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«Meeting Point» mit Kitsch und Gruselfaktor

Konstanz/Kreuzlingen – Mit einer Doppel-Vernissage startet heute die Ausstellung «Meeting Point». 16 nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Werke. In Kreuzlingen wird’s gruselig-kitschig.

Im Dorf des Allgäuer Einsiedlers hängen überall religiöse Sprüche. (Bild: Alexandra Vogt)

Im Dorf des Allgäuer Einsiedlers hängen überall religiöse Sprüche. (Bild: Alexandra Vogt)

Die grenzübergreifende Ausstellung zeigt Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Videofilme und Installationen, auf beide Städte und zwölf Stationen verteilt, verbunden durch einen Kunstspaziergang (s. Kasten).

Festakt am Samstag, 23. Mai, um 11 Uhr im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums Konstanz. Vernissage im Kunstverein um 12 Uhr. Ab 13 Uhr Kunst-Spaziergang zum Kunstraum Kreuzlingen, wo ab 14 Uhr Vernissage ist. Infos auf www.kunstverein-konstanz.de.

Alle Werke entstanden zu Themenfeldern wie «Religion & Toleranz», «Begegnung & Kommunikation», «Gastfreundschaft & kulturelle Vielfalt» und «Gerechtigkeit & Verlässlichkeit». Diese ergeben sich aus der bewegten Geschichte des Konzils und sind gleichzeitig zeitlos.
Die Kunstwerke werden nicht wie so oft allein in  offiziellen Ausstellungsräumen gezeigt, sondern auch an Orten, die sich die Künstler selbst ausgesucht haben.

Madonnen von Marlies Pekarek. (Bild: zvg)

Madonnen von Marlies Pekarek. (Bild: sb)

Etwa die Intervention der Bernerin Marlies Pekarek in Kreuzlingen. Dort wo einst Klostermauern standen, hat sie an der Hauptstrasse 11 ihren eigenen Devotionalienhandel aufgebaut. Die von ihr aus dem symbolträchtigen Material Seife gegossenen Madonnen in allen Grössen und Farben werden auch verkauft.

Reflexionen über Fanatismus
Die deutsche Künstlerin Alexandra Vogt stellt ebenfalls in Kreuzlingen aus. Sie hat die verlassene Behausung einer Allgäuer Sekte – der Marienkinder – fotografisch und filmisch erforscht. Zusätzlich überführt sie originale Möbel und religiöse Kleidungsstücke in einen Kunst-Kontext und verbreitet – ganz naiv wahrgenommen – gehörige Grusel-Atmosphäre.
Gespenstisch mutet ihr Rundgang durchs selbstgebaute Städtli eines Allgäuer Einsiedlers via 3D-Film an, zu sehen im Kunstraum. Seit 30 Jahren arbeitet hier ein tief religiöser Mann an seiner Arche für die Post-Apokalypse.

Die Künstlerin zeigt sich fasziniert von der Ästhethik dieser Weltflucht, dieses  irren Projekts. Vogt begleitet den Mann schon lange, ihr Atelier ist in der gleichen Gegend, eine Freundschaft entstand. Vorsichtig bewegt sich die Kamera durch den verschneiten Wald, ein möglicher Ersatz für einen Besuch am realen Ort, wäre die Tonspur mit verstörenden Geräuschen nicht. «Er hat Fans auf der ganzen Welt», sagt Vogt. Schaulustige und Medienrummel wünscht sie ihm aber nicht an den Hals. Lange musste sie mit sich ringen, entschloss sich aber dennoch, die Aufnahmen erstmals der Öffentlichkeit zu zeigen.

Zu sehen bis 30. August.

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