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Liebestod im Seeburgpark

Kreuzlingen - Bei der Inszenierung von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» setzt das See-Burgtheater auch dieses Jahr auf seine Stärken. Das Publikum darf sich auf tolle Musik und talentiertes Schauspiel freuen, tragisch-komisch von Astrid Keller inszeniert. In einigen Rollen ist sogar Seeburg-Nachwuchs zu sehen, aber nicht auf der Bühne: Eine solche gibt’s nämlich nicht.

Astrid Keller (m.) und Co. mit Modell der Naturbühne. (Bild: See-Burgtheater)

Astrid Keller (m.) und Co. mit Modell der Naturbühne. (Bild: See-Burgtheater)

Herzzerreissend wird es, aber auch witzig, verspricht Regisseurin Astrid Keller. An der Premiere am 9. Juli wird sie erstmals das See-Burgtheater leiten. Sie hat «Romeo und Julia» schon lange auf ihrer Liste. «Wenn ich inszeniere, dann die bekannteste Liebesgeschichte aller Zeiten», habe sie sich geschworen. «Einer der bewegendsten Stoffe der Weltliteratur.» Kellers Mann Leopold Huber, langjähriger Regisseur, wirkt als Produzent und hat den Prosatext der Novelle von Gottfried Keller in Situationen und Dialoge umgewandelt.

«Ich habe nichts modernisiert, bin nahe an Keller dran geblieben», sagt dieser. Auch heute noch halte die Geschichte einem den Spiegel vor, verweise auf die «Deformation der Gesellschaft». Nachdenklich habe Huber sich bei den Arbeiten zur Bühenadaption gefragt: «Was ist das für eine Welt, in der sich unsere Kinder, die eigentlich unser Wertvollstes sein sollten, in den Kopf schiessen müssen?»

Eine richtige Bühne mit Brettern wird es indes in diesem Jahr nicht geben. Die Liebe der Kinder zweier verfeindeter Bauernfamilien findet auf einer Naturbühne statt. Gespielt wird auf dem Rasen, Bäume werden als Requisiten genutzt und Musiker, das kündigte Bühnenbildnerin Beate Fassnacht schon einmal vorsorglich an, müssen bei Regen Unterschlupf unterm Dach der Zuschauertribüne suchen. Mit ihren Kostümen zielt Fassnacht darauf ab, «erdige, leibhaftige Figuren» zu bestücken, «wie aus der Zeit gefallen» sollen sie sein. Historisiert wird nicht.
Das Casting fand in Bottighofen statt, und Astrid Keller ist froh, junge Talente an Bord gezogen zu haben. Ganz junge: Anna Engeli, die Tochter des bekannten See-Burgtheaterschauspielers Simon Engeli – er gibt den Schwarzen Geiger, ein Geiger, der auch wirklich Geige spielen kann – ist im Vorschulalter und erstmals im Ensemble des See-Burgtheaters. Frisch von der Schauspielschule kommen hingegen die Hauptdarsteller Anna Blumer und Raphael Tschudi. Altbekannte Gesichter sind Hans Rudolf Spühler und Werner Biermeier, welche die verfeindeten Bauern spielen.

Volkslieder und Gypsy-Musik
Die musikalischen Arrangements kommen von Volker Zöbelin und Goran Kovacevic – Kenner des See-Burgtheaters horchen also auf. «Viele schöne Lieder und Gypsy-Musik» kündigt Astrid Keller an, gesungen von einem 13-köpfigen Chor. Ein Hintergrund, vor welchem die Dramatik des Stoffes nur umso mehr wirken dürfte. Was ganz im Sinne der Regisseurin ist, die tragisch-komisch, aber berührend inszenieren will: «Wenn die ein oder andere Träne im Publikum fliesst, dann haben wir gute Arbeit geleistet.»

Premiere am 9. Juli, 19 Aufführungen folgen. Tickets: www.see-burgtheater.ch

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