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Zeitlose Sozialkritik

Kreuzlingen – Das See-Burgtheater zeigt vom 9. Juli bis zum 6. August «Romeo und Julia auf dem Dorfe».

Vreneli und Sali sind schon seit ihrer Kindheit unzertrennlich. (Bild: Mario Gaccioli)

Vreneli und Sali sind schon seit ihrer Kindheit unzertrennlich. (Bild: Mario Gaccioli)

Die grösste aller Liebesgeschichten spielt in der Novelle von Gottfried Keller auf den Äckern zweier Schweizer Bauernfamilien um 1850. Regisseurin Astrid Keller inszeniert die tragische Verbindung zweier Nachbarskinder auf einer Naturbühne im Kreuzlinger Seeburgpark. In den Hauptrollen sind Anna Blumer und Raphaël Tschudi zu sehen. Der Kartenvorverkauf läuft bereits.

«Ich möchte diesen berühmten Stoff, der über Jahrhunderte die Menschen bewegt hat und immer noch bewegt, so in seiner Vielschichtigkeit auf die Bühne bringen, dass man lachen und weinen kann», beschreibt Astrid Keller ihre Leitidee für die Inszenierung. Sali und Vreneli, so tauft Gottfried Keller die literarischen Nachfahren vom Romeo und Julia. Zunächst spielen die Bauernkinder noch unter den Augen ihrer Eltern gemeinsam, die sogar bereits über eine mögliche Heirat der beiden sprechen. Als junge Erwachsene dürfen sie sich dann doch nicht lieben, weil ihre Eltern sich über ein Stück Land zerstreiten, das weder der einen noch der anderen Familie gehört. In die Rolle der kleinen Vreneli schlüpft Anna Engeli, deren Vater Simon Engeli als schwarzer Geiger mit auf der Bühne steht. Die Rolle des jungen Sali teilen sich Samuel Erny und Julian Griener.

Intendant Leopold Huber, für Produktion und Text verantwortlich, bezeichnet das Stück seiner «bäuerlich-bourgeoisen Verhältnisse» wegen als hochaktuell: «Es geht um Macht und Einfluss, keiner möchte nachgeben und teilen.» Die jungen Liebenden sind bei Romeo und Julia auf dem Dorfe ebenso in ihren Traditionen verhaftet wie die Generation vor ihnen. Statt einfach durchzubrennen, das Leben von Vagabunden zu führen, sehnen sie sich nach einem Platz in der Gesellschaft.

Die Besucher können Romeo und Julia am Bodensee in einem aussergewöhnlichen Rahmen neu entdecken. Astrid Keller: «Wir müssen die bäuerliche Szenerie nicht in ein Schauspielhaus pressen, sondern haben die Natur zu unserer Bühne gemacht.» Im Mittelpunkt steht ein grosser Steinhaufen, der später Teil des aufgeschütteten Bodenseeufers wird. Durch die Einbettung des Bühnenbildes in die Umgebung des Seeburgparks soll schliesslich die Verblendung von Realität und Fiktion gelingen.

Zum See-Burgtheater gehört eine hochkarätige musikalische Begleitung. «Wir nehmen nur die Allerbesten», lacht Astrid Keller. «Goran Kovacevic spielt Akkordeon auf allerhöchstem Niveau, Simon Engeli ist vermulich der schwarze Geiger mit der besten Geigenausbildung, den es jemals auf einer Bühne gegeben hat.» Ein Chor begleitet das Stück mit schönen Liedern, dazu passt die Gypsy-Musik, die Volker Zöbelin gemeinsam mit Kovacevic arrangiert hat.
Tickets und Infos: www.see-burgtheater.ch.

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