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Kreuzlingen – Die Verantwortlichen der katholischen Pfarreien St. Ulrich und St. Stefan wollen die Causa Alois Jehle lösen und ihren umstrittenen Pfarrer aus der Schusslinie nehmen. An einem Gesprächsabend hatten die Kirchbürger Gelegenheit, frei von der Leber weg zu reden. Viel gebracht hat's nicht: Klärungsbedarf bestehe weiterhin.

Moderator Tim Büchele. (Bild: sb)

Moderator Tim Büchele. (Bild: sb)

Es gibt Stimmen unter Kreuzlingens Katholiken, die Pfarrer Alois Jehle (eigentlich: Pfarradministrator) einen Erzkonservativen nennen, der hier fehl am Platze sei. Unter anderem leide die in langen Jahren aufgebaute Kreuzlinger Ökumene unter seiner Fuchtel zu sehr. Auch seine seelsorgerischen Fähigkeiten werden bemängelt. Die Kritik dieser besorgten Stimmbürger hatte sich bisher an der Kirchgemeindeversammlung, in Leserbriefen und Online-Kommentaren entladen. Sie gipfelte schliesslich in der Aufforderung an Pfarrer Jehle, zurückzutreten.

Darum und wegen weiterer heisser Eisen boten Kirchenvorsteherschaft, beide Pfarreiräte und Pfarrer ihren Kirchbürgern am 25. Februar eine Möglichkeit zum Austausch an. Neben der Personalie Jehle und damit zusammenhängend Ökumene und Eucharistiefeier war auch der geplante Pastoralraum Ermatingen-Kreuzlingen Thema des Gesprächsabends.

Bischofsvikar Ruedi Heim. (Bild: sb)

Bischofsvikar Ruedi Heim. (Bild: sb)

«Dabei wurde klar: Es gibt auch solche, die Pfarrer Jehle fast schon für einen Heiligen halten und ganz stark loben», erklärte Bischofsvikar Ruedi Heim anlässlich eines Pressegesprächs am Montagabend. «Die Voten deckten das gesamte Spektrum ab.» Von einem Spalt, der durch die Gemeinde gehe, will der hohe Geistliche aus Luzern, der eigenen Angaben zufolge die Gemeinde auch schon vor Jehles Amtsantritt kannte, nicht reden.

Bischofsvikar Heim hatte sich am Gesprächsabend vor Pfarrer Jehle gestellt und fachlich auf die Fragen der Kirchbürger geantwortet, während der umstrittene Pfarrer nie das Wort ergriff.

Ökumene ist den Katholischen wichtig
Den Abend beschreibt Heim als «wunderbar». Journalisten waren nicht zugelassen. «Die anwesenden 150 Personen konnten frei von der Leber weg reden, sofern es in fairer Art und Weise geschah», erinnert sich der Bischofsvikar. Einigkeit habe darüber bestanden, dass die Ökumene in Kreuzlingen eine grosse Tradition habe und weiter gepflegt werden solle. Ausführliche Diskussionen habe es über das Verständnis der Kommunion im katholischen Glauben gegeben. Auch die Eucharistiefeier sei vertieft diskutiert worden.

«Die Geschichte muss entpersonalisiert werden», findet Heim, der in theologischen Fragen für Jehle in die Bresche springt. Beispiel Gleichsetzung des Abendmahls mit der Eucharistiefeier: «Das ist keine Frage des Kirchenrechts, sondern eine theologische, eine Frage der Grundeinstellung. Bei mir gäb’s das auch nicht.»

Tim Büchele moderierte den Abend. «Ich wurde angefragt, weil ich mich zwar in der Kirchgemeinde auskenne, aber nicht direkt involviert bin», sagt der Emmishofer. Büchele sieht sich als Brückenbauer und nimmt selber keine Position im Streit ein. Er erinnert sich an einen gut strukturierten Abend, an dem er versuchte, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Das habe bis zu einer gewissen Grenze funktioniert: «Gerüchte konnten zerstreut und Missverständnisse geklärt werden», berichtet der beruflich als Mediensprecher Arbeitende. Pfarrer Jehles schärfste Kritiker habe man aber wohl nicht erreicht. Aufgrund der hohen Bandbreite der Voten sei es schwer, diese Gegner des umstrittenen Pfarrers zu quantifizieren. Auch Büchele möchte nicht von einer Spaltung reden: «Es gibt Befürworter und Gegner von Pfarrer Jehle, aber es gibt auch ganz viele Positionen dazwischen.»

Den Gesprächsabend beurteilt er als Schritt in die richtige Richtung, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern und wieder Ruhe in die Gemeinde zu bringen. Und Bischofsvikar Heim ergänzt: «Das funktioniert nur, wenn beide Seiten sich bewegen.» Einig sind sich die beiden neuen Mediensprecher von Katholisch Kreuzlingen indes in einer Sache: «Die ausführlichen Gespräche und anschliessenden Diskussionen haben gezeigt, dass dieser Abend einem grossen Bedürfnis entsprach. Aus diesem Grund wurde auch entschieden, den gegenseitigen Austausch zeitnah in geeigneter Form weiterzuführen.»

Ob die Presse bei einem weiteren Anlass dann wiederum draussen bleiben muss, konnte noch nicht abschliessend geklärt werden.

Nachtrag:
Noch heute, Freitag, 13. März, erreichte uns folgende Stellungnahme einiger unzufriedener Kirchbürger.

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