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Ersatz für die Schwalben

Ermatingen – Im Ermatinger Seeloft wurde eine grosse Schwalbenkolonie vernichtet. Sehr zur Empörung von Vogelschützern – aber auch Bewohnern des Hauses, die gerne einen Kompromiss gefunden hätten, aber überstimmt wurden. Jetzt nimmt die Sache doch noch ein gutes Ende.

(V.l.) Stefan Braun, Jakob Rohrer, Elias Mattia Braun und Peter Kubalek haben am Mittwoch 40 Kunstnester am Güterschuppen angebracht. (Bild: sb)

(V.l.) Stefan Braun, Jakob Rohrer, Elias Mattia Braun und Peter Kubalek haben am Mittwoch 40 Kunstnester am Güterschuppen angebracht. (Bild: sb)

Stefan Braun, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Steckborn und Umgebung, Jakob Rohrer vom Thurgauer Vogelschutz (TVS) und ein Bewohner aus dem Seeloft, Peter Kubalek, haben am Mittwoch 40 Kunstnester am Ermatinger Güterschuppen aufgehängt. «Ein kärglicher Ersatz für die zerstörte Kolonie», räumte Vogelschützer Rohrer ein. Mit dem neuen Platz an der Ostseite des gewerblich genutzten Gebäudes ist er dennoch zufrieden. «Die Nistplätze liegen hoch genug, sind vor Feinden sicher und für die Schwalben frei anfliegbar.» So hoch und sonnig wie die Plätze an der ehemaligen Möbelfabrik, wo die Schwalben seit Jahren nisteten, ist es aber nicht. Ende April kehren diese zurück.

Die neuen Kunstnester konnten aus dem Lager des TVS bezogen werden. Der Verband macht Grosseinkäufe und kann Produkte so an die einzelnen Sektionen günstig abgeben. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 800 Franken, 300 Franken davon übernimmt die SBB. Die Firma Tschiemer aus Steckborn spendierte die Kotbretter. Vom Vogelschutzverein Kreuzlingen und Umgebung konnten einige gebrauchte Nester zusätzlich besorgt werden. «300 Franken zahlen die Miteigentümer», durfte Seelofter Kubalek mitteilen. Denn nicht alle im Haus seien gegen die Schwalben gewesen: «An der Miteigentümerversammlung waren es rund 80 Prozent.» Gestört hätten neben den Verunreinigungen vor allem die durch die Vögel verursachten Geräusche, wie Kubalek erstaunt habe zur Kenntnis nehmen müssen. «Unter anderem wurden die Anfluggeräusche als störend empfunden.»

Die Vogelschützer können da nur die Köpfe schütteln. Ebenso über das Argument, dass die Anbringung von Kotbrettern teuer sei. «Es stimmt nicht, dass diese jährlich gereinigt werden müssen», erklärt Stefan Braun. Für die Zukunft wünscht er sich, « dass Hausbesitzer sensibler reagierten und nicht gleich zu solchen Radikallösungen greifen wie beim Seeloft.»

Gefährliche Acrylglasplatten
Im Seeloft liessen sie bekanntlich von einem Schädlingsbekämpfer Acrylglasplatten installieren, um die Schwalben zu vergrämen. So wie Schwalbennester angeblich Glück bringen, scheint ihre Zerstörung indes für Pech zu sorgen. Sturm «Niklas» riss mehrere Stücke dieser Platten ab. Sie schwirrten durch die Luft, fielen in den Garten. Ihre Wiederanbringung dürfte kostenintensiv werden – und nicht wenige sind der Meinung, dass sie aus Sicherheitsgründen eigentlich vollständig entfernt werden sollten. Zum Glück wurde bis jetzt niemand verletzt.

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