/// Rubrik: Stadtleben

Vertrag aus Grossvaters Zeiten

Kreuzlingen – Pflegekosten steigen, Bundesgelder sinken – gleichzeitig müssen sich Alters- und Pflegeheime für die wachsende Zahl an älteren Menschen rüsten. Die meisten Heime meistern dies ohne Subventionen von Gemeinden. Nur das Alterszentrum Kreuzlingen erhält direkte Unterstützung durch die Stadt.

47 Millionen Franken investiert das Alterszentrum Kreuzlingen in Neubau und Modernisierung.(Bild: ek)

47 Millionen Franken investiert das Alterszentrum Kreuzlingen in Neubau und Modernisierung. (Bild: ek)

«Das ist Wettbewerbsverzerrung», ist Otto Egloff vom Pflegeheim Bindersgarten in Tägerwilen überzeugt. Er meint damit die in der städtischen Rechnung budgetierte Defizitgarantie von 200000 Franken, welche Kreuzlingen dem Alterszentrum Kreuzlingen (AZK) zusichert. Das Heim plant Investitionen von 47 Millionen Franken, die Zinsen und Abschreibungen davon könnten ohne städtische Unterstützung nicht getragen werden. Dabei sollten solche Investitionen von langer Hand geplant und gedeckt werden. «Auch in den Pflegekosten, welche die Gemeinden bezahlen, ist ein kleiner Teil für zukünftige Investitionen vorgesehen», so Egloff. Er versteht deshalb nicht, warum das AZK Hilfe erhält.

Auch im Pflegeheim Abendfrieden wird gebaut. Investitionskosten von 16 Millionen Franken sind geplant, jedoch ohne Unterstützung durch die Stadt. Dennoch sieht Geschäftsleiterin Mirjam Brühwiler die Subventionen für das AZK gelassen: «Wir haben ganz andere Strukturen und müssen unsere Kosten alleine stemmen.» Vielmehr ist es dem Abendfrieden ein Anliegen, dass die gemeinsamen Bemühungen um Vergleichbarkeit der Kostenrechnungen im Rahmen des Branchenverbands «Curaviva Thurgau» weiter vorangetrieben werden. Denn aussagekräftige Kostenrechnungen der Heime, mit angemessener Abgrenzung von Sonderfaktoren, bilden eine wesentliche Grundlage für das Departement für Finanzen und Soziales, wenn es um die Festlegung der kantonalen Normkostenbeiträge an die Pflegekosten geht. Für Brühwiler ist der Vertrag zwischen dem AZK und der Stadt Kreuzlingen ein Relikt aus den Gründungszeiten, aus welchem beide Parteien bald herauswachsen werden.

1972 genehmigten die Kreuzlinger Stimmbürger eine Vereinbarung zwischen Stadt und Genossenschaft Alterszentrum Kreuzlingen. Damals ging es darum, ein erstes Altersheim zu schaffen. Der Vertrag besteht bis heute noch – zu Recht, meint Carl Ruch, Präsident des Alterszentrums Kreuzlingen: «Es gibt immer ältere Menschen und die Öffentlichkeit muss sich um diese kümmern.» Demenzabteilung, Pflege rund um die Uhr und Wohnen im Alter seien alles Kostentreiber. Dennoch hätte die Stadt seit 1990 keinen Rappen ans AZK bezahlen müssen, die Defizitgarantie kommt nur wegen des Neubaus zum Tragen. «Wir hoffen, in drei Jahren wieder eine ausgeglichene Rechnung präsentieren zu können», sagt Ruch, womit die Unterstützung der Stadt wieder wegfällt.

Von Wettbewerbsverzerrung will er deshalb nichts wissen, das AZK stünde nicht in Konkurrenz zu privaten Pflegeheimen. «Diese sind gewinnorientiert und können preislich anders hantieren. Wir versuchen nur unsere Kosten zu decken», sagt Ruch.
Egloff bleibt dabei, dass die direkte Unterstützung unfair ist: «Mit der Stadt im Rücken muss man sich nicht anstrengen», so Egloff.

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