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Kirchgemeinde stellt Kritiker bloss

Kreuzlingen – Hart ins Gericht geht die Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen mit der Dialoggruppe, die Pfarrer Alois Jehle des Amtes entheben möchte. Sie weist sämtliche Vorwürfe zurück und holt zum Gegenschlag aus.

Weisen alle Vorwürfe zurück (v.l.): Martin Beck, Max Imfeld, Georg Strasser, Susanne Altoè, Alois Jehle, Thomas Gisler, Gabriele Goppel und André Simanowski. (Bild: Thomas Martens)

Weisen alle Vorwürfe zurück (v.l.): Martin Beck, Max Imfeld, Georg Strasser, Susanne Altoè, Alois Jehle, Thomas Gisler, Gabriele Goppel und André Simanowski. (Bild: Thomas Martens)

Acht Personen bilden den Kern der selbsternannten «Dialoggruppe der Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen» (wir berichteten), acht Personen boten ihnen anlässlich eines Pressegesprächs am Mittwoch im Ulrichshaus die Stirn: Pfarrer Alois Jehle, der Präsident der Kirchenvorsteherschaft, Thomas Gisler, der Präsident des Pfarreirates, Martin Beck, Rechtsanwalt Max Imfeld, Archivar Georg Strasser, Hauptorganist André Simanowski sowie Pfarreimitarbeiterin Susanne Altoè und Kirchbürgerin Gabriele Goppel.

Vorwürfe zurückgewiesen
Diese verwiesen sämtliche Anschuldigungen der Dialoggruppe ins Reich der Phantasie und bezeichneten sie als haltlos: «Die Kritik entbehrt jeglicher Grundlage», fasste Gisler zusammen. Nach einigen Wochen und Monaten der öffentlichen Zurückhaltung sei jetzt für Gisler aber eine Grenze erreicht, an der man reagieren müsse.

Eine Annäherung der beiden ungleichen Parteien – auf der einen Seite 5000 Pfarreimitglieder, auf der anderen acht Kritiker mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Unterstützern – scheint weiter entfernt, als je zuvor. Alle anwesenden Pfarreimitarbeiter bestätigten unisono ein hervorragendes Verhältnis zu Pfarrer Jehle, menschlich sowie fachlich. Jedes Argument seiner Gegner, sofern überhaupt fassbar, wurde in der Luft zerrissen. Jehle sei es gewesen, der die Ökumene gefördert habe, den Blick über den Tellerrand ausweite, die Kirche für breite Bevölkerungsschichten öffne und zusammen mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern  neue Angebote schaffe.

Mehr Jüngere und Familien
André Simanowski, der stets die Anwesenden während der Gottesdienste zählt, stellt im Durchschnitt 150 Besucher fest. «Mehr als noch vor Pfarrer Jehle.» Woher diese im einzelnen kommen, konnte er zwar nicht sagen. Er berichtet aber von einer hohen Zahl an jungen Leuten und Familien mit kleinen Kindern. Gut aufgehoben fühlt sich in St. Ulrich auch Gabriele Goppel mit ihrer Familie. Sie sieht Missverständnisse und mangelnde Kommunikation als Gründe für die Probleme und Unstimmigkeiten in der Pfarrei.

Apropos Kommunikation: «Die Dialoggruppe verweigert sich jedem Dialog», lässt Präsident Gisler kein gutes Haar an den Kritikern. Zwar habe es drei Gespräche mit Vertretern der Gruppe gegeben, bei denen auch Pfarrer Jehle anwesend war. Eine Einigung gab es nicht. Das letzte Gesprächsangebot vom 12. Juni wurde von den Kritikern aus verschiedenen Gründen abgelehnt (wir berichteten).

Juristische Keule
Die Dialoggruppe muss sich jetzt ihrerseits warm anziehen. Mit ihrer Homepage bewegen sie sich juristisch auf dünnem Eis, verstossen sie doch gleich mehrfach gegen Persönlichkeitsrechte von Alois Jehle. «In der Zusammenschau weist die Homepage eine klar tendenziöse, (ab)wertende Haltung auf», urteilt der St. Galler Rechtsanwalt Max Imfeld, der die Seite unter medienrechtlichen Aspekten prüfte: «Unwahre Aussagen über Tatsachen gelten grundsätzlich als persönlichkeitsverletzend». Zum Teil sei bei diesem «mittelalterlichen Pranger» sogar der Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt.

Alle acht aufgeführten Personen seien Täter, gegen die Strafantrag gestellt werden könne. Was bisher aber niemand möchte. Vielmehr wird der Dialoggruppe die Möglichkeit eingeräumt, die Textinhalte auf der Homepage zu überarbeiten. Gleichzeitig auch deren Bezeichnung an sich, denn sie erwecke den Eindruck, ein Organ der Kirchgemeinde zu sein. «Das ist sie aber nicht», so Imfeld. Er spricht den Mitgliedern jegliches Verständnis über die Strukturen und Zusammenhänge in der Kirchgemeinde ab.

«Ökumene ist ein Muss»
Pfarrer Jehle nahm ausführlich Stellung zu den Anfeindungen. Ökumene sei für ihn ein «Muss», er trete voll und ganz dafür ein, was von Pfarreimitarbeiterin Susanne Altoè bestätigt wurde. Im übrigen vertrete er ganz klar die Haltung von Papst Franziskus, der Gläubigen jeder christlichen Konfession erlauben möchte, ihren Glauben frei von Verwechslung zu leben: «Wer die heilige Kommunion empfangen möchte, sollte deshalb diesen Glauben teilen», so Jehle, der damit an die Selbstverantwortung jedes einzelnen Kirchenbesuchers appelliert. «Ich habe nie jemandem die Kommunion verweigert», entgegnete er zu einem Hauptvorwurf der Dialogguppe, er würde bestimmte Personen davon ausschliessen. Er könne ja auch gar nicht kontrollieren, ob jemand katholisch ist, oder nicht.

«Von Pfarrer Jehle wird erwartet, dass er gegen seinen Glauben, gegen die Regeln der Kirche arbeitet – das kann er nicht», stärkt ihm Thomas Gisler den Rücken.

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3 thoughts on “Kirchgemeinde stellt Kritiker bloss

  1. Bruno Neidhart

    Die gegenseitigen Vorwürfe häufen sich. Da hilf vielleicht nur noch ein friedliches Fussballduell in der FCK-Arena mit einem evangelischen Stadtpfarrer als Schiedsrichter. Anschliessend Bratwust, Bier und Dialog über die wesentlichen Dinge der Welt. Himmelnochmal: Reisst Euch doch endlich zusammen!

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  2. L.F. Vargas

    Bratwurst und Bier für die leibliche Nahrung, das Evangelium ist NAHRUNG für die SEELE. Sport ist für die körperliche Ertüchtigung. Herr Neidhard nehmen Sie andere Standpunkte ernst und verniedlichen Sie solche primitive Angriffe der Dialoggruppe nicht.

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  3. erwin

    wo sst jetzt pfarrer jehle? ich kenne ihn als er noch vikar in interlaken war. grus erwin baeriswyl australien

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