/// Rubrik: Kultur

Wo Gifte in unserem Alltag anzutreffen sind

Winterthur – Gift ist tückisch und unheimlich, denn es wirkt im Verborgenen, manchmal Stunden oder Tage später. An den insgesamt vier Tatorten «Küche», «Garten», «Mühle» und «Bibliothek» zeigt das Naturmuseum Winterthur im Rahmen der Sonderausstellung «Gifte» des Mühlerama Zürich wo und wie Gifte in unserer Vergangenheit und Gegenwart eine Rolle spielen. Ab morgen kann die Ausstellung im Museum besucht werden.

Poster der Ausstellung. (Bild: zvg)

Poster der Ausstellung. (Bild: zvg)

Vor einer akuten Vergiftung braucht man sich in unseren Breitengraden kaum mehr zu fürchten. Schliesslich ist die Lebensmittelproduktion strengen Kontrollen unterworfen, die Esswaren sind alle mit einem Haltbarkeitsdatum versehen und zu Hause sorgen Kühlschrank und Tiefkühltruhe dafür, dass nichts verdirbt.

Ein Gift-Tatort in der Ausstellung ist dennoch die Küche. Esswaren verderben schnell, Schimmelpilze und Bakterien können sich ausbreiten und schwere Vergiftungen verursachen. Die Menschen wussten sich jedoch im Laufe der Zeit gegen die entstehenden Gifte immer mehr zu wehren: Seit Jahrtausenden ist die konservierende Wirkung von Salz, Öl, Essig und Honig bekannt. Darüber hinaus gehören Räuchern, Trocknen oder Einkochen ebenfalls zu den traditionellen Methoden. Und mit den «neuzeitlichen» Erfindungen der Konservendosen und dem Kühlschrank, sind frische und unverdorbene Lebensmittel während dem ganzen Jahr eine Selbstverständlichkeit.

Botulismus: Das Gift in der Konserve
Ganz geschützt vor Giften ist man jedoch trotz Konservierung nie: denn auch in den Konservendosen lauert die Gefahr. Wer beispielsweise den Inhalt einer Konserve mit geblähtem Deckel verzehrt, muss mit einer der schwerwiegendsten Lebensmittelvergiftungen rechnen – dem Botulismus. Für das schwere Krankheitsbild des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum verantwortlich. Giftig für den Menschen ist nicht das Bakterium selbst, sondern ein von ihm ausgeschiedenes Gift, das Botulinumtoxin. Und nicht zuletzt sind auch beim Kühlschrank gewisse Regeln zu beachten, um Vergiftungen und Erkrankungen vorzubeugen. Regelmässiges Abtauen und eine gründliche Reinigung sind daher notwendig, um beispielsweise die Schimmelpilzbildung zu verhindern.

Wo lauern die Gifte in unserer täglichen Nahrung?
Die Angst vor akuten Vergiftungen ist bei uns zwar zurückgegangen, dafür machen sich viele Menschen Sorgen über langfristige gesundheitliche Schäden durch Lebensmittel. Kontroverse Themen wie Glutamat, künstliche Süssstoffe, Pestizide und Umweltgift beschäftigen die Konsumenten heutzutage mehr den je. Wie gefährlich sind solche Stoffe wirklich? Ist Bio eine mögliche Alternative? Die Sonderausstellung geht dieser Thematik nach und bringt erstaunliches zu Tage.

Es liegt auf der Hand, dass man in der Natur dem Gift jeweils sehr nahe kommt. Ein Gift-Tatort beschäftig sich damit, wie man im Garten, Wald und in den Bergen von teilweise stark giftigen Pflanzen und Pilzen umgeben ist. Und nicht nur das, manchmal wird auch unbewusst danach gesucht: Heute liegt das Sammeln von Wildpflanzen und Pilzen im Trend, was schon manch unerfahrenem Laien zum Verhängnis geworden ist. Denn viele essbare Pflanzen und Pilze haben giftige Doppelgänger. Wie unterscheiden sich Bärlauch und Herbstzeitlose? Sind Vogelbeeren giftig? Was passiert, wenn man den Perlpilz mit dem Pantherpilz verwechselt?

Von der Natur geht es in die Mühle. Den Mühlen kommt bis heute die wichtige Aufgabe zu, vor Getreidevergiftungen zu schützen, indem sie giftige Samen und Pilze aussondern. Ausgerechnet das Alltagslebensmittel Brot war in früheren Jahrhunderten immer wieder mit Gift verseucht. Eine der gefürchtetsten Vergiftungen verursacht das Mutterkorn, ein Pilz, der auf Getreideähren gedeiht. Zwar sind die schwarzen Mutterkornzapfen gut zu erkennen, doch leider war die Giftigkeit dieses Pilzes lange Zeit unbekannt. Mutterkornverseuchtes Mehl führt zu schrecklichen Erkrankungen, die Glieder sterben ab oder man wurde von Epilepsie ähnlichen Krämpfen heimgesucht. Tausenden bereitete das Mutterkorn den Tod.

Tatort Bibliothek: Gifte in der Literatur
Eine Bibliothek ist der letzte Tatort: Gift ist in den Büchern besonders präsent – als unblutiges Mordmittel für kaltblütige Täterinnen und Täter. Die Grand Old Lady des Kriminalromans, Agatha Christie, liess in über der Hälfte ihrer Bücher mit Gift töten. Bis heute erfreut sich der literarische Giftmord grosser Beliebtheit, wie das Interview mit der Zürcher Krimiautorin Mitra Devi zeigt.

Auch in der Realität war der Giftmord lange Zeit eine durchaus verbreitete Methode, um unliebsame Regenten aus dem Weg zu schaffen. Als vorbeugende Entgiftungsmittel wurden allerlei Mittelchen eingesetzt. In einer Vitrine der Sonderausstellung werden verschieden Mittelchen und Aufbewahrungsdosen gezeigt. Seit die Gerichtsmedizin auch geringste Mengen von Gift in einem Leichnam nachweisen kann, ist der Giftmord selten geworden.

Die Eröffnung findet heute um 16.30 Uhr statt
Nach der Begrüssung durch Hans-Konrad Schmutz, Direktor des Naturmuseums Winterthur spricht Dr. med. Hugo Kupferschmidt der Informationsstelle tox Info Suisse über die spannend-unheimliche Welt der Gifte. Gleichzeitig findet für die Kinder ein Begleitprogramm für die Kinder um Untergeschoss statt. Die Sonderausstellung ist bis am Sonntag, 16. August, im Naturmuseum zu sehen.

Weiterführende Informationen auf www.natur.winterthur.ch.

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