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Karate oder Kunst?

Kreuzlingen – Für das Sport- und Fitnesscenter von Elson Kabashi wird es eng. Seit März müsste er seine Räumlichkeiten eigentlich schon verlassen haben. Beim Bezirksgericht Kreuzlingen hat er nun eine Erstreckung des Mietverhältnisses eingeklagt.

Elson Sport und Fitness soll ausziehen, doch Kabashi will bleiben.(Bild: ek)

Elson Sport und Fitness soll ausziehen, doch Kabashi will bleiben. (Bild: ek)

Mindestens vier Jahre noch will Elson Kabashi sein Trainingscenter Elson Sport und Fitness an der Döbelistrasse 28 betreiben. Dafür klagte er gegen seinen neuen Vermieter, welcher ihm die Liegenschaft am 5. August 2014 kündigte. «Völlig überraschend und ohne Vorwarnung kam diese Kündigung für meinen Mandanten», begründete Kabashis Rechtsvertreter Stefan Wenger die Klage vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen.

Das Fitnesscenter sei von existenzieller Bedeutung, nicht nur für Kabashi selber, sondern auch für involvierte Familienmitglieder. Zudem habe Elson Sport und Fitness durch die Zusammenarbeit mit der Elitesportschule NET eine Bedeutung für Kreuzlingen erreicht, welche als gerichtsrelevant angesehen werden kann. Und eine neue Liegenschaft mit den gleichen Voraussetzungen zu finden, sei nicht einfach in Kreuzlingen. Die Räumlichkeiten müssten einerseits gut erreichbar sein, andererseits im gleichen finanziellen Rahmen liegen.

Die perfekte Lösung für Kabashi wäre der Einzug in den geplanten Bildungscampus von NET, ISKK und SBW. Dieser lässt noch einige Jahre auf sich warten, weshalb Kabashi eine Mieterstreckung anstrebt. Er habe immer damit gerechnet, den Mietvertrag mit der vorherigen Besitzerin Remesana AG verlängern zu können. Dafür sprächen auch die umfassenden Umbauarbeiten und Investitionen, welche Kabashi mit freiwilligen Helfern vorgenommen hat. Als «Kronzeugin» für diese Behauptungen wurde die Liegenschaftsverwalterin der Remesana AG aufgeführt.

Dass der beklagte Vermieter nun ganz andere Pläne verfolgt, sei alleine wirtschaftlichen Interessen zu schulden, was eine Auflösung des Mietvertrags nicht rechtfertige. «Eine jetzige Beendigung des Mietverhältnisses wäre eine grosse Härte gegenüber dem Kläger», fasste Wenger seine Ausführung zusammen.

Lebenstraum wird vereitelt
Behauptungen, welche Andreas Brauchli, Rechtsvertreter des neuen Eigentümers so nicht im Gerichtsraum stehen lassen wollte. Dieser setzte zu einem regelrechten Kanon an Argumenten an, welche gegen eine Mieterstreckung sprechen: Sein Mandant plant mit dem Bau des Ateliers, Bildarchivs und der Wohnung sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Ein Vorhaben, das aufgrund seines fortgeschrittenen Alters von 62 Jahren jetzt und nicht erst in vier Jahren realisiert werden müsse. Ausserdem würden durch eine Mieterstreckung erhebliche Kosten auf den Eigentümer zukommen, da der jetztige Mietzins unter dem Marktwert liegt. Dieser sei bewusst tief angesetzt gewesen, da eine Umnutzung schon lange Thema war. «Der Kläger muss sich nicht so naiv stellen, wie er es heute vor Gericht vorgibt», so Brauchli.

Von einer «überraschenden» Kündigung könne darum keine Rede sein. Zudem hat Kabashi nun sieben Monate Zeit gehabt, eine Alternative zu suchen. Davon gebe es genug, wie z.B. das Zecchinel-Zentrum in Tägerwilen. Kabashi versuche sich mit der Mieterstreckung nur einen günstigen Mietzins zu sichern und seinen Vermieter als «unfreiwilligen Hauptsponsor» zu gewinnen.

Keine Bewilligung
Hinzu kommt, das Kabashi weder für den Umbau zum Fitnesscenter eine Baugenehmigung eingeholt hat, noch eine Bewilligung zum Betreiben dieses besitzt. Diese Bewilligung nachzuholen würde nur schon an den dafür vorausgesetzten Parkplätzen scheitern. Denn die zurzeit von der Kundschaft rege benutzten Plätze sind im Mietvertrag gar nicht aufgeführt. Der Beklagte sieht sich deshalb ausserstande, den bestehenden Mietvertrag zu verlängern.
Viel entgegenzusetzen hatte Wenger dieser Argumentationsflut nicht mehr. Der Anwalt des Klägers beschwerte sich noch über die «Angriffe unter die Gürtellinie» und erklärte, dass ein Wegzug nach Tägerwilen aufgrund der abgelegenen Lokalität nicht möglich sei.

Urteil ausstehend
Ein Urteil konnte vom Bezirksgericht aufgrund der zu sichtenden Aktenmenge und langen Ausführungen der Verteidiger nicht vor Redaktionsschuss gefällt werden, wie Bezirksrichter Thomas Pleuler erklärt. An der Verhandlung wurde noch über einen allfälligen Vergleich zwischen den beiden Parteien gesprochen.

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