/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Altersheim wird umgebaut

Kreuzlingen – Der Neubau des Alterszentrums Kreuzlingen liegt im Zeitplan und soll im Oktober bezugsbereit sein. Als nächstes steht der Umbau des Altersheims in ein Pflegeheim an. Das Kreditbegehren über 16 Millionen Franken wurde an der Genossenschaftsversammlung genehmigt.

Präsident Carl Ruch informierte die zahlreich erschienenen Genossenschafter über die Zukunft des Alterszentrums Kreuzlingen.(Bild: ek)

Präsident Carl Ruch informierte die zahlreich erschienenen Genossenschafter über die Zukunft des Alterszentrums Kreuzlingen. (Bild: ek)

Die Genossenschaft Alterszentrum Kreuzlingen (AZK) stand und steht vor Umwälzungen und Veränderungen. So war es nicht verwunderlich, dass es an der Genossenschaftsversammlung viel zu bereden gab. Die geschäftlichen Traktanden waren dabei schnell abgehandelt. Das AZK schrieb im Jahr 2014 einen Gewinn von 27835,50 Franken und konnte gleichzeitig Abschreibungen und Rückstellungen in Höhe von 1087841,50 Franken vornehmen. Für das laufende Jahr 2015 wird ein Verlust von 37468 Franken budgetiert. Die Rechnung samt Budget wurde diskussionslos genehmigt und auch dem Vorstand wurde die Decharge erteilt. Otto Bühlmann, seit November neuer Bereichsleiter der Verwaltung und zentralen Dienste, stellt sich bei der Gelegenheit der Versammlung vor.

Entscheidungsgrundlage fehlt
Erst als Genossenschaftspräsident Carl Ruch über die Bautätigkeiten zu informieren begann, kam Leben in die Versammlung. Diese sieht drei Bau-etappen vor: Den Neubau, den Umbau des Altersheims und die Sanierung der Alterssiedlung.
«Den Neubau haben wir im Griff», sagte Ruch und gab sich zuversichtlich, im Oktober die ersten Betagten dort einquartieren zu können.

Als zweiter Schritt steht nun der Umbau der Altersheims an. Da dieses heute hauptsächlich als Pflegeheim genutzt wird, seien weitreichende Anpassungen nötig, um den kantonalen Auflagen gerecht zu werden. Ohne Anpassungen sei die Betriebsbewilligung in Gefahr. «Unser Kreditbegehren fällt mit knapp 16 Millionen Franken um einiges höher aus, als ursprünglich angedacht», sagte Präsident Carl Ruch. Architekt Hubert Bischoff erklärte die geplanten Veränderungen und verbildlichte diese mit seinen Zeichnungen. So soll das ganze Haus rollstuhltauglich, die Isolation deutlich verbessert und die Betagtenzimmer mit Nasszelle und Lüftungsanlage auf den neusten Stand gebracht werden. Um dies realisieren zu können, soll die zentrale Innentreppe entfernt werden, um Platz für eine Begegnungszone zu bieten. «Wie ein kleiner Dorfplatz im Gebäude», beschrieb Bischoff seine Vision. Auch der Haupteingang wird verlegt, zukünftig soll die Anlage von Westen her betreten werden. Alles in allem kommt die Sanierung laut Bischoff um ein Drittel billiger als eine Neubaulösung. «Ausserdem ist das Altersheim eines der überragenden Bauten, welche in den 70er Jahren in Kreuzlingen errichtet wurden», zeigte sich der Architekt über die Ausstrahlungskraft des Gebäudes begeistert.
Seine Ausführungen stiessen auf viel Interesse und Bewohner samt Genossenschafter nutzten seine Anwesenheit, um über Details aufgeklärt zu werden. SVP-Gemeinderätin und Genossenschaftlerin Barbara Hummel bemängelte, dass die Stimmberechtigten diese Informationen erst direkt vor der eigentlichen Abstimmung erhielten. «Ich kann ohne ausreichende Dokumentation nicht über 16 Millionen Franken abstimmen. Mir fehlt dazu schlicht die Entscheidungsgrundlage», gab Hummel zu bedenken und stellte einen Rückweisungsantrag. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Hummel sich mit Anträgen und Klagen über Formmängel einbrachte. Diese wurden aber allesamt von der Versammlung abgelehnt. So konnte die laut Ruch «historische Abstimmung» durchgeführt werden. Lediglich fünf Stimmzettel gingen gegen das Projekt in die Höhe. «Ich kann ihnen garantieren, dass wir vom Umbau nicht enttäuscht sein werden», sagte Ruch nach der Abstimmung.

