/// Rubrik: Stadtleben

Gepanzerte Radfahrzeuge aus Handarbeit

Kreuzlingen – Die Rüstungsfirma GDELS-Mowag gewährte der Volkshochschule Kreuzlingen einen seltenen Einblick in ihre Produktion.

Ein DURO (l.) und ein EAGLE werden zusammengeschraubt. (Bild: ek)

Ein DURO (l.) und ein EAGLE werden zusammengeschraubt. (Bild: ek)

Andreas Frei, Programmleiter Schweiz bei der Mowag, führt eine Gruppe der Volkshochschule Kreuzlingen durch seine Produktionshallen. Ihm ist anzuhören, dass er stolz auf seine Arbeit ist. Geduldig erklärt er die Produktionsabläufe, stellt sich Fragen und zeigt die Herausforderungen auf, welchen ihre Fahrzeuge heutzutage trotzen müssen. Denn die Kernaufgabe ihrer gepanzerten Wagen sei es, die Insassen und ihre Fracht zu schützen. Diese Anforderungen an den Schutz würden stetig steigen. «Minen und selbstgebaute Bomben sind die grösste Bedrohung», erklärt Frei.

Die Unterbodenpanzerung z.B. ist darauf ausgelegt, einer Minenexplosion trotzen zu können. «Aber auch wenn die Hülle hält, wäre für die Insassen eine solche Detonation vergleichbar mit einem Aufprall von 200 Stundenkilometern», so Frei. Damit Rückgrat und Genick dennoch intakt bleiben, werden spezielle Minenschutzsitze eingebaut, welche in Milisekunden die Explosionskräfte ausgleichen.

Mowag bleibt in Kreuzlingen
Im Vorfeld hatte Urs Engeli, Verkaufsleiter Schweiz, der ausgebuchten Gruppe von rund 50 Personen die Geschichte des Unternehmens und die Produktpalette vorgestellt.
Ihre drei Fahrzeugmodelle Eagle, Duro und Piranha werden heute in 20 Länder exportiert. 16000 solcher geschützten militärischen Radfahrzeuge hat die Mowag seit ihrer Gründung 1950 verkauft, den grössten Teil an das Schweizer Militär. 2003 übernahm der amerikanische Rüstungskonzern General Dynamics die Mowag. Angst, die Mowag könnte aus Kreuzlingen verschwinden, hatten die beiden Kaderleute jedoch nie. Die GDELS-Mowag sei das Kompetenz-Zenter für geschützte Radfahrzeuge im Mutterkonzern und zudem ist die Schweizer Armee der wichtigste Kunde. «Selbst die USA bestellen bei uns», erklärt Engeli.

Dieses über Jahrzehnte angesammelte Fachwissen sei auch der Grund, weshalb die Mowag im internationalen Konkurrenzkampf mithalten könne. Die geringen Stückzahlen (im Monat können z.B. maximal sechs Piranhas gebaut werden) erlauben keine Fliessband- oder Roboterarbeit, hier wird jeder Montageschritt von Hand ausgeführt und vom Zahnrad bis zur Achse fast alles selber produziert. Einige Teile durchlaufen dabei 20 Arbeitsschritte. «Eigentlich entwickeln wir ganze Fahrzeuge mit Haut und Haar», so Engeli. Die Dieselmotoren sind dabei die grössten Komponenten, welche zugekauft werden.

Trotz des vergleichbar hohen Fertigungspreises, sind die gepanzerten Radfahrzeuge auch international gefragt. «Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit hat bei den Militärs oberste Priorität», erklärt Frei, «ein General kauft lieber ein paar Fahrzeuge weniger, dafür bleiben diese nicht mitten in einer Mission stehen. Hier macht sich unsere Schweizer Qualität bezahlt.»

Lehrlingsbetrieb
Qualität, welche der grösste Arbeitgeber in Kreuzlingen vor allem durch sein gut ausgebildetes Personal sicherstellt. Hier führe die Mowag die Philosophie von Firmengründer Walter Ruf weiter: «Wenn es meinen Angestellten gut geht, geht es meiner Firma gut.» Von den 620 Mitarbeitern sind rund 40 bis 50 Lehrlinge, welche in einer eigenen Lehrlingswerkstatt ihr Handwerk erlernen. «Mit den meisten von ihnen speisen wir unseren Eigenbedarf», so Frei.

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