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Auf den Teller statt in die Tonne

Kreuzlingen – Der Kreuzlinger Verein VerwertBAR kämpft gegen Lebensmittelverschwendung. Über einen Verteiler in Kurzrickenbach wollen die Aktivisten Esswaren verschenken, die sonst im Kübel landen.

Gemüse aus dem Tägermoos: Von Schadstoffen belastet? (Bild: Dorothea Jacob/pixelio.de)

(Bild: Dorothea Jacob/pixelio.de)

Durchschnittlich landen rund 30 Kilogramm Nahrungsmittel pro Person und Jahr in der Schweiz im Abfallkübel. Dies geht aus einer Statistik des Bundesamtes für Umwelt hervor. Eine riesige Menge an Esswaren, die weder schlecht noch ungeniessbar sind, kommt da zusammen. «Zu sehen, was alles weggeschmissen wird, macht mich wütend und traurig zugleich», beschreibt Beni Merk. Zusammen mit vier Freunden aus Kreuzlingen und Tägerwilen hat er nun den Verein VerwertBAR aus der Taufe gehoben.

Die Idee: Auf ihren Touren mit dem PKW oder Velo plus Anhänger sammeln die Vereinsmitglieder und Helfer bei Läden und Privatpersonen, was diese sonst wegschmeissen würden. Wer knapp bei Kasse ist oder die Idee gut findet, kann die Lebensmittel am zentralen Sammelpunkt bei der Kirche Kurzrickenbach gratis in Empfang nehmen. Dazu steht in der Sakristei an zwei Tagen in der Woche ein Kühlschrank bereit, der tagsüber zugänglich ist. Pate für die Idee stand das Projekt «RestEssbar» aus Winterthur.

Foodsharing in Kurzrickenbach
«Wir fangen erst mal klein an», erklärt der Primarschullehrer. «Wenn die Nachfrage gross ist, dehnen wir die Öffnungszeiten aus oder öffnen einen zweiten Standort. Das Essen ist für jedermann, egal welcher Religions- oder Parteizugehörigkeit. Aber wenn Arme davon profitieren können, dann ist das wunderbar.»

Über Facebook kommuniziert der Verein, welche Waren wann erhältlich sind. Dort dürfen sich auch Spender melden. Über den Verein werden diese dann abgeholt, das entspricht den Bestimmungen des Lebensmittelinspektorats. Spender dürfen keine Lebensmittel eigenhändig in den Kühlschrank hineinstellen.

Bisher konnte man Böhler Gemüse aus Tägerwilen (salat.ch) und den 24-Stunden-Laden Pep aus Kreuzlingen zur Kooperation bewegen. «Mit den Grossverteilern sind wir noch am Verhandeln», berichtet Lebensmittelretter Merk. Auch mit hiesigen Bäckereien sei man im Gespräch.

Hilfe kann der Verein derzeit vor allem in Form von Kontakten zu Läden und Grossverteilern gebrauchen. Wenn es dann läuft, sind Lebensmittel, Früchte und Gemüse willkommen – und natürlich Personen, die bereit sind, Abholtouren zu fahren (Kontakt: Tel. 052 534 74 28)

Finanzielle Spenden stehen ganz hinten auf dem Wunschzettel, denn «der Verein soll in erster Linie von der Idee Leben», so Merk. Bislang lief alles ohne Ausgaben: Der Kühlschrank wurde von einer Kollegin geschenkt, der Standort wird mietfrei von der Kirche zur Verfügung gestellt, sie bezahlt auch den Strom. Über Flyer und das Sozialamt wollen die Foodsharer ihr Projekt bekannt machen. An erster Stelle stehen hingegen Personen, die die Lebensmittel gebrauchen können. Bald werden sie die Möglichkeit haben, das Angebot zu nutzen. «Zur Eröffnung planen wir einen kleinen Event», verrät Merk. Details dazu folgen bald. 

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