47 Millionen Franken investiert das Alterszentrum Kreuzlingen in Neubau und Modernisierung.(Bild: ek)

47 Millionen Franken investiert das Alterszentrum Kreuzlingen in Neubau und Modernisierung. (Bild: ek)

Mit Neubau und Umbau kommen nun Schulden in Höhe von 25 Millionen Franken auf das AZK zu, gab Barbara Hummel zu bedenken und erkundigte sich nach dem Finanzplan. Auch kam die Frage auf, inwieweit sich die Stadt Kreuzlingen an den Kosten beteiligt. «Wir haben die Finanzen im Griff», beruhigte Präsident Ruch und nutzte die Gelegenheit, aufs nächste Traktandum überzuleiten: Die neue Vereinbarung zwischen dem AZK und der Stadt Kreuzlingen.

Vertrag aus Grossvaters Zeiten
Die Stadt Kreuzlingen hat den Auftrag, auch für ihre älteren Bewohner zu sorgen. 1968 wurde aus diesem Grund die Genossenschaft gegründet, 1972 eine Vereinbarung mit der Stadt  über eine Defizitgarantie ausgehandelt. «Ein Vertragswerk, das nicht mehr in die heutigen Begebenheiten passt», so Ruch. Es beinhaltet Formfehler, hat eine unbefristete Vertragsdauer und auch für die Defizitgarantie besteht keine Höchstgrenze (wir berichteten). Die neue Vereinbarung sieht nun eine maximale jährliche Defizitübernahme von 400 000 Franken vor und eine Laufzeit über 25 Jahre. «In den letzten 25 Jahren musste die Stadt Kreuzlingen nie ein Defizit übernehmen», gab Ruch zu bedenken. Aufgrund der Bautätigkeiten ist für die nächsten fünf Jahre nun ein jährliches Defizit von 120 000 Franken miteingeplant. Die neue Vereinbarung wurde mit zwei Gegenstimmen angenommen. Jedoch gab es Diskussionen zu einzelnen Paragrafen. Unter anderem soll klar geregelt sein, dass Kreuzlingen nur für ein Defizit aufkommen muss, welches auf Kreuzlinger Boden entstanden ist.

Zukunftswohnen in Bottighofen
Dies in Hinblick auf die bestehende Zusammenarbeit  mit Bottighofen, welche weiter ausgebaut werden soll. Denn auch die Gemeinde Bottighofen hat den Auftrag, sich um seine Betagten zu kümmern. Aus diesem Grund baut die Gemeinde ein Pflegeheim. Das AZK soll dort als Dienstleister den Betrieb übernehmen. Die Genossenschaftler sorgten sich jedoch darum, dass das AZK in Bottighofen ein Verlustgeschäft eingeht.

Eine Befürchtung, welche der Vorstand nicht teilte. «Wir sind zuversichtlich, die Arbeit in Bottighofen sauber als Mandat in unserer Rechnung ausweisen zu können», so Ruch. Auch der anwesende Gemeindepräsident von Bottighofen, Urs Siegfried, gab Entwarnung: «Bisher hat Bottighofen alle Kosten übernommen und wird das auch weiterhin tun.» Der Vorstand sicherte sich den Rückhalt der Trägerschaft mittels einer Konsultationsabstimmung. Mit nur einer Gegenstimme gaben die Genossenschafter der weiteren Zusammenarbeit grünes Licht.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.