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Aufreibendes Jahr im Wald

Kreuzlingen – Nach einem schwierigen Jahr kann die Bürgergemeinde schwarze Zahlen ausweisen. Das auch wegen der Wildsauenhütte: So oft wie im 2014 war sie noch nie belegt. Die Betriebsgemeinschaft Pro Forst musste sich umstrukturieren und neu organisieren.

Totes Holz bietet dem Spaziergänger tolle Bilder und ist gleichzeitig ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Insekten. (Bild: Ruedi Wolfender)

Totes Holz bietet dem Spaziergänger tolle Bilder und ist gleichzeitig ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Insekten. (Bild: Ruedi Wolfender)

Für die Kreuzlinger Einwohner dient der 143 Hektaren grosse und von zwölf Kilometern Waldstrassen durchzogene Bürgerwald heute vornehmlich zur Erholung oder zum Sport treiben. Seine Bewirtschaftung macht indes viel Arbeit. Arbeit, welche die Bürgergemeinde zum «Gemeinwohl der gesamten Bevölkerung» erledige, wie deren Präsident Urs Neuweiler an der Jahresversammlung betonte. «Mir scheint es wichtig, dass wir unsere Leistungen immer wieder ins rechte Licht stellen und auch in den Medien publizieren.»

Im 2014 wurden 1027 Stunden im Bürgerwald gearbeitet. Davon entfielen 770 Stunden auf die Bestandesgründung, Jungwaldpflege und Zaunbau, 230 Stunden auf die Holzhauerei und Schlagräumung, und 27 Stunden für den Strassenunterhalt.

Die Holzernte sei wegen der während zu kurzer Zeit gefrorenen Böden und zu viel Regen suboptimal gewesen, so der Präsident in seinem Jahresbericht. Die Bürgergemeinde verkaufte dieses Jahr 15 Stämme Eiche, Linde, Esche und Bergahorn mit insgesamt 22,65 Kubikmetern zu einem Preis von 6862 Franken. Dies entspricht einem Gegenwert von 303 Franken pro Kubikmeter.

Sorgen bereitet nach wie vor die Eschenwelke, welche mittlerweile auch alte Bäume befalle. «50 bis 70 Prozent aller Eschen sind krank», erklärte Revierförster Paul Rienth auf Nachfrage. In Stadtnähe könne dies zum Problem werden, weil herabfallende Äste ein Sicherheitsrisiko für Spaziergänger bergen.

Die Rechnung 2014 der Bürgergemeinde schliesst mit einem Plus von rund 3868 Franken ab, budgetiert war eine Null. Das Eigenkapital beträgt rund 785’201 Franken. Für das Jahr 2015 wurde ebenfalls eine Null budgetiert.

Die Versammlung gedachte dem verstorbenen Revierförster Daniel Geiger. Der Tod des geschätzten Betriebsleiters hinterliess eine grosse Lücke bei der Betriebsgemeinschaft Pro Forst und führte zu einer Umstrukturierung und Neuorganisation, die heute noch nicht abgeschlossen ist. Es sei ein schwieriges Jahr voller Emotionen und Innehalten gewesen, berichtetet Pro-Forst-Präsident Ruedi Wolfender. «Sein Tod hat uns zutiefst erschüttert.»

Zusammenarbeit mit Tägerwilen intensivieren
Trotz tiefer Bewegtheit habe das Team weiter rational funktionieren müssen. Geprüft wurde etwa die Zusammenlegung mit dem Tägerwiler Forstrevier. Der Entscheid dagegen sei einstimmig gefallen, so Wolfender. Pro Forst will aber die strategische und operative Zusammenarbeit als auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Förstern weiterführen und verstärken. Ziel sei es nun, die Betriebsgemeinschaft wieder auf ein organisatorisch gutes Fundament zu stellen, erklärte der Präsident. Paul Rienth ist derzeit Gesamtförster für Privat- und Bürgerwald sowie Betriebsleiter der Pro Forst. Unterstützung erfährt das Team durch Sekretärin Stephanie Haberthür. In Zukunft wird Pro Forst nur noch eine Lehrlingsstelle anbieten.

Waldhütte bringt 15’000 Franken
Als Lichtblick dieses schwierigen Jahres kann die Wildsauenhütte betrachtet werden. Hüttenwart Bruno Lang vermeldete einen neuen Rekord: «131 Belegungen gab es im 2014, 107 Mal wurden Hütte und Unterstand zusammen vermietet.» Allein 15’000 Franken Gewinn erwirtschaftete die Waldhütte so für die Rechnung der Bürgergemeinde, rund 10’000 Franken mehr als erwartet.

Totes Holz bringt neues Leben
Als «Museum der alten Holzbewirtschaftung» bezeichnete Ruedi Wolfender die sogenannte «Altholzinsel», welche mit 1,49 Hektaren Grösse im Gebiet Bernrainhau geschaffen wurde. Dies, weil hier an vielen Orten drei Stämme aus dem gleichen Wurzelstock wachsen. Bis in die 1940er Jahre kappten sie die Stämme nämlich früher alle 20 Jahre zur Brennholzgewinnung, was Stockausschlag zur Folge hatte. Anhand einer Fotoserie führte Wolfender die 39 Altbürger durch dieses Kleinod im Kreuzlinger Bürgerwald. Waldarbeiten oder Pflegeeingriffe sind hier nicht erlaubt. Die Altholzinsel bleibt für 25 Jahre sich selbst überlassen. Asthaufen, vermodernde Strünke und sogar stehendes Totholz bieten einen ökologisch sehr wertvollen Lebensraum. Spechte, Insekten oder Siebenschläfer sind darauf angewiesen. «Für mich ein Zauberwald», erklärte der Pro-Forst-Präsident und empfahl allen Anwesenden einen Spaziergang durch das nördlich des Bommer Weihers gelegene Gebiet.

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