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Hommage an einen Aussenseiter

Kreuzlingen – Das Museum Rosenegg zeigt zum 90. Geburtstag Anton Bernhardsgrütters eine Retrospektive des Malers. Der eigenwillige Thurgauer Künstler scherte sich nie um Konventionen und schuf ein vielfältiges, eigenständiges Werk.

Kurator Philippe Mahler (r.) und Ideengeber Matthias Peters vor dem Tryptichon «Summa».(Bild: Stefan Böker)

Kurator Philippe Mahler (r.) und Ideengeber Matthias Peters vor dem Tryptichon «Summa». (Bild: Stefan Böker)

Anton Bernhardsgrütter war einer, der nie viel darauf gegeben hat, was andere von ihm denken. Das mag mitunter nicht leicht für die gewesen sein, die ihm nahe standen – und für ihn selber. 1973 verlässt er Familie und Beruf und taucht als freischaffender Künstler unter. Er reist, Freunde sagen, er war in Frankreich und Italien. Später lebt er auf dem Hof der Eltern. Wieder später versöhnt er sich mit seiner Frau, sie leben in Kreuzlingen.

Selbstbildnis des Malers aus einem Tagebuch. (Bild: sb)

Selbstbildnis des Malers aus einem Tagebuch. (Bild: sb)

1989 erhält Bernhardsgrütter den Thurgauer Kulturpreis. «Er schuf ein tiefgründiges, ein nicht immer leicht lesbares Werk», erklärt Matthias Peters. «Sich damit auseinanderzusetzen, lohnt sich». Von Matthias Peters und seiner Frau kam die Idee, Anton B. Ipc, wie er sich selbst nannte, mit einer Ausstellung zu dessen 90. Geburtstag zu ehren. «Unter den Bildern und Ausstellungsstücken sind viele, die zum ersten Mal gezeigt werden», sagt er. Besonders hervorheben möchte er die «schwarzen Hefte», in denen sich Bernhardsgrütter als Intellektueller offenbare. «Sein ganzes Denken kommt darin zum Ausdruck. Er war ein Aussenseiter, ein Aussteiger, der sich dem Kunstmarkt verweigerte.»

Mit der Ausstellung wolle man einen Kontrapunkt zum zeitgenössischen Kunstschaffen setzen. Sie zeigt Werke aus allen Schaffensperioden und wurde in drei Themenkreise unterteilt, die den Maler, Zeichner und Textverfasser beschäftigen: «Mensch und Natur», «Legende, Liebe und Tod» und «Das Leben als Karneval» – «ewige Themen», beschreibt Peters.

Die Retrospektive wird vom Künstler Philippe Mahler kuratiert, der dafür rund 30 Bilder gemäss einer Wunschliste von Anton Bernhardsgrütter in wochenlanger Arbeit zusammengetragen hat und sie gemäss seinem Ausstellungskonzept hängte. Sein Weg führte ihn dabei zu Privatpersonen im ganzen Thurgau, aber auch nach Chur oder ins Archiv der Stadt Kreuzlingen. «Sein vielfältiges Werk spricht sicher auch junge Leute an», ist Mahler überzeugt.

Begleitveranstaltungen
Anton Bernhardsgrütter lebt heute mit seiner Frau im Alterszentrum Kreuzlingen. Am Sonntag, 12. April, 11 Uhr, feiert er seinen 90-jährigen Geburtstag im Museum Rosenegg. Neben Vernissage und der Feier ist ausserdem eine öffentliche Führung am 25. März, 18 Uhr, geplant, sowie ein Fachgespräch mit Kunstexperten am 6. Mai um 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 17. Mai zu sehen.

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