/// Rubrik: Leserbriefe

Verantwortung fürs Kunstmuseum

Leserbrief – Zum Bundesgerichtsentscheid vom 15. April. (Peter Dransfeld, Kantonsrat SP, Ermatingen)

Wo kommen wir hin, wenn das Volk überall mitredet? So mögen führende Thurgauer gedacht haben, die ein Museumsprojekt für 16 Millionen Franken am Volk vorbei schleusen wollten. Nun sagt das Bundesgericht, was die Verantwortlichen für das Ittinger Debakel hätten wissen müssen: dass bei uns grosse staatliche Aufgaben – ausgenommen dringend nötige – vors Volk gehören.

Damit wurden ernste Bedenken, die Kantonsräte von SP und Grünen erstmals Mitte 2012 äusserten, durch drei Bundesrichter (der gleichen Parteien) bestätigt. Ein Lichtblick für kritische Vertreter aller Parteien, engagierte Vertreter der Kultur- und Bauszene und einen mutigen Anwalt, die nicht wahrhaben wollten, was der Regierungsrat zuerst vorlegte, dann kleinlaut zurückzog und schliesslich trotz rechtlicher Bedenken neu aufgewärmt und konzeptlos vom Parlament durchwinken liess.

Steuergelder für die Renovation eines Gebäudes, das dem Kanton nicht gehört, nebulöse Zahlungen an eine Stiftung, grosse Arbeitsvergaben unter der Hand und alle Entscheidungsgewalt im engsten Dunstkreis der Stiftung: Das Konzept war so wenig transparent wie überzeugend.

Regierungsräte persönlich haftbar zu machen, geht zu weit. Nötig ist aber ihr Eingeständnis, dem dreisten Plan der Stiftung nicht entschlossen begegnet zu sein. Dann gilt es, die Übung geordnet abzubrechen, reinen Tisch zu machen, die Verursacher des Schlamassels nicht noch Geld nachzuwerfen und vorwärts zu blicken: für ein Kunstmuseum, hinter dem der ganze Thurgau mit Freude steht. Den Verantwortlichen der Stiftung sei derweil – im Geist der Kartäuser – Demut und Bescheidenheit empfohlen.

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One thought on “Verantwortung fürs Kunstmuseum

  1. Bruno Neidhart

    Nicht dass Sie mich falsch verstehen, Herr Dransfeld! Doch reisen wir, bestaunen wir im In- und Ausland ziemlich ausschliesslich Bauten und Institutionen, bei denen nicht „das Volk“ bestimmt hatte: „Das machen wir – so soll es sein“, sondern Einzelne (etwa ein Industrieller) oder eine kleine Körperschaft (etwa eine Klostergemeinde), diese also „den Blick“ hatten, aktiv wurden und „lieferten“. Sehen Sie sich mal „Das Würth“ in Rorschach an. Es mag nicht allen gefallen. Aber wenn viele reden, kommt meistens wenig heraus. Hier wurde wenig geredet und entschieden. Nochmals: „Das Volk“ soll wissen, was läuft, und wenn Gesetze es verlangen, mitbestimmen können. Und es ist selbstverständlich ein Unterschied, ob „privat“ oder „öffentlich“ gehandelt und entschieden wird. Andererseits ist das „Entzücken“, wiedermal etwas „bachab“ geschickt zu haben, bei zu vielen viel zu gross, eben auch dabei gewesen zu sein, wenn etwa ein Museum (oder ein Schwimmbad!) ein „Debakel“ erleidet. Das „Nichts“ berauscht einige von uns ab und zu – ganz ohne „Klosterbräu“. Bei „Ittingen“ weiss ich nicht Bescheid – oder nur soweit, wie Sie es andeuten. Bin also spezifisch entlastet, meine aber, dass diese Institution, die ich nur „ausstellungsmässig“ kenne – der Hl. Bruno schuf übrigens den Kartäuserorden! – , auch an einem anderen Ort stehen könnte, an einem täglich „bevölkerteren“: In der Region Kreuzlingen-Konstanz zum Beispiel! Das Letzte nur so nebenbei……

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