Da kann man keine Jahresringe mehr zählen.» Die typische graubraune Borke mit ihrer rauen Struktur und den quer verlaufenden Korkenwülsten hätte die Stabilität des Baumes wohl nicht mehr lange stützen können. «Das Pappelholz hat einen schlechten Brennwert und ist finanziell nicht besonders interessant», meint Kurt Schmid. Trotzdem werden die zwei gefällten Schwarzpappeln zu Holzschnitzeln verarbeitet. «Wir fällen keine der Pappeln ohne guten Grund», betonte Beat Pretali. «Sie werden so schnell als möglich durch neue ersetzt.»

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