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Auszonung der Schlosswiese beantragt

Kreuzlingen – Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) sowie die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) beantragen in ihrem Gutachten vom 22. Mai 2015 die Auszonung von vier Bauparzellen südlich und nördlich der Brunnegg oder deren dauerhaften Schutz vor einer Überbauung. Eine Überbauung stelle eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Ortsbildes im Sinne der von den Kommissionen definierten Schutzziele dar, meint die ENHK/EKD.

Dieses Gebiet soll nicht bebaut werden. (Bild: archiv)

Dieses Gebiet soll nicht bebaut werden. (Bild: archiv)

Die fraglichen Parzellen Nrn. 8977, 9012, 9013 und 8975 sind rechtmässig, das heisst mit der Zustimmung des Kantons seit vielen Jahren eingezontes Bauland, das im Jahr 2000 zur Wohnzone 70 aufgezont wurde. Ihre Eigentümer versuchen seit Jahren, das Land zu überbauen. Die gemäss heute gültigem Gestaltungsplan mögliche Ausnützung bzw. Bebauungsmöglichkeit wurde aufgrund von Einsprachen in mehreren Schritten reduziert. Die Stadt hatte bei den Kommissionen das Gutachten in Auftrag gegeben, da die Rekurrenten im Verfahren zur Teilrevision des Gestaltungsplans «Ribi-Brunnegg» nur auf dieser Grundlage über den letzten Kompromissvorschlag der Bauherren diskutieren wollen.

Bekanntlich stimmten die Kreuzlinger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger schon dreimal über die sogenannte «Schlosswiese» ab. Im September 2010 hiess der Souverän eine Initiative gut, die die Freihaltung der Wiese zwischen Girsberg und Brunnegg verlangte. Hingegen verwarfen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zweimal die konkrete Umsetzung dieses Postulats: Im Mai 2011 den Kauf und im November 2011 die Auszonung der fraglichen Parzellen. Die jetzt von der ENHK/EKD beantragte Auszonung und integrale Unterschutzstellung war somit bereits einmal Gegenstand einer Volksabstimmung, die mit fast 70 Prozent Nein-Stimmen deutlich ausfiel.

Bereits heutiger Zustand «unerwünscht»
In ihrem Gutachten verweist die ENHK/EKD auf die im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) aufgeführte «Schlosslandschaft Untersee», die gegen Osten vom Gebiet Girsberg, Brunnegg, Ebersberg abgeschlossen werde. Die Kommissionen gehen davon aus, dass diese drei «Schlösser» bzw. Gebäudegruppen in einer räumlichen Beziehung zu einander stehen und deshalb das Zwischen- und Umland «ungeschmälert zu erhalten» ist. Sie berufen sich dabei auf ein selber verfasstes Grundsatzpapier «Schutz der Umgebung von Denkmälern». Doch schon heute sei «das für die Schlosslandschaft Untersee typische Ortsbild der Baugruppen in offenem, nicht bebautem Umland durch das (…) Heranrücken der Siedlung während der letzten Jahre (…) beeinträchtigt». Die unmittelbar östlich der Schlossstrasse errichteten Neubauten auf dem Gebiet Wiissebüel-Granegg sowie die Überbauung westlich der Hemishoferstrasse stellten «eine unerwünschte Bedrängung des Kreuzlinger und Tägerwiler Abschnitts der Schlosslandschaft Untersee» dar.

Aufgrund der Schutzziele nach ISOS sei «der Raum zwischen den Schlössern Brunnegg und Girsberg freizuhalten, damit die authentische Einbettung der Schlösser in die offene Landschaft gewahrt werden kann», schreibt die ENHK/EKD, und weiter: «Die Erhaltung der heute noch bestehenden Qualitäten der Schlosslandschaft Untersee in diesem Bereich kann weder mit dem Gestaltungsplan 1995 noch mit der 2009 vorgesehenen Änderung noch mit dem nun zu beurteilenden Kompromissvorschlag erreicht werden.» Bei letzterem hatten die Bauherren letztes Jahr von sich aus die Bruttogeschossfläche um über die Hälfte reduziert und im Süden der Brunnegg auf das westlichste Baufeld verzichtet.

Stadtrat für Aufhebung der Sistierung
Der Stadtrat Kreuzlingen nimmt das Gutachten der ENHK/EKD zur Kenntnis und weist darauf hin, dass mit ihrem Antrag auf Auszonung aller südlich der Brunnegg liegenden erschlossenen Bauparzellen im Wesentlichen Bauland betroffen ist, das sich nicht in der überlagernden Umgebungsschutzzone befindet. Der Stadtrat wird jetzt mit dem DBU sowie den betroffenen Grundeigentümern und Rekurrenten die Bedeutung des Gutachtens und der darin enthaltenen Anträge besprechen und dann das weitere Vorgehen beschliessen.

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One thought on “Auszonung der Schlosswiese beantragt

  1. Bruno Neidhart

    Ebenso ist im Zentrum von Kreuzlingen die gesamte, heute noch grüne, grosse Freifläche im Kontext mit den mächtigen Klosterbauten im Hintergrund als „schützenswertes Ortsbild“ zu betrachten, zu erhalten und zu pflegen. Im Prinzip geht es letztlich auch „in beiden Fällen“, abgesehen vom Erhalt eines „identifikationsstiftenden Ortsbildes“, ganz einfach um die sinnvolle Offenhaltung letzter Freiflächen als übergeordneter Kulturbegriff einer sich baulich stetig verdichtenden Stadt. Ein Zukunftsmodell.

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