/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Jubilar mit vielen Geheimnissen

Kreuzlingen – Zum 90. Geburtstag werden Kreuzlinger Einwohner von der Stadt stets gleich geehrt – mit einfacher Blumenschale und Grusskarte. Für einen gab’s aber mehr. Künstler Anton Bernhardsgrütter erhielt am Sonntag im Museum Rosenegg einen grossen Bahnhof.

Anton Bernhardsgrütter (r.) konnte zu seinem 90. Geburtstag am Sonntag im Museum Rosenegg viele Gückwünsche entgegennehmen. (Bild: Thomas Martens)

Anton Bernhardsgrütter (r.) konnte zu seinem 90. Geburtstag am Sonntag im Museum Rosenegg viele Gückwünsche entgegennehmen. (Bild: Thomas Martens)

Der Museumssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, wer nicht angemeldet war, konnte leider nicht dabei sein. Nicht sehr oft feiern betagte Kreuzlinger Personen ihre hohen Geburtstage derart öffentlich, wie es Anton Bernhardsgrütter getan hat. Auch wenn man den Eindruck hatte, er wolle das ganze Prozedere stillschweigend in der ersten Reihe sitzend und kaum eine Miene verziehend über sich ergehen lassen. Zum Schluss ergriff er dann aber doch noch das Wort und bedankte sich bei allen Rednern für die lobenden Worte und bei den Gästen für ihr Erscheinen: «Ein schöner Tag und ab heute ohne le pauvre cochon», spielte er auf den Zusatz an, den er zu seiner Signatur auf den Bildern verwendete.

Bernhardsgrütter, in bescheidenen ländlichen Verhältnissen aufgewachsen, machte Zeit seines Lebens kein grosses Aufsehen um seine Person, eckte aber dennoch häufig an. Er habe seiner Umgebung viel gegeben, ihr aber auch viel zugemutet, würdigte ihn Stadtammann Andreas Netzle.

Der bekannte Thurgauer Historiker und Autor Stefan Keller begab sich auf einen wortreichen Streifzug durch die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Kreuzlinger Lehrers, der von einen Tag auf den anderen mit seinem bisherigen, bürgerlichen Leben als Familienvater brach, um ein neues, unsichereres als freischaffender Künstler zu beginnen.

Keller versuchte, Antworten auf diese Zäsur zu finden, was aber nicht gelang. Obwohl Bernhardsgrütter neben einer Vielzahl an Bildern auch eine Menge Schriftwerk gefertigt hat, bleibt einiges im Dunkeln. Während seine Bilder bekannt sind, sind es die Schriften weniger, «ein Schatz, den es sich zu heben lohnt», ist sich Literaturkenner Keller sicher.

1993 kehrte Bernhardsgrütter nach Kreuzlingen zu seiner Frau zurück und bezog ein Atelier in der Schützenstrasse. Dieses gab er 2009 auf und zog ins Alterszentrum Kreuzlingen, wo er bis heute lebt. Für Stefan Keller ist Anton Bernhardsgrütter, mit dem er sich seit vielen Jahren beschäftigt, nach wie vor ein Mensch vieler Widersprüche. Aber auch einer, «der sich nie vor einen Karren spannen und nie von einem Kollektiv vereinnahmen liess».

Musikalisch umrahmt wurde die Geburtstagsfeier vom Tambour Alessandro Fassbind, einem Enkel Bernhardsgrütters, sowie dem Kammermusik-Trio «Corona».

Die Werke von Anton Bernhardsgrütter sind noch bis zum 17. Mai im Museum Rosenegg zu sehen.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.