/// Rubrik: Stadtleben

Die Gräben sind zu tief

Kreuzlingen – Schon mehrfach berichteten wir von den Streitigkeiten in der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen. Jetzt hat die Anfang des Jahres eingesetzte Dialoggruppe die Gespräche mit der Kirchenvorsteherschaft und dem kritisierten Pfarradministrator Alois Jehle für gescheitert erklärt. Am geplanten Aussprache-Abend vom 12. Juni werden die Sprecher der Unzufriedenen nicht teilnehmen.

Alois Jehle, Pfarrer St. Ulrich. (Bild: Thomas Martens)

Alois Jehle, Pfarrer St. Ulrich, wird von einer grossen Gruppe Kirchbürger kritisiert. (Bild: Thomas Martens)

Die Dialoggruppe vertreten durch Ruedi Anderegg, Erich Bätschmann, Urban Büchel, Xaver Dahinden, Pirmin Hugentobler, Monica Schär, Bruno Schlauri und Rolf Seger liess uns folgende Mitteilung zukommen:

In den letzten drei Jahren haben ungewöhnlich viele und auch engagierte KirchbügerInnen der Pfarrei St. Ulrich den Rücken gekehrt. Sie wurden von der Seelsorge enttäuscht, erlebten Unfrieden und Verletzungen, empfinden Trauer oder Wut, dies alles in einem bisher in Kreuzlingen nicht gekannten Ausmass. Im Pfarrblatt «forum» 11/15 hat Alois Jehle zu einem Aussprache-Abend am 12. Juni eingeladen, damit die Angehörigen der Pfarrei St Ulrich ihre Anliegen «offen und persönlich vorbringen können und um bei dieser Gelegenheit evtl. Fragen oder Kritik möglichst objektiv zu klären».

Die Dialoggruppe hat es auf Anfrage abgelehnt, an der Vorbereitung dieses Abends mitzuwirken. Sie wird auch nicht daran teilnehmen.

Die Gründe dafür sind:

  1. Wir haben in mehreren Gesprächen mit verschiedenen Gremien der Pfarrei unsere Anliegen vorgetragen. Pfarradministrator Alois Jehle war an den wichtigen Treffen mit dabei. Unsere Kritik wurde von ihm, von der Kirchenvorsteherschaft und vom Pfarreirat erfasst, zum Teil mehrfach.
  2. Wir stellen fest, dass wir damit bei der Leitung der Pfarrei St. Ulrich auf wenig Verständnis stossen. Ihr geht es darum, die «falsche» Lehre der Amtsvorgänger zu korrigieren. Für unsere Glaubenshaltung gibt es keinen Platz in dieser Pfarrei.
  3. Wir haben Alois Jehle als dominanten Selbstverteidiger erlebt, der Argumente übergeht und der bestimmt, was gilt und was wahr ist.
  4. Die Kirchenvorsteherschaft beschränkt(e) sich darauf unsere Kritik zu notieren. Zwei Monate warteten wir auf das Protokoll des wichtigsten Gesprächs und auf eine Lagebeurteilung durch die KV. Am Abend des 4. Juni ist nun eine Reaktion der KV eingetroffen. Wir werden dazu Stellung nehmen. Die KV ist dabei, die eigenen Reihen zu säubern und zu schliessen. Kritischen Mitarbeitern wurde das Gespräch mit uns untersagt. Der angestrebte offene Dialog wird immer unwahrscheinlicher, die Beteuerungen wirken zunehmend unglaubwürdiger.
  5. Nachdem nun Redeverbote für einzelne Mitarbeiter gelten, wurde in aller Eile und ohne Konzept dieser Aussprache-Abend vom 12. Juni veranlasst, um weiteren Kritikern, die genügend Courage haben, entgegentreten zu können. Die Voraussetzungen für ein offenes Gespräch am 12. Juni sind nicht gegeben.
  6. Wir finden das Vorgehen psychologisch fragwürdig: Viele Menschen scheuen sich, vor Publikum Persönliches vorzutragen. Sie fühlen sich rhetorisch und theologisch zu wenig kompetent und/oder wollen sich nicht exponieren. Einige haben mit der Seelsorge von St. Ulrich abgeschlossen und werden sich einen solchen Abend nicht antun.
  7. Wir finden das Vorhaben seelsorgerisch bedenklich: Auf Grund der bisherigen Gesprächserfahrungen befürchten wir, dass Kritiker blossgestellt und vorgeführt werden oder später eine Vorladung erhalten. Wer will sich diesem Tribunal stellen?
  8. Wir erwarten von einer Pfarreileitung, dass sie im Umgang mit heiklen Themen über sensiblere Methoden verfügt, dass sie ein sorgfältiges Krisenmanagement beherrscht. Es sind keine Bemühungen und kein Konzept erkennbar, wie die Kirchbürgerinnen am 12. Juni ihre Sorgen und Fragen auf einfache Art und in einem geschützten, unabhängigen Rahmen äussern können. Wenn Sachlichkeit, Unbefangenheit und ehrliches Interesse an Kritik Vorrang haben, ist dies unverzichtbar. Deshalb wollten wir nicht als Komplizen eine Mitverantwortung für die Inszenierung vom 12. Juni übernehmen. Wir werden auch nicht im Publikum sitzen und uns provozieren lassen. Wir fragen uns, ob dieser Rechtfertigungsabend, der zur Abrechnung oder zur Farce werden kann, einer Pfarrei würdig ist.
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3 thoughts on “Die Gräben sind zu tief

