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Durchblick bei Fenstern: die neue Energieetikette

Kreuzlingen – Die Energieetikette für Fenster stand am Energieapéro vom 11. März 2015 thematisch im Mittelpunkt. Gut 100 Energieinteressierte informierten sich in Weinfelden über das neue Informationsinstrument sowie über optimale Fenstersanierungen und neue Erkenntnisse aus der Haustechnik.

Auch Fenster haben neuerdings eine Energieetikette. (Bild: zvg)

Auch Fenster haben neuerdings eine Energieetikette. (Bild: zvg)

Fenster beeinflussen den Energiebedarf eines Gebäudes wesentlich. Deshalb sind in den letzten zwanzig Jahren die gesetzlichen Anforderungen bezüglich des Wärmeverlusts stark gestiegen. Wie Josef Knill, Co-Präsident des Fachverbands Fenster- und Fassadenbranche, am Energieapéro ausführte, hat die Fensterindustrie auf die Herausforderung reagiert – mit der Verbesserung der Rahmen, 3-fach-Isoliergläsern oder der Vermeidung von Wärmebrücken (Wärmeverlust) beim Einbau neuer Fenster.

Einfache Kennzeichnung der Effizienz
Mit der neuen Energieetikette macht die Branche in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Energie einen weiteren Schritt, um energieeffiziente Fenster zu fördern und dem Hausbesitzer ein Informationsinstrument beim Kauf neuer Fenster zu bieten. Die Energieetikette berücksichtigt sowohl die Wärmeverluste im Winter als auch die Energiegewinne durch die Sonneneinstrahlung. Die Berechnung basiert damit auf der Energiebilanz eines Fensters und mündet in die Klassifizierung von A bis G, visualisiert durch grüne bis rote Balken. Fenster der Effizienzklasse A sind über die gesamte Heizperiode betrachtet Energiegewinnsysteme. Schweizer Fensterhersteller können ihre Produkte anmelden, kontrollieren und zertifizieren lassen, sind dazu aber nicht verpflichtet.

Sandro Erné, Gebäudehülle Schweiz, Sektion Thurgau, informierte anschliessend über die Sanierung von Fenstern, wobei er sich insbesondere mit der Schnittstelle Fenster/Fassade auseinandersetzte. Bei diesem Übergang kommt die Dämmung aus Platzgründen oft zu kurz, es entstehen Wärmebrücken oder kann sich Schimmel bilden. Der Experte gab deshalb den Anwesenden den Rat, die Fenstersanierung im Detail und unter Einbezug der spezifischen Fassade sowie eines Lüftungskonzepts planen zu lassen, bevor die Fenster bestellt werden.

Komfortlüftungen halten, was sie versprechen
Komfortlüftungsanlagen regeln den Luftaustausch automatisch und versprechen ein hygienisch einwandfreies Innenklima. Es gab bisher aber noch keine wissenschaftliche Grundlage, die dieses Versprechen stützte. Aus diesem Grund haben die IG Passivhaus, der Schweizerische Verein Luft- und Wasserhygiene sowie der Verein Energiefachleute Thurgau die Hochschule Luzern, HSLU, beauftragt, eine Studie zur Hygiene von Komfortlüftungen in energieeffizienten Gebäuden durchzuführen. Martin Müller von der Abteilung Energie präsentierte am Energieapéro die wichtigsten Resultate. Die Untersuchung in 50 Einfamilienhäusern zeigt, dass die Komfortlüftungen das Schutzziel (Hygienerichtlinien des Schweizerischen Vereins von Gebäudetechnik-Ingenieuren) erfüllen und die Zuluft weniger Keime und Bakterien enthält als die Aussenluft. Bezüglich der Planung von Komfortlüftungen vermittelt die Studie praxisnahe Ratschläge. So soll beispielsweise die Aussenluftfassung mindestens im Abstand von 70 cm zum Boden und an einem sauberen, unbelasteten Ort angebracht werden. Ferner sind genügend grosse Zuluftmengen sowie normenkonforme Luftfilter einzubauen. Ausserdem sollte die Lüftung erst nach Reinigung des Gebäudes und des Rohnetzes (inkl. Erdregister) in Betrieb genommen werden. Auch Hausbesitzer tragen gemäss Müller ans optimale Funktionieren der Lüftung bei. Wichtig sind der zwei- bis dreimal jährliche Filterwechsel, der Geräteservice alle drei Jahre sowie die Inspektion der Rohrleitungen, die etwa jedes sechste Jahr erfolgen soll.

Wärmepumpenboiler als Ersatz für reine Elektroboiler
Unter welchen Bedingungen ist der Einsatz eines Wärmepumpenboilers geeignet? Antworten auf diese Fragen standen im Mittelpunkt des Schlussreferats von Jörg Marti, Abteilung Energie. Er kommt aufgrund seiner Untersuchung «Wärmepumpenboiler, Studie der Wärmeströme im Gebäude» zum Schluss, dass sich in bestehenden Gebäuden die Installation eines Wärmepumpenboilers unter bestimmten Voraussetzungen als Ersatz für einen Elektroboiler eignet und zu deutlichen Energieeinsparungen führt. Aus energetischer Sicht ist ein Splitgerät – es bezieht die Wärme aus der Aussenluft – dem Kompaktgerät vorzuziehen. Letzteres eignet sich nur, wenn das Raumvolumen grösser als 20 Kubikmeter und eine Wärmequelle vorhanden ist, ansonsten kühlen Aufstellraum und angrenzende Räume zu stark aus. Die Förderung über ProKilowatt berücksichtigt diese Bedingungen. Gebäudebesitzer erhalten einen einmaligen Investitionsbeitrag von 600 Franken beim Ersatz eines reinen Elektroboilers durch einen effizienten Wärmepumpenboiler.

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