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Auch das Schöne muss sterben

Kreuzlingen – Zu einem literarisch-musikalischer Abend läd das Museum Rosenegg am Mittwoch, 27. Mai, 19.30 Uhr. Zwei Gedichte von Schiller und Hölderlin, vertont durch Brahms, werden zu Gehör gebracht. Der Eintritt ist frei, Kollekte.

Johannes Brahms, der grosse Komponist von Vokalmusik im 19. Jahrhundert, war auch ein grosser Literaturkenner. Seine Vertonungen sind sensible und tief empfundene Interpretationen der verwendeten Texte. Der musikalisch-literarische Abend im Museum Rosenegg stellt zwei Beispiele vor.

«Auch das Schöne muss sterben», mit diesem Vers beginnt Friedrich Schil­lers Nänie (1800), die Textgrundlage der gleichnamigen Komposition von Brahms (1881). Darin wird die Endlichkeit des Schönen anhand dreier mythologischer Todesfälle bewiesen: Eurydike, Adonis und Achill. Trost bietet die Aussicht auf ein Weiterleben im Kunstwerk. Dem Schicksalslied (1871) von Brahms liegt ein Gedicht von Friedrich Hölderlin zugrunde, Bestandteil seines Briefromans Hyperion oder der Eremit in Griechenland (Bd. 2, 1799). Im Gedicht zeichnet Hölderlin ein düsteres Bild des menschlichen Lebens und kontrastiert es mit dem der «seligen Genien», denen eine stille, klare und ewige Existenz beschieden ist. Beide Gedichte verlangen nach Illustration und Deutung.

Dr. Monika Örtner. (Bild: zvg)

Dr. Monika Örtner. (Bild: zvg)

In einer bildreichen Präsentation gibt die Literaturwissenschaftlerin Dr. Monika Oertner Erläuterungen zu Wortlaut, lyrischer Form und Werkkontext der Gedichte und stellt einige Interpretationsansätze vor. Die Dirigentin und Leiterin des Oratorienchors Kreuzlingen Annedore Neufeld zeigt am Flügel, welche musikalische Ausgestaltung die Texte in der Vertonung durch Johannes Brahms erfahren haben.

Annedore Neufeld. (Bild: zvg)

Annedore Neufeld. (Bild: zvg)

Beide Chorwerke von Johannes Brahms werden zusammen mit Antonín Dvorˇáks 8. Sinfonie und Te Deum am 31. Mai 2015 um 19.30 Uhr in der Kirche St. Stefan in Kreuzlingen zu hören sein, aufgeführt durch den Oratorienchor Kreuzlingen und die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz unter der Leitung von Annedore Neufeld.

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