  1. Bruno Neidhart

    Wenn mit Begriffen, wie: „Komplizen“ und „Inszenierung“ herum geschleudert wird, ist in einer Kirchgemeinde ein Zustand erreicht, der nicht so rasch auf „Sachlichkeit“ hin geschrumpft werden kann, wie es aussieht. Sich einem Dialog verweigern, weil die „Rahmenbedingungen“, in denen ein Dialog stattfinden soll, einigen nicht passt, kann nicht die Antwort sein, um ein religiös-gesellschaftliches Problem einer Stadtpfarrei wenigsten etwas zu entflechten. Und so braucht es denn einen Vermittler, der die „entzweiten Brüder und Schwestern“ zu einem Dialog überzeugen kann. Das Augustinerkloster hat schon ganz andere Stürme erlebt. Den letzten vor gut 200 Jahren hat es allerdings nicht überstanden. So weit muss es in St. Ulrich nun wirklich nicht kommen. Dazu braucht es eben auch eine Portion „Mut“. Fehlt dieser, wird es dunkel – theologisch und gesellschaftlich.

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  2. Marc

    Es sollte verboten sein, sich über ein Thema so negativ zu äussern, das Einem rein gar Nichts angeht. Gemäss der überaus freundlich und gut formulierten Antwort der Kirchenvorsteher vom 10.06.15 haben viele dieser oben genannten Leute weder eine Aufforderung am 12.Juni teilzunehmen, noch das Recht sich öffentlich negativ darüber zu äussern und Leute direkt anzugreifen. Wenn sich die Hauptperson, in diesem Fall Alois Jehle, von sich aus bereit erklärt zu Allem Stellung zu nehmen, ohne dass jemand für Ihn antwortet, wie bei den letzten Malen, dann ist dies ein grosser und mutiger Schritt in die richtige Richtung und sollte ihm hoch angerechnet werden!!
    Demnach gibt es auch keinen Grund ihn vorab als dominanten Selbstverteidiger darzustellen.
    Ich hoffe schwer, dass die Bevölkerung intelligent genug ist, sich selbst ein Bild zu machen und sich nicht von unqualifizierten und beleidigenden Medienberichten einer sogenannten „Dialoggruppe“, die gar keinen Dialog mehr sucht jetzt das sie ihn bekommen könnte, hinreissen lässt und sich auf eine unnötige, blindlings geführte Kampagne gegen ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft anzuschliessen…

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  3. hape

    wir leben 2o15 nach christus…
    glaubenskriege gibts leider schon lange..
    ich denke, gäbe es eine kirche wären die kirchersteuer tiefer
    – wären wir alle brüder und schwestern
    -könnten wir uns alle freuen über gemeinsames singen und beten und feiern.

    in der heutigen zeit sollen sich die kirchgemeinden öffnen, andernfalls sterben sie aus